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10. Vigilie

Zu Beginn der zehnten Vigilie spricht der Erzähler den Leser erneut an und bittet ihn darum, sich vorzustellen, er sei wie Anselmus in einer Kristallflasche gefangen. Man solle Mitleid haben mit Anselmus, der nur noch Wahnsinn empfand.
Als Anselmus durch die Morgensonne in seiner Flasche aus der Ohnmacht erwachte, rief er sehnsüchtig nach Serpentina und klagte: „Bin ich denn nicht an meinem Elende lediglich selbst schuld, ach! habe ich nicht gegen dich selbst, holde, geliebte Serpentina, gefrevelt? - habe ich nicht schnöde Zweifel gegen dich gehegt? habe ich nicht den Glauben verloren und mit ihm alles, alles, was mich hoch beglücken sollte?“ (S. 83, Z. 20-25) Erst dann entdeckte er, dass neben ihm noch fünf weitere junge Männer in Kristallflaschen gefangen waren. Anders als er selbst aber klagten diese nicht, sondern schwärmten von ihrem einfachen, normalen Leben. „Spüren Sie es denn nicht, daß Sie alle samt und sonders in gläsernen Flaschen sitzen und sich nicht regen und bewegen, viel weniger umherspazieren können?“, fragte Anselmus irritiert (S. 84, Z. 25-28). Da antworteten die anderen: „Der Studiosus ist toll, er bildet sich ein, in einer gläsernen Flasche zu sitzen, und steht auf der Elbbrücke und sieht gerade hinein ins Wasser. Gehen wir nur weiter!“ (S. 84, Z. 29-32) Anselmus aber ließ sich nicht von seinem Glaube an Serpentina abbringen, hörte wieder ihre Stimme und fühlte sich endlich freier in seiner Flasche.
Plötzlich verwandelte sich eine Kaffeekanne neben Anselmus in die alte Hexe, die ihn auslachte und erklärte, dass sie ihn für Veronika befreien werde. Anselmus aber versucht sie zu verjagen: „Nur deine höllischen Künste haben mich zu dem Frevel gereizt, den ich nun abbüßen muß. - Aber geduldig ertrage ich alles, denn nur hier kann ich sein, wo die holde Serpentina mich mit Liebe und Trost umfängt! - Hör‘ es, Alte, und verzweifle! Trotz biete ich deiner Macht, ich liebe ewiglich nur Serpentina - ich will nie Hofrat werden - nie die Veronika schauen, die mich durch dich zum Bösen verlockt!“ (S. 86, Z. 8-15)
Anstatt zu verschwinden, wirbelte die Hexe in einem seltsamen Zauber umher, versuchte den goldenen Topf zu stehlen und befahl ihrem Söhnlein, die grüne Schlange zu töten. Anselmus versuchte mit aller Macht, seine Flasche zu sprengen, um Serpentina zu retten. Doch plötzlich erschien Lindhorst in seinem Damast-Mantel und griff die Alte mit brennenden Lilien und Blitzen an, bis sie sich dampfend in einer Runkelrübe verwandelte.
Kurz darauf wandte sich Lindhorst Anselmus zu und befreite ihn aus seinem Gefängnis, da er seinen Glaube an Serpentina bewiesen hatte. Endlich konnte Anselmus Serpentina wieder in die Arme schließen.

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