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Verdrängung

Bei der Lektüre von Der Verlorene kommt man nicht umhin, sich mit dem Thema Verdrängung zu beschäftigen.

Psychologische Definition

  • In der psychoanalytischen Theorie ist Verdrängung ein Abwehrmechanismus
  • Um seelische oder zwischenmenschliche Konflikte zu regulieren, wird die Wahrnehmung gelenkt
  • Bedrohliche, schmerzliche oder negativ besetzte Sachverhalte, Situationen oder Vorstellungen werden ferngehalten von der bewussten Wahrnehmung
  • Die unangenehmen Erinnerungen oder Gedanken werden ins Unbewusste abgeschoben
  • In gewissem Grad ist dieser Vorgang normal und gesund, da man manche Dinge einfach nicht ändern kann
  • Wer zu viele Probleme zu lange verdrängt, kann allerdings krank werden. Im Unterbewusstsein arbeiten die verdrängten Dinge weiter und können massive Ängste, Verhaltensstörungen und depressive Zustände auslösen
  • Besonders Menschen, die ein Trauma wie Krieg oder Katastrophen erlebt haben, neigen aus Angst vor dem Schmerz der Erinnerung dazu, das ganze traumatische Erlebnis abzuspalten. Dieser Vorgang wird als Dissoziation bezeichnet
  • Die daraus resultierenden Angstattacken oder der Realitätsverlust können nur durch bewusstes Aufarbeiten und Bewältigen gestoppt werden. Die Betroffenen müssen lernen, das zuvor abgespaltene Erlebnis wieder in ihre Lebensgeschichte einzubinden und Abstand zu gewinnen

Verdrängung der Eltern

  • Die Eltern haben mit dem Krieg, dem Verlust der Heimat, der schwierigen Flucht, der Vergewaltigung und dem Verlust des Sohnes einige Traumata erlebt
  • Über ihre Vergangenheit wollen Vater und Mutter daher gar nicht sprechen oder erinnern sich wenn, dann nur an die schönen Momente als Familie auf dem Bauernhof
  • Besonders den Verlust von Arnold durch die Vergewaltigung der Mutter möchten beide am liebsten totschweigen
  • Vor ihrem Sohn verheimlichen sie die Geschichte zunächst sogar komplett
  • Auch später schweigen sie zu den Fragen des Erzählers nach seinem Bruder
  • Nicht einmal nach dem Entschluss, dem Erzähler die Wahrheit zu sagen, kann die Mutter offen sprechen
  • Sie kann die Vergewaltigung nicht beim Namen nennen und umschreibt sie nur als „das Schreckliche“

Folgen der Verdrängung

  • Die Eltern versuchen sich und ihrem Sohn ein normales Familienleben vorzugaukeln, sind aber in Wahrheit ständig unglücklich
  • Die Mutter ist gefangen in ihrer Sprachlosigkeit, die ihre Seele immer mehr abstumpfen lässt
  • Sie kann keine Emotionen zeigen und verbietet sich selbst, glücklich zu sein
  • Als psychosomatische Folge leidet sie an heftigem Zittern und depressiven Verstimmungen
  • Außerdem fürchtet sie sich vor der Wahrheit bei der Suche nach Arnold; um nicht noch einen Verlust zu erleiden, dreht sie sich alle Ergebnisse zurecht
  • Der Vater versucht die schrecklichen Erinnerungen durch jede Menge Arbeit zu übertünchen
  • Er stürzt sich von einem Projekt ins nächste, um keine Zeit zu haben, nachzudenken oder sich zu erinnern
  • Aus Angst vor schmerzlichen Gedanken arbeitet er zu viel und ignoriert körperliche Warnsignale wie seinen Zusammenbruch kurz vor seinem Herztod
  • Die Verdrängungsmechanismen der Eltern wirken sich sogar auf den Erzähler aus, da er nie die wahren Gefühle der Eltern erfährt und sie somit nicht verstehen kann
  • Schlimmer noch aber ist, dass er von den Eltern bewusst vernachlässigt wird, da er sie durch seine Anwesenheit ständig an das Fehlen ihres Erstgeborenen erinnert

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