Prinz Hettore Gonzaga
Infos zur Person
- Hettore Gonzaga herrscht als Prinz über das Gebiet um die Stadt Guastalla
- Neben zahlreichen Angestellten ist ihm auch der Marchese Marinelli als engster Vertrauter und Kammerherr zu Diensten
- Über seine Residenz in Guastalla hinaus gehört ihm außerdem ein Lustschloss auf Dosalo
- Führte ehemals eine Liebesbeziehung mit der Gräfin Orsina, hegt allerdings inzwischen romantische Gefühle für die Offizierstochter Emilia Galotti
- Im Rahmen einer Abendgesellschaft trifft Hettore erstmals auf Emilia und ist bereits damals angetan von der hübschen jungen Frau
Charakter
- Schwach: Als der Prinz seine Geliebte einen anderen heiraten wird, gibt er die Verantwortung für die Rückgewinnung Emilias an seinen Kammerherren ab. Dass Hettore zu Beginn noch nicht die Tragweite der folgenschweren Taten Marinellis bewusst ist, ist ihm nachzusehen, da er zwar von einem Vorhaben seines Kammerherrn weiß, jedoch nicht über die Einzelheiten in Kenntnis gesetzt wird. Entscheidender ist das Unvermögen des Prinzen dem Wirken Marinellis ein Ende zu bereiten, als er im dritten Aufzug von dem Mord an Appiani erfährt
- Wechselhaft: Noch liegt die Liebschaft mit Gräfin Orsina noch nicht lange zurück, und scheinbar urplötzlich empfindet Hettore tiefe Gefühle gegenüber Emilia Galotti. Diese unstete Emotionalität ist ein weiteres Indiz für die eher willensschwache Persönlichkeit des Prinzen
- Unsensibel vs. empfindsam: Seine ehemaligen Geliebte behandelt Hettore rücksichtlos, indem er ihre Briefe ignoriert und auch ihre Bitten nach einem Treffen schroff abweist (Aufz. 4, Auft. 4). Auf der anderen Seite verhält er sich umso sensibler, wenn es um Emilia Galotti geht. So ist es etwa nicht allein die äußere Schönheit der jungen Frau, die ihn in den Bann zieht, sondern ebenso die von ihr ausgehende „Bescheidenheit“ (Aufz. 1, Auft. 5, Z. 7), die ihn entzückt. Dass der Prinz für letzteres Charaktermerkmal empfänglich ist und Wertschätzung dafür besitzt, spricht dafür, dass er selbst ein gewisses Maß an Empathie besitzt
- Hochmütig: In erster Linie seiner royalen Herkunft zu verdanken, besitzt Hettore ein überdurchschnittliches Maß an Überheblichkeit, die sich in seinem Umgang mit Menschen unterhalb seines Standes zeigt. Exempelhaft dafür steht der fünfte Auftritt im fünften Aufzug, in welchem sich der Prinz anmaßt, über die weitere Verfahrensweise bezüglich Emilia zu entscheiden. Obwohl der Vater der Protagonistin anwesend ist und auch Pläne für seine Tochter besitzt, untergräbt Hettore die Entscheidungsmacht Odoardos und erdreistet sich angesichts der Lage, auch noch Einwände gegen das Vorhaben des Vaters zu äußern
- Unverantwortlich: Obwohl ihm die Herrschaft über eine ganze Region zufällt, scheint Hettore die ihm auferlegte Machtposition nicht ernst genug zu nehmen. Zum einen ärgert er sich über die Erledigung der anstehenden Bittschriften und Anträge (Aufz. 1, Auft. 1) und überlässt die Beantwortung Letzterer gerne seinen Untergebenen wie etwa Camillo Rota (Aufz. 1, Auft. 8). Auch das unkonzentrierte Verhalten in wichtigen beruflichen Situationen zeigt das mangelnde Interesse des Prinzen an der Ernsthaftigkeit seiner Position. Etwa im achten Auftritt im ersten Aufzug bittet Camillo Rota Hettore, ein Todesurteil zu unterzeichnen sowie vorher zu überprüfen. Ohne die offensichtlich seriöse Angelegenheit zu begreifen, möchte der Prinz das Urteil möglichst schnell unterzeichnen, da er es eilig hat, seine geliebte Emilia im Gottesdienst zu sprechen. Letztendlich gipfelt Hettores Unvermögen, Verantwortung für seine Taten zu übernehmen darin, dass er Marinelli die alleinige Schuld an den Geschehnissen zuschiebt. Er zieht nicht einmal in Erwägung, selbst ebenfalls zum tragischen Handlungsverlauf beigetragen zu haben