Wahnsinn
Bei der Interpretation von Hamlet sind die beiden Begriffe Wahnsinn und Melancholie von großer Bedeutung.
Definition Wahnsinn
- Wahnsinn ist eine psychische Störung
- Medizinisch zeichnet sich Wahnsinn durch bizarre, unsinnige und (selbst-)zerstörerische Handlungen oder krankhafte Einbildungen aus
- Früher wurden auch Verhaltensmuster oder Denkweisen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprachen, als Wahnsinn bezeichnet
- Dem Wortursprung nach bedeutet Wahnsinn „ohne Sinn und Verstand“
Definition Melancholie
- Melancholie ist eine emotionale Verstimmung
- Schwermut, Schmerz, Traurigkeit oder Nachdenklichkeit, die in der Regel auf keinen bestimmten Auslöser zurückgehen
- In extrem ausgeprägter Form wird Melancholie als Depression zur psychischen Krankheit
Hamlets Gemütszustand
- Zu Beginn der Handlung befindet sich Hamlet in einer melancholischen Verfassung
Er trauert um seinen Vater, fühlt sich alleine und versteht seine Mutter und deren schnelle Wiederheirat nicht
Nach der Enthüllung des Geistes vergisst er die Trauer und wird von Rachelust geleitet - Nach der Begegnung mit dem Geist spielt Hamlet den Wahnsinnigen
Sein abnormales Verhalten soll seine Absicht tarnen, den Tod des Vaters aufzuklären
Er nutzt sein äußeres Erscheinungsbild, seine Worte und seine Handlungen gezielt
Hamlet lernt mit seinem Wahnsinn sein Umeld zu verunsichern und zu manipulieren - Hamlet leidet an echten Selbstzweifeln
Weil er der Rache-Aufforderung nicht nachkommen kann, fühlt sich der Prinz feige
Er versinkt in neuer Melancholie und denkt über Selbstmord nach
Ophelias echter Wahnsinn
- Anders als Hamlet verfällt Ophelia echtem Wahnsinn, obwohl sie zuvor nicht melancholisch war
- Nach dem Tod ihres Vaters flüchtet sie sich in eine Traumwelt
- Ophelia singt seltsame Lieder, redet vor sich hin und begeht schließlich Selbstmord
- Ihre wahren Motive erfährt der Leser anders als durch Hamlets Monologe nicht