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Autobiographische Selbstenthüllung

Hat man sich vor der Lektüre des Steppenwolf bereits mit dem Leben von Hermann Hesse vertraut gemacht, fallen unzählige autobiografische Bezüge zu Harry Haller auf. Der Steppenwolf kann also als eine Art Selbstenthüllung des Autors interpretiert werden.
Auf einen Blick
  • Initialen und Silbenanzahl der Namen gleich
  • Beide knapp fünzig Jahre alt
  • Katholische Erziehung
  • Arbeiten als Autor
  • Leben einsam
  • Geschieden von psychisch kranker Frau
  • Gleiche Ansichten zu Krieg, Kultur, Technik
  • Fühlen sich als entfremdete Intellektuelle
  • Leiden an innerem Zwiespalt
  • Selbstmordversuche
  • Psychoanalyse und fernöstliche Psychologie als Ausweg
Die erste Parallele gibt es bereits beim Namen der Hauptfigur: Genau wie Hermann Hesse hat auch der Steppenwolf Harry Haller die Initialen H. H.. Sogar die Silbenanzahl der Namen ist dieselbe. Außerdem ist Harry Haller genau wie Hermann Hesse zum Zeitpunkt des Schreibens knapp fünfzig Jahre alt. Weitere Parallelen finden sich im Leben von Hesse und Haller: Auch Hesses Romanfigur Haller wurde als Kind streng katholisch erzogen, schlug die Laufbahn eines Gelehrten ein, wurde Autor und verbingt seine Zeit als Einsiedler. Sogar seine eigene Erfahrung mit einer psychisch kranken Ehefrau und dem darauffolgenden Scheitern der Ehe übertrug Hesse auf Haller. Weiterhin teilt die Figur Haller die Ansichten Hesses über den Krieg, über Kultur und moderne Technik.
Viel wichtiger aber noch: Genau wie seine Romanfigur Haller fühlte sich auch Hermann Hesse selbst als entfremdeter Intellektueller. Er litt an einem inneren Zwiespalt, schrieb in einem Brief an Georg Reinhard vom 18.8.1925: „Die eine Hälfte will fressen, saufen, morden und dergleichen einfache Dinge, die andere will denken, Mozart hören und so weiter.“ Sein Leiden war sogar so groß, dass er während der Entstehungszeit des Steppenwolf-Romans einen Selbstmordversuch unternahm.
Hermann Hesse versuchte sich mit Hilfe der Psychoanalyse aus seiner Krise zu befreien, war zeitweise bei einem Schüler von C. G. Jung in Therapie. Dessen Lehre wird auch im Steppenwolf thematisiert. Ebenso lässt Hermann Hesse indische Philosophie und buddhistische Psychologie im Roman als möglichen Weg zur Heilung miteinfließen. Mit diesen Lehren hat sich Hesse vor allem nach seiner Indien-Reise 1911 ausführlich auseinandergesetzt.

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