10. Kapitel
10. Kapitel: Ende
Am Abend vor K.s einunddreißigstem Geburtstag treten zwei Herren in schwarzen Gehröcken in K.s Stube. Dieser sitzt „in der Haltung wie man Gäste erwartet“ und stellt nur fest: „Sie sind also für mich bestimmt“ (Z. 13). K. urteilt verächtlich über die „bleich[en] und fett[en]“ Männer (Z. 6), verlässt aber mit ihnen das Haus. Sie hängen sich so bei ihm ein und halten ihn mit einem solchen Griff, dass sie zu dritt eine Einheit bilden. K. versucht zu erkennen, wer die beiden Männer sind, aber auf K.s Frage hin bleiben sie stumm. Aus dem Gedanken heraus, dass er nicht viel Kraft benötigen werde, um seinen Begleitern zu entkommen, weigert sich K. plötzlich weiterzugehen. Da meint er, vor ihnen Fräulein Bürstner zu erkennen. Der Wille zum Widerstand vergeht sofort, dieser sei „nichts Heldenhaftes“ (Z. 62) und zwecklos. So setzt er sich wieder in Bewegung „und von der Freude, die er dadurch den Herren machte, ging noch etwas auf ihn selbst über.“ (ebd.) Fortan bestimmt K. die Wegrichtung und folgt dem Fräulein, „um die Mahnung, die sie für ihn bedeutete, nicht zu vergessen.“ (Z. 65 f.). Sich selbst macht er ein vages Schuldgeständnis.
Nach einiger Zeit folgen sie dem Fräulein nicht mehr - stattdessen treffen sie auf Polizisten. Doch K. zieht seine Begleiter „mit Macht [...] vorwärts“ (Z. 101 f.). Außerhalb der Stadt gelangen sie schließlich an einen kleinen Steinbruch. Dort zieht der eine Herr K. die Oberbekleidung aus, was diesen frösteln lässt. K.s Sachen werden noch sorgfältig zusammengelegt, dann suchen die beiden Herren nach einer passenden Stelle, an der sie K. platzieren. Daraufhin zückt der eine ein Messer, das sie sich über K. hinweg wechselnd reichen. K. sieht es als seinen letzten Fehler an, dass er nicht seine Pflicht wahrnimmt und sich das Messer selbst in den Leib stößt. Als in einem an den Steinbruch grenzenden Haus Licht aufflackert und sich ein Fenster öffnet, aus dem sich ein Mensch hinausbeugt, keimt in K. ein letztes Mal so etwas wie Hoffnung auf Hilfe auf. „Wo war der Richter den er nie gesehen hatte? Wo war das hohe Gericht bis zu dem er nie gekommen war?“, sind die letzten Fragen, die K. durch den Kopf schießen. Im nächsten Moment legt der eine Herr seine Hände an K.s Gurgel, der andere bohrt ihm das Messer ins Herz. K.s letzte Worte sind „Wie ein Hund!“ und es ist, „als sollte die Scham ihn überleben.“ (Z. 159 f.)