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Basiswissen
Inhaltsverzeichnis

Erzählweise

Im Nachfolgenden wird die Erzählweise in Emilia Galotti analysiert. Der vorliegende Dramentext bietet ein hohes Analysepotenzial, wobei im Rahmen dieses Unterpunktes besonderes Augenmerk auf die Untersuchung des Schreibstils, die Monologe sowie die Orte im Trauerspiel als Sprachräume gelegt wird.

Sprachlicher Stil

  • Während sich die Rezipienten und Figuren in Stand und Herkunft im bürgerlichen Trauerspiel stark von den Rollen in einer klassischen Tragödie unterscheiden, so hält der Autor die sprachliche Form in Emilia Galotti weitestgehend einheitlich
  • Damit, dass Lessing die bürgerlichen Figuren wie etwa die Bediensteten denselben Sprachjargon wie den Adel verwenden lässt, übergeht er zwar zum einen die standesabhängigen existenten Dialekte sowie Soziolekte. Zum anderen bewirkt die Vereinheitlichung des sprachlichen Stils, dass sich Bürgertum und Adel auf einer Augenhöhe begegnen
  • Der sprachliche Ausdruck steht in direktem Zusammenhang mit dem emotionalen Zustand des Sprechers. Als beispielsweise die aufgelöste Emilia ihrer Mutter von der Liebesbeichte des Prinzen erzählt, verwendet sie einen auffällig hypotaktischen Satzbau, welcher auf die Verfassung „einer ängstlichen Verwirrung“ (Aufz. 2, Auft. 6, Z. 4) zurückgeführt werden kann. Es fällt ihr schwer, vollständige Sätze zu formen, und so äußert sie zum Beispiel zunächst stammelnd die Worte: „eben hatte ich mich - weiter von dem Altare, als ich sonst pflege, - denn ich kam zu spät - auf meine Knie gelassen.“
  • Einen weiteren Beweis für die innere Aufgeregtheit der Sprecher stellt der inflationäre Gebrauch von Repetitionen dar. Als der Prinz etwa von Marinelli über Emilias bevorstehende Hochzeit erfährt, so zeigt sich seine Bestürzung beispielsweise darin, dass er zunächst meint, „ein Fürst hat keinen Freund! kann keinen Freund haben!“ (S. 16, Z. 13f). Bereits wenige Zeilen später wiederholt Hettore abermals „Fürsten haben keinen Freund! können keinen Freund haben!“ (Aufz. 1, Auft. 6, Z. 159)
  • Neben dem syntaktischen Aufbau der Tragödie fällt auch den Satzzeichen im Text eine tragende Rolle zu: So lassen sich etwa zahlreiche Gedankenstriche innerhalb des Skripts finden (Aufz. 1, Auft. 6), die die innere Hin- und Hergerissenheit der Figuren verdeutlichen soll. Am Beispiel des Prinzen lässt sich durch seine überdurchschnittliche Verwendung von Gedankenstrichen etwa seine innere Instabilität und Sprunghaftigkeit erkennen. Ein syntaktisches Mittel wie der Gedankenstrich verfolgt das Ziel, einen Überraschungseffekt oder eine Betonung des Gesagten beim Publikum hervorzurufen. Während eine moderate Anzahl dieses Satzzeichens einem Text eine strukturelle Form und Tiefe verleihen, können zu viele Gedankenstriche eine unruhige Atmosphäre verursachen oder den Leser gar demotivieren, weiterzulesen. Lessing setzt seine Satzzeichen mit ebenso großer Überlegung ein, wie er seine Syntax aufbereitet und lässt etwa in Monologen wie die Odoardos (Aufz. 5, Auft. 4) bewusst Ausrufezeichen, Fragezeichen sowie Gedankenstriche in die Interpunktion miteinfließen

