Rezeption
Im Folgenden wird untersucht, wie die Zuschuer bzw. Leser das Werk aufgenommen und bewertet haben und was sich im Laufe der Jahre verändert hat.
Rezeptionsgeschichte
- Die erste Aufführung fand am 15. Oktober 1779 in Mannheim statt, war allerdings nicht öffentlich zugänglich
- Nach Kritik wegen fehlender Illusion, mangelnder Aktion und zu komplizierten Dialogen wagte sich lange keiner mehr an das Stück
- Erst 1783 spielte die Döbblinsche Schauspieltruppe in Berlin Nathan der Weise; bei der 3. Vorstellung blieb das Theater fast leer
- Goethe führte das Stück 1801 erfolgreich in Weimar auf
- 1802 inszenierte August Wilhelm Iffland das Stück und feierte große Erfolge
- Lessing selbst erlebte die Bühnen-Premiere seines Werks nicht mehr; er starb 1781 mit nur 52 Jahren; zuvor zweifelte er selbst, ob sein Stück je aufgeführt wird
- Zur NS-Zeit wurde Nathan der Weise wegen der jüdischen Bekenntnis Nathans aus Theatern und Schulen verbannt
- Am 7. September 1945 wurde das Stück in Berlin wieder aufgeführt; aufgrund des Gefühls der kollektiven Schuld waren die Zuschauer damals extrem emotional in ihrer Reaktion
- In den folgenden Jahren wurde Nathan der Weise ein wichtiges Kulturgut, um den Holocaust und die NS-Zeit zu bewältigen
- Nach dem Anschlag von al-Qaida auf die Türme des World Trade Centers in New York am 11. September 2001 wurde Lessings Werk im Big Apple aufgeführt, da es plötzlich große thematische Relevanz zeigte
- Bis heute wird Nathan der Weise regelmäßig auf die Bühne gebracht
Lob
- Die inhaltliche Aussage wurde von Lessing gekonnt umgesetzt
- Die Ringparabel zur Frage nach der wahren Religion ist einfach zu verstehen und moralisch lehrreich
- Der Inhalt ist stets aktuell und von großer Bedeutung
Kritik
- Anfangs gab es Kritik für die dramatische Schwäche des Werks
- Es wurden Stimmen laut, dass Nathan der Weise weder eine Tragödie noch eine Komödie ist, so z.B. von Schiller behauptet
- Die jüdische Herkunft der Hauptfigur Nathan kam nicht bei allen gut an