Marion Demutz
Das zweite Kapitel wird aus der Perspektive von Marion Demutz erzählt. Als Freundin von Bernhard hat sie Einsicht in seine letzten Schuljahre und sein frühes politisches Engangement.
Jugendliebe
Infos
- Seiten: 79-93
- Zeit: 57. Lebensjahr von Marion Demutz - sie erzählt Bernhards Geschichte ab der Zeit der 8. Klasse (1955) bis zum Beziehungsende circa 3 Jahre später
- Ort: Kleinstadt Guldenberg (DDR)
- Personen: Marion Demutz, Bernhard Haber
Inhalt
- Im Alter von 57 Jahren denkt Marion an die Schulzeit mit Bernhard zurück. Dabei erinnert sie sich daran, dass er der erste Junge in ihrer Klasse gewesen ist, der sie nicht nach Äußerlichkeiten bewertet hat.
- Marion und Bernhard sitzen im achten Schuljahr zusammen in der ersten Reihe und fangen, an sich füreinander zu interessieren. Für Marion spielen dabei vor allem Äußerlichkeiten eine Rolle: Sie mag Bernhards Muskeln und es ist für sie nebensächlich, dass er schweigsam ist.
- Einmal gehen beide gemeinsam spazieren und unterhalten sich über die armen Verhältnisse, in denen Bernhard lebt (seine Familie besitzt keine Badewanne und kann aufgrund von Geldmangel nicht reisen). An einem Flussufer sitzen beide schweigend zusammen. Der Moment ist für beide sehr intim und Marion fühlt sich Bernhard verbunden.
- Am nächsten Tag kommt Marion in das Klassenzimmer und Bernhard nimmt ihr die Schultasche ab, damit sie sich neben ihn setzen kann. Ab diesem Zeitpunkt gilt es nicht nur in der Klasse, sondern auch bei den beiden als beschlossene Sache, dass Bernhard und Marion ein Paar sind.
- Das Paar ist in den nächsten drei Jahren ihrer Schulzeit in derselben Klasse. Bernhard schließt eine Lehre zum Tischler ab, Marion als Friseurin.
- Die Beziehung läuft ohne aktive Kommunikation zwischen den beiden ab. Es kommt so weit, dass eine Heirat im Raum steht, die Marion eigentlich überhaupt nicht möchte.
- Marion lernt allerdings einen anderen Mann kennen, in den sie sich schlagartig verliebt. Dadurch bestätigt sich ihre lange gehegte Vermutung, dass sie Bernhard nie wirklich geliebt hat. Die Beziehung der beiden scheitert aus mehreren Gründen, die Marion im nächsten Abschnitt weiter ausführt.
Beziehungsprobleme
Infos
- Seiten: 93-124
- Zeit: Marion Demutz berichtet über die wachsenden Beziehungsprobleme im Laufe ihrer drei Jahre
- Ort: Kleinstadt Guldenberg (DDR)
- Personen: Marion Demutz, Bernhard Haber
Inhalt
- Marion rekapituliert die gescheiterte Beziehung mit Bernhard. Die Gründe für ihre Trennung macht sie an mehreren Situationen fest.
- Bernhards und Marions Vorstellung von einem Leben gingen völlig auseinander. Zwar lächelt er, wenn sie von Kindern und einem Familienhaus spricht, er scheint dabei allerdings gedanklich abwesend zu sein und seine eigenen Pläne zu haben.
- Marions und Bernhards Lebensstandards gehen weit auseinander. Deutlich wird das unter anderem daran, dass Marions Familie eine Badewanne besitzt, was sich die Habers nicht leisten können. Bernhard möchte die Wanne zwar einmal ausprobieren, auf eine Wiederholung kann er allerdings verzichten.
- Marion ist sehr oberflächlich, auf Äußerlichkeiten fokussiert und redet gern. Bernhard hört ihr meistens nur zu und spricht nicht über seine Wertvorstellungen.
- Ihre Verhältnis war in der Schulzeit deshalb so gut, weil sie beide die Klassen-Schlechtesten gewesen sind. Nachdem beide ihre Ausbildung abgeschlossen haben, verbindet sie nichts mehr und sie sind nur noch aus Gewohnheit ein Paar.
- Bernhard konnte sich Marion nicht öffnen - sie gesteht sich ein, ihn in ihren drei Jahren Beziehung nie wirklich kennengelernt zu haben. Er blieb ein Fremder für sie.
- Trotz dieser Erkenntnis ist sie überrascht, dass Bernhard gegen Ende ihrer Beziehung politisch aktiv wird.
Politisches Engagement
Infos
- Seiten: 124-149
- Zeit: 57. Lebensjahr von Marion Demutz - sie erzählt Bernhards Geschichte ab der Zeit der 8. Klasse (1955) bis zum Beziehungsende circa 3 Jahre später
- Ort: Kleinstadt Guldenberg (DDR)
- Personen: Marion Demutz, Bernhard Haber, Sylvie, Marions Eltern, Bauer Griesel
Inhalt
- Marion erzählt, dass sich in Guldenberg eine Genossenschaft gegründet hat. Die Arbeitervereinigung macht es sich zur Aufgabe, ansässige Bauern und Feldarbeiter zu fördern.
- Einige der Bauern möchten sich der Genossenschaft nicht anschließen, weil sie der Meinung sind, dass Qualität und Menge der Ernteerträge in der Genossenschaft immer weiter zurückgehen.
- An einem Abend überbringt Bauer Griesel den Eltern von Marion überraschend die Nachricht, dass die sowjetische Regierung der DDR den Beschluss verabschiedet hat, die private Ausübung der Bauernwirtschaft zukünftigt zu verbieten. Trotz der mangelnden Wirtschaftlichkeit der Genossenschaft will die DDR nur die Bauern in der Vereinigung fördern.
- Der Druck der Regierung auf die freien Bauern geht so weit, dass Bauer Griesel eine Drohung erhalten hat: Entweder er tritt der Genossenschaft bei, oder er muss ins Gefängnis gehen. Der Bauer wehrt sich gegen die Drohungen, doch es kommen immer wieder Vertreter der Genossenschaft, um ihn zu überzeugen, ihnen beizutreten.
- Marion erfährt, dass es nicht nur den Bauern so ergeht. Im gesamten Osten werden zunehmend mehr Vereinigungen gegründet, um ein Kollektiv zu erschaffen. Die individuellen Aspekte der Wirtschaft werden abgeschafft.
- Von zwei Freundinnen erfährt Marion auch, dass Bernhard ein Vertreter der Genossenschaft ist. Er zieht von Hof zu Hof, um die Bauern in die Vereinigung „zu pressen“ (S. 138).
- Marion ist geschockt. Aber weniger davon, dass Bernhard unter anderem Bauer Griesel bedroht. Sondern viel mehr davon, dass er dabei in Kontakt zu einer Frau namens Sylvie steht, welche sich ebenfalls in der Genossenschaft engagiert und Bernhard dabei sehr nahe kommen soll.
- Marion konfrontiert Bernhard mit den Anschuldigungen ihrer Freundinnen. Er sagt ihr, dass er tatsächlich die Genossenschaft im Auftrag der Regierung vertritt. Mit Sylvie hätte das allerdings nichts zu tun.
- Marion beendet die Beziehung, da sie davon überzeugt ist, dass Bernhard und Sylvie miteinander gehen.
- Im Nachhinein ist sie froh, sich von Bernhard getrennt zu haben. Sie geht davon aus, dass sie niemals miteinander glücklich geworden wären.