3. Vigilie
Zu Beginn der dritten Vigilie berichtete Archivarius Lindhorst im Kaffeehaus vor Registrator Heerbrand, Anselmus und anderen Anwesenden seine Familiengeschichte. Er erzählte von der Liebe zwischen einer Feuerlilie und dem Jüngling Phosphorus, erklärte, er sei deren Nachfahre und damit Prinz aus einem magischen, fernen Land. Während alle Anwesenden daraufhin in schallendes Gelächter ausbrachen und die Geschichte als tolles Zeug abtaten, fühlte sich Anselmus innerlich erbeben und konnte Lindhorst nicht in die Augen blicken. Dabei sollte er bei dem Treffen mit Lindhorst eigentlich noch einmal über seine Anstellung bei ihm reden. Nach dem Vorfall vor dessen Haus, hatte sich Anselmus nicht mehr dorthin getraut.
Konrektor Paulmann hatte Anselmus nach seinem Zusammenbruch berichtet, dass er damals durch Zufall vorbei gekommen sei, als das alte Marktweib sich um den ohnmächtigen Studenten gekümmert hatte. Und so sehr Paulmann und Veronika versucht hatten, dem Studenten gut zuzureden, fühlte dieser sich weiterhin ganz seltsam und tiefsinnig. Seine Freunde hielten ihn daher für seelenkrank und hofften, dass sein Zustand sich bessern würde, wenn Anselmus doch eine Stelle bei Lindhorst hätte.
Als Lindhorst das Kaffeehaus verlassen wollte, ergriff Heerbrand also die Initiative und stellte dem Archivarius Anselmus als geschickten Schönschreiber vor. „Das ist mir ganz ungemein lieb“, antwortete dieser nur und rauschte davon (S. 27, Z. 5-6). Anselmus entschloss sich daraufhin, am nächsten Tag bei ihm vorzusprechen.