Die Symbolik von Mond und Nacht
Mond & Nacht als Motive in der Romantik
- In der Romantik wird den Motiven Mond und Nacht eine symbolhafte Bedeutung zuteil. Die Nacht als geheimnisvoller Ort, in deren Schatten sich teils rätselhafte Dinge abspielen, wird mystifiziert und damit auch poetisiert von den Schriftstellern der Romantik
- Der Literaturkritiker Leopolseder beschreibt die nächtliche Szenerie folgendermaßen: „Die Nacht wird zu einem geistigen Prinzip und zum Raum, in dem sich das Unbewußte offenbaren kann.“ Seine Worte verdeutlichen, dass die Nacht gewissermaßen einen sicheren Raum für all das Unausprechbare des Tages bietet. Sozusagen könnte die Nacht als eine Art Zuflucht vor den tugendhaften strafenden Blicken des Tageslichts angesehen werden, welche eine Form von Schutz für die in ihr handelnden Personen bereitstellt
- Für Eichendorff offenbart sich in der Nacht das wahre Gesicht einer Sache, da erst die nächtliche Umgebung das Unterbewusste und Unbewusste zum Vorschein bringt
- Der Nacht haftet laut der Vorstellung der Romantiker etwas Unheimliches an, doch nicht, weil man in ihr etwas Böses vermutet. Vielmehr ist es die Weite des Handlungsspielraums, die das Individuum mit Unsicherheit erfüllt, denn ihr wohnt eine Ungewissheit inne, die zu vage und verschwommen ist, um sie genau zu definieren
- Der Mond wiederum steht in der romantischen Literatur für Erneuerung, sodass die Mondphasen beispielsweise auch sinnbildlich einen Entwicklungsprozess demonstrieren
- Außerdem besitzt die Präsenz des Mondes am nächtlichen Himmel etwas Trostspendendes, da sie der schwarzen Nacht etwas von ihrer unbarmherzigen Vagheit nimmt, indem sie die Dunkelheit erhellt
- Mit dem Motiv des Mondes verbindet man in der Romantik zudem Wünsche und Sehnsüchte der Figuren, die des Nachts zum Vorschein kommen
Motive der Nacht und des Mondes in Eichendorffs Das Schloss Dürande
- Die Nacht fungiert in der Märchennovelle als Handlungszeit, so befindet sich etwa das Schloss Dürande zur „völligen Nacht“ (S. 63, Z. 14) in „unnatürlicher Aufruhr“ (S. 63, Z. 15 f.), als das Schreiben Renalds gelesen wird, indem dieser die Vermählung von Hippolyt und seiner Schwester Gabriele fordert
- Die Symbolik des Mondes als Bote für Träume und Wünsche zeigt sich beispielsweise darin, dass Renald seine Schwester eines Nachts in Paris im Licht des Mondes an einem Fenster zu erkennen scheint (vgl. S. 44), dann jedoch seine Vermutung im Raum stehen bleibt. In diesem Zwischenfall zeigt sich Renalds Wunsch, Gabriele endlich zu finden
- In der abschließenden Szene des Werks erfährt Renald vom Schlosswärter Nicolo, dass er sowohl seine Schwester als auch den jungen Grafen ermordet hat und dies, obwohl beide unschuldig waren. „Wie aus einem Traume“ (S. 83, Z. 12) wacht Renald auf, was wiederum die Unwirklichkeit und gleichzeitig schonungslose Wahrheit der Nacht zeigt. Denn obwohl seine Tat an Unbarmherzigkeit nicht zu überbieten ist, schien sie ihm bis eben noch irrational