Heimat
Das Thema Heimat ist im Roman Landnahme auf verschiedene Art und Weise definiert und betrachtet worden.
Allgemeine Definition
- Land, Landesteil oder Ort, in dem ein Mensch geboren wurde und aufgewachsen ist
- Ein Land oder eine Gegend, in der man sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt
- Heimat ist der Ort, an dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die Identität, Charakter, Mentalität und Weltanschauung prägen
- Gegensatz zu Fremdheit und Geborgenheit
Heimatverlust
- Der Mensch kann nicht mehr in dem Land oder Ort leben, in dem er sich durch Geburt oder langen Aufenthalt zu Hause fühlt
- Verlust der Umgebung, die einem durch Familie, Mitmenschen und Gewohnheiten vertraut ist
- Das Gefühl der Sicherheit und der Zugehörigkeit geht verloren
- Identitätsverlust, weil man nirgends sonst mit seiner Mentalität, Sprache oder Weltanschuung so anerkannt wird
Prozess des Heimischwerdens
- In einem neuen Land, Landesteil oder Ort wird ein Mensch nicht von alleine heimisch
- Heimisch werden fordert einen aktiven Prozess der Person
- Der Zugezogene muss aktiv die Sprache bzw. den Dialekt erlernen, sich mit Gepflogenheiten und Mentalität des neuen Wohnorts vertraut machen
- Zusätzlich ist Offenheit der Heimischen für den neuen Mitbrüger nötig
Bedrohte Heimat in der Heimat
- Viele Menschen sehen ihre Heimat bedroht durch fremde Menschen, die in ihre Heimat kommen
- In Landnahme prägt Beuchler diese Definition
- Angst vor Überfremdung durch die Umsiedeler und Flüchtlinge, die andere Gewohnheiten, Gepflogenheiten und Dialekte in die Heimat bringen
- Man misstraut Fremden, über die man nichts weiß; bisher kannte man die Mitbürger
- Die Heimat verändert sich durch die Zugezogenen; die größere Einwohnerzahl wirkt sich auf das Leben in der Stadt aus, z.B. durch Wohnungsnot oder größere Schulklassen
- Vorurteile gegenüber den Fremden verhindern deren Integration; sie werden zu Schuldigen gemacht, anstatt zu Mitbürgern
- Wer Heimat als durch Geburt zugewiesenen Platz ansieht, versucht mit aller Kraft diese gegen Fremde und deren Einflüsse zu verteidigen; Fremde können nach dieser Definition schließlich nie heimisch werden
Habers Kampf um Integration
- Haber sucht in Landnahme stets nach Anerkennung seiner neuen Mitbürger
- Schon als Kind bekommt er die abwehrende Haltung der Lehrer und Mitschüler zu spüren
- Er erkennt schnell, dass er mit Argumenten nichts erreichen wird
- Seinen Taktik, mit der Diskriminierung klar zu kommen, ist es, alle zu verachten, die ihn schlecht behandeln; damit stellt er sich innerlich über die anderen und wird nicht verletzt
- Später nutzt er die Genossenschaft als Machtmittel; durch seine Rache entgegnen die Mitmenschen ihm plötzlich mit Ehrfurcht und Respekt
- Er baut sich eine Karriere auf, um die Heimischen zu übertrumpfen; durch seine hohe Stellung kann er in der Gesellschaft Macht ausüben
- Mehr und mehr kann Haber Einfluss auf die Gestaltung und Zukunft seiner neuen Heimat nehmen
- Um seinen hart erarbeiteten Status in der Stadt nicht zu verlieren, verzichtet er später sogar auf Rache, nach der er früher immer strebte; er lässt die Mörder seines Vaters davonkommen, anstatt sich wieder mit den Einheimischen anzulegen
- Haber hat es geschafft, einer der anderen zu werden, musste dafür aber einen hohen Preis zahlen