8.-14. Kapitel
8. Kapitel
- Seite: 97-110
- Ort: Wien
- Zeit: Um Ostern 1944
- Personen: Kurt Ritler
- Im ersten Brief schreibt Kurt seiner Freundin und Cousine Nanni, dass er sie vermisst und erkundigt sich nach ihrem Leben im Lager. Auch wenn er unbedingt hören möchte, wie es ihr geht, bittet er sie, solcherlei Aussagen wie „ich will in dem langweiligen Kaff nicht mehr leben“ (S. 100) in Zukunft zu unterlassen
- Der Cousin Nanni Schallers bittet seine Cousine darum, sich bei ihrer Mutter zu melden, da diese „gestern [...] furchtbar geweint“ (S. 99, Z. 6f) hat. Auch wenn Nannis Mutter ihre Tochter ins Schullager nach Mondsee schickte, ist ihr diese Entscheidung offensichtlich nicht leicht gefallen und sie hatte nur das Beste für ihr Kind im Sinn
- Generell ist die Atmosphäre im Hause Ritler angespannt, was nicht zuletzt auf die unaufhörlichen Bombenangriffe und die damit einhergehende Angst geschoben werden kann
- Des Weiteren kündigt Kurt an, Nanni zusammen mit seinem Freund Ferdl in der Karwoche zu besuchen. Kurt fehlen die Kleinigkeiten, die ihn und Nanni verbinden. Beispielsweise das verabredete Klopfzeichen, welches sie sich durch die Wand hindurch gaben, wenn der eine an den anderen dachte
- „Dass [die] Lehrerin [Bildstein] [Kurts] Briefe liest“ (S. 109, Z. 3f) findet dieser „ungeheuerlich“ (S. 109, Z. 3). Da seine Eltern ihm den Erhalt weiterer Briefe von Nanni verboten haben, sendet Kurt seiner Cousine eine alternative Adresse, an welche sie die Schreiben an ihn senden