Epoche
Eichendorff beginnt seine spätromantische Novelle Das Schloss Dürande im Jahr 1835 und zwei Jahre später 1837 dann erscheint die Erstausgabe im Taschenbuch Urania.
Historischer & politischer Kontext
- Die Aufklärung im 17./18. Jahrhundert bringt die bisher tief in den Köpfen verankerte religiöse Weltanschauung ins Wanken. Darauf folgt die Französische Revolution, welche nicht nur gesellschaftliches Umdenken, sondern auch Identitätskrisen einzelner Individuen hervorruft
- Eichendorff, der selbst 1815 an den Befreiungskriegen teilnimmt, findet sein Gleichgewicht unter anderem wieder, indem er sich verstärkt seinem Glauben und auch der Natur zuwendet
- Als Konsequenz der zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen herrscht in der Romantikepoche in der Bevölkerung eine Unsicherheit gegenüber allem Unchristlichen und Unbekannten, wobei parallel dazu eine Faszination für das Übernatürliche besteht
- Zahlreiche Romantiker flüchten sich als Folge der rapide voranschreitenden Industrialisierung zurück auf das Land und suchen den Rückbezug zum Ursprünglichen, Wesentlichen. Das vermehrte Zuwenden zur Natur- und Tierwelt geht jedoch auch mit einer gewissen Realitätsverschiebung der vergangenen Epoche des Mittelalters einher, welche man ungeachtet ihrer auch dunklen Momente regelrecht glorifiziert
Definition Romantik
- Die Romantik ist eine Epoche in der Literatur, Kunst, Musik und Philosophie, die Ende des 18. Jahrhunderts begann und bis ins späte 19. Jahrhundert andauerte
- Man unterscheidet in der Romantik zwischen drei Zeiträumen: Der Frühromantik (bis 1804), der Hochromantik (bis 1815) und der Spätromantik (bis 1848)
- Die Welt der Romantik stellte ein Paralleluniversum zum vernunftgeleiteten bürgerlichen Dasein dar: Hier durfte man Träume und Sehnsüchte haben und es ging um das Unbewusste, für unsere Augen Unsichtbare. Allerdings existierte im Weltbild der Romantiker auch Mystisches, Dunkles, Ungeheuerliches und die beiden antithetischen Begriffe teuflisch und heilig wurden einander gegenüber gestellt
- In dieser Literatur- und Kunstepoche wurde der Begriff der Universalpoesie vom Autor und Philosoph Friedrich Schlegel geprägt. Er besagte, dass die Poesie nicht länger an eine bestimmte Herkunft oder ein festes Schema geknüpft war, sondern sich die Künstler frei und von innen heraus entwickeln sollten. Dies bedeutete ebenso, dass neben dem Freiheitsgedanken, die Literatur durch die Einflüsse der Romantiker auch unbeständiger und fragmentartiger wurde
- So fortschrittlich der Freiheitsgedanke auch war - Romantiker bezogen sich ebenso zurück auf das Mittelalter und sehnten sich nach dem Ursprünglichen, ergo einer Welt ohne Technik. Auch das Heimatgefühl wurde in Werken der Romantiker großgeschrieben und so kam es nicht selten zu Lobliedern auf das eigene Land
- Der Glaube an die schützende Hand des Schöpfers und Gott selbst stand ganz vorne, wenn es um Werte in der Romantik ging. Demzufolge zeichnete den typischen Romantiker eine starke Zuversicht bezüglich des eigenen Schicksals und Lebensweges aus
- Die ehemals feste und vorgegebene Form literarischer Texte vermischte sich zunehmend, und so war es nicht selten, dass eine Erzählung Einflüsse anderer literarischer Textsorten wie Märchen oder Lieder aufwies
Merkmale der Epoche im Werk
- Bei Das Schloss Dürande handelt es sich um ein exemplarisches Werk der Spätromantik, da es die Merkmale dieser literarischen Epoche, wie beispielsweise die Verbundenheit zur Religion, das Herausstellen des Menschen als Individuum sowie die Rückweisung aufklärerischer Gedankenansätze beinhaltet
- Synästhetische Faktoren: Wie wir bereits erfahren haben, wurde dem Schriftsteller Friedrich Schlegel eine wichtige Rolle in der Romantikepoche zuteil. Laut seinem Ansatz der progressiven Universalpoesie vereinen sich verschiedene Künste wie etwa Religion, Kunst, Musik und Dichtung zu einer Strömung. Dies bewirkt, dass Literatur und Lyrik nicht länger ein schriftliches Medium, sondern zur synästhetischen Materie werden, da beispielsweise über die musikalische Komponente in der Dichtkunst u. a. auch der Hörsinn sowie weitere Sinne angesprochen werden
- Verwandlungsthematik: Das Thema Verwandlung wird in Eichendorffs Erzählung auf zweierlei Arten realisiert. Zum einen findet die Verkleidung Gabrieles in einen Gärtnerburschen statt, und zum anderen verbirgt auch ihr Geliebter zunächst seine wahre Identität vor ihr. Der Topos Verwandlung bildet besonders für Romantiker ein reizvolles Thema, da er die Welt in ein mystisches, teilweise nicht-erklärbares und fantastisches Licht taucht, was der romantischen Lebensauffassung von Eichendorffs Zeitgenossen entspricht
- Natur als träumerischer Ort der Ruhe: Wann immer der Ort des Geschehens in Das Schloss Dürande im Grünen situiert ist, wird die Atmosphäre als „fröhlich“ (S. 16, Z. 1), „träumend“ (S. 15, Z. 5) und „duftig“ (S. 15, Z. 6) beschrieben und mit einem „neue[n] ganz fremde[n] Welt“ (S. 17, Z. 14) verglichen. In der Natur findet Gabriele Ruhe, so erfüllt sie ein Gefühl von Frieden, wenn sie draußen ist. Als sie zum Beispiel bei ihrer Ankunft am Kloster auf die Nonnen wartet, „schlummert[e]“ (S. 16, Z. 1) sie ein
- Göttliche Macht und Erhabenheit: Der religiöse Aspekt der Novelle lässt sich unter anderen an den verschiedenen Figuren der Märchennovelle aufzeigen. Eine zentrale und christliche Rolle repräsentiert Gabriele als Stellvertreterin für den Erzengel Gabriel, welcher durch Attribute wie Reinheit, Mut, Schönheit und Tugendhaftigkeit glänzt. Der Ausgang des Werks deutet auf die Erhabenheit des Christentums gegenüber dem heidnischen Götterglauben und progressiveren Weltanschauungen hin, da Renald als Vertreter neuerer Glaubenssätze sich am Ende selbst das Leben nimmt