Themen
- Liebe: Die einstige Liebe zwischen Klara und Alfred ist der Ursprung der ganzen Geschichte. Doch damals hat sich Ill gegen die Liebe und für die Sicherheit entschieden, wodurch Klara verstoßen wurde.
- Gerechtigkeit: Claire fordert mit ihrem Angebot die Gerechtigkeit, welche ihre damals vor Gericht verwehrt wurde. Bei der Versammlung im „Goldenen Apostel“ rollt sie den Prozess neu auf, nachdem sie alle Beteiligten zusammengeführt hat. So wie sie einst wegen der bestochenen Zeugen kein Recht bekommen hat, wird dieses jetzt Ill verwehrt - wobei man in beiden Fällen nicht von wahrer Gerechtigkeit sprechen kann.
- Verfall der Gesellschaft: Ein wichtiges Thema ist der Verfall der Normen und Werte. Dies wird von Anfang an deutlich, als die Güllener das Verbrechen, dem die Junge Klara zum Opfer gefallen ist, einfach verdrängen und sie stattdessen an ihre „schöne Jugend“ erinnern wollen. Wichtig ist hierbei, dass nicht Ill der alleinige Schuldige ist, sondern dass die Güllener damals genauso ihren Teil dazu beitrugen, indem sie die Hochschwangere aus dem Dorf in die Prostitution drängten.
Damals stellten sie sich alle auf die Seite von Ill. Als Claire jedoch nach Güllen kommt und ihr Angebot macht, weiß keiner mehr davon und Ill ist derjenige, der alleine das Mädchen ins „nackte Elend“ gestoßen hat. - Glaube: Glaube und Religion ziehen sich wie ein roter Faden durch die ganze Handlung. Immer wieder findet man Anspielungen und Verweise, wie das Gasthaus zum Goldenen Apostel oder das gothische Münster. Der Glaube ist somit allgegenwärtig, jedoch machtlos gegen Konsum und Geldgier. Sogar der Pfarrer kann der Versuchung nicht widerstehen. Der Glaube allein zahlt sich für die Güllener nicht aus, weshalb das Geld an seine Stelle tritt, vergleichbar mit einem goldenen Kalb. Eine weiterer Anspielung, daraus resultierend, ist der Leidensweg Ills mit verschiedenen Stationen, den der Verängstigte im zweiten Akt beschreitet. Dieser kann als Anspielung auf Christis Leidensweg gesehen werden kann.
- Rache: Die Rache Claires ist wohl eines der wichtigsten und offensichtlichsten Themen im Stück. Wie eine Rachegöttin ist sie in das Städtchen eingezogen, das sie zunächst aufwendig zugrunde gerichtet hatte, um es dann wieder mit ihrem Geld aufzubauen. Hier stellt sich die Frage, warum sie diese Kosten auf sich genommen hat und nicht einfach ihre Mörder aus Sing-Sing beauftragt hat, was ein deutlich geringerer (finanzieller) Aufwand gewesen wäre.
Dies hat mehrere Gründe: Claire wollte sich nicht alleine an Ill rächen. Ebenso sollte es die Güllner treffen, die ihr einst nachgrinsten, als sie hochschwanger im Winter das Städtchen verließ. So wie sie Claire verstoßen haben, sollen sie jetzt Ill verstoßen.
Ein anderer Aspekt ist das Schuldbewusstsein, das sie damit in Ill auslösen will. Ill war der Einzige, den sie je geliebt hatte. Alle Beziehungen danach konnten an diese nicht heranreichen. Nur durch ihr Angebot kommt es dazu, dass Ill sich seine Schuld eingesteht und er zumindest für sich und Claire die Gerechtigkeit wieder herstellt.