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Romanstruktur

Stamms Roman scheint auf den ersten Blick wie lose zusammengestellt: Die 36 sehr kurzen Kapitel wirken wie in einer Collage aneinandergereihte Bilder - zwischen einzelnen Kapiteln liegen meist kurze Zeitsprünge. Handlungsvorantreibende Kapitel wechseln sich mit solchen ab, deren tiefer Sinn sich zunächst nicht erschließt, wie im Fall des siebten Kapitels, als der Erzähler (im Folgenden „E.“) neben einer unästhetisch dicken, schwitzenden Frau sitzt.
In Wahrheit aber besitzt Agnes eine strenge Form. So entsprechen die 36 Kapitel der Dauer der Beziehung von Agnes und E., der Zeitspanne der Geschichte insgesamt sowie der Dauer einer Schwangerschaft (9*4=36). Außerdem unterstreicht die chronologische Vorgehensweise des Erzählers den fast mathematisch anmutenden Aufbau.
Das Buch lässt sich in mehrere Abschnitte gliedern. Das erste und das letzte Kapitel spielen in der Erzählgegenwart und bilden den Rahmen des Romans. Erzähltempus ist das Präsens. In Kapitel 2 setzt E.s Rückblende ein. Bis Kapitel 35 gibt er das Geschehen aus personaler Perspektive wieder. Erzähltempus ist hier das Präteritum.
Dieser Hauptteil lässt sich wiederum untergliedern. In den Kapiteln 2-8 lernen sich Agnes und E. kennen und beginnen ihre Liebesbeziehung. E. fängt in Kapitel 9 an, seine Geschichte von Agnes zu schreiben. Daraufhin (bis Kapitel 18) gestaltet sich das Verhältnis zwischen Wirklichkeit und Fiktion als schwierig. Während E. mit seiner Geschichte in Kapitel 11 die Gegenwart erreicht, stößt er ein Kapitel später in die Zukunft vor.
Die Kapitel 19-23 stehen im Zeichen der Trennung und der Flucht E.s in seine fiktive Geschichte. Danach kommt es zur Wiederaufnahme der Beziehung bei emotionaler Distanz zwischen den Protagonisten (Kapitel 24-29). Die Kapitel 30-35 können sowohl mit den vorangegangenen Kapiteln eine Sinneinheit bilden als auch als eigener Block betrachtet werden. E. beendet seine fiktive Geschichte und Agnes verschwindet, wobei ihr Schicksal offen bleibt. Erzählzeit und Zeit der Geschichte Agnes fallen für einen kurzen Moment wieder zusammen, die Wirklichkeit hat die Fiktion eingeholt.
agnes_zeitlicher_aufbau
Abb. 1: Schematische Darstellung der zeitlichen Struktur von Agnes.
Der Roman besitzt eine Ringstruktur: Anfang und Ende fallen zeitlich zusammen. Schematisch lässt sich der Aufbau aber besser in einem linearen System darstellen, auch weil mit E.s Geschichte über Agnes eine weitere Dimension hinzukommt. Diese Geschichte holt das Romangeschehen erst ein und überholt es dann. Mit Agnes‘ literarischem Tod und ihrem Verschwinden fallen Geschichte und Romangeschehen wieder zusammen.
Das letzte Kapitel endet in der Erzählgegenwart. Erzähltempus ist wiederum das Präsens. Deshalb besitzt der Roman eine Ring- oder Zirkelstruktur.
Textteile der Geschichte Agnes wer- den kursiv gedruckt im Roman integriert, bis auf wenige Ausnahmen.
Episoden aus der Vergangenheit der Protagonisten tauchen im Dialog oder in reflektierenden Passagen E.s auf.
Insgesamt erinnert der Romanaufbau an das pointillistische Gemälde Seruats (Kap. 14), da sich die Episoden erst durch ihre Verbindung im Gedächtnis des Lesers zu einem Gesamtbild fügen.

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