Monologe

Der Einsatz von Monologen kann drei unterschiedliche Beweggründe besitzen. Zum einen gibt es den technischen Monolog, der dazu dient, Szenen miteinander zu verbinden, indem man den Monolog als eine Art Übergangsinstrument verwendet, um beispielsweise den Auftritt einer nächsten Figur anzukündigen. Außerdem gibt es noch den Reflexionsmonolog, welcher den Sprecher über etwas bereits Geschehenes sinnieren lässt und somit erläuternd für den Gesamtkontext fungiert. Zuletzt existiert noch der lyrische Monolog, welcher uns als Zuschauer oder Leser Aufschluss über den emotionalen Zustand des Sprechers ermöglicht.
  • Der Prinz (3. und 5. Auftritt in 1. Aufzug): Der erste Monolog wird ebenso wie der darauffolgende in Form einer Bildbetrachtung realisiert. Der Prinz denkt über seine vergangene Beziehung mit Gräfin Orsina nach und kommt zu dem Schluss, dass es letztendlich die richtige Entscheidung war, sich von ihr zu trennen. Demzufolge stellt dieser dritte Auftritt im ersten Aufzug einen Reflexionsmonolog dar. Wir erfahren durch den Rückblick Hettores mehr über sein Leben vor dem Beginn der Handlung und erweitern somit unser Kontextwissen. Im Rahmen des zweiten Monologs des Prinzen betrachtet dieser gedankenversunken das Porträt Emilias. Es handelt sich hierbei um einen technischen Monolog, da Hettore gegen Ende des Selbstgesprächs das Erscheinen seines Kammerherren Marinellis ankündigt
  • Claudia (5. Auftritt im 2. Aufzug): Das einzige Selbstgespräch Emilias Mutter besteht aus einem lyrischen Monolog, in welchem sie über die „raue Tugend“ (Aufz. 2, Auft. 5, Z. 2) ihres Mannes klagt und die Empfindungen kundtut, welche das teils verurteilende Verhalten ihres Mannes in ihr auslöst. Durch diesen Monolog lernen wir mehr über den seelischen Zustand Claudia Galottis
  • Odoardo (2., 4. und 6. Auftritt im 5. Aufzug): Auch wenn die Auftritte des alten Galottis sporadisch sind, so tragen doch mindestens eine ebenso bedeutende Funktion wie die der übrigen Figuren im Trauerspiel. Das Monologtrio im 5. Aufzug stellt eine dreigliedrige Entscheidungskette Emilias Vaters dar, welche im Tötungsakt seiner eigenen Tochter mündet. Sein erstes Zwiegespräch besteht aus einem Reflexionsmonolog, in welchem er die Unterhaltung mit Orsina noch einmal rekapituliert und entscheidet, den Prinzen nicht aus Rache zu töten, sondern ihn für seine Taten zur Verantwortung zu ziehen. Eine genaue Ausführung des Vorhabens wird noch nicht geäußert. Die innere Erregung Odoardos zeigt sich daran, dass er rhetorische Fragen wie beispielsweise „was hat die gekränkte Tugend mit der Rache des Lasters zu schaffen?“ (Aufz. 5, Auft. 2, Z. 5 f.) einwirft und auch die Interpunktion des Monologs weist mit einer Vielzahl an Ausrufezeichen und Gedankenstrichen auf seine Aufgewühltheit hin.
    Im zweiten Selbstgespräch (Aufz. 5, Auft. 4) wiederum steigert sich die Wut des alten Galotti wieder, da er nicht fassen kann, dass der Prinz die Entscheidung darüber, was im Folgenden mit Emilia passieren soll, fällt. Dieser Monolog beihaltet sowohl lyrische als auch technische Elemente. Einerseits empört sich Odoardo über die an ihm vollzogene Ungerechtigkeit, andererseits ist er genötigt, sein Gespräch abzubrechen, da sich Marinelli wieder mit dem Prinzen nähert. Zum Ende weist Galotti darauf hin, dass die beiden nun auftreten werden, was dem Monolog wieder einen technischen, überleitenden Charakter verleiht. Auch bleibt zu vermerken, dass sich die syntaktische Form des Monologtextes je nach Gefühlslage des Sprechers verändert. Zunächst noch wutentbrannt, stößt Emilias Vater bloß abgehackte Wortfolgen wie „wie? - Nimmermehr! - Mir vorschreiben, wo sie hin soll?“ (Aufz 5, Auft. 4, Z. 2) hervor. Je mehr er sich jedoch beruhigt, desto vollständiger werden auch wieder seine Sätze.
    Im finalen Teil des monologischen Trios befindet sich Odoardos innere Anspannung auf dem Höhepunkt, was sich insbesondere in seinem halluzinierenden Verhalten sowie einer elliptischen Syntax ausdrückt. Zwar wehrt sich der Vater gegen den Gedanken, sein eigenes Kind zu töten, und er wünscht sich, dass Hettore die Verantwortung für Emilias weiteres Schicksal übernehmen würde. Doch ebenso sicher ist sich Odoardo, dass er vergeblich warten kann. Auch dieser Monolog trägt sowohl lyrische als auch technische Elemente in sich, da Odoardo seinen Emotionen Ausdruck verleiht, doch ebenso am Ende das Erscheinen seiner Emilia ankündigt

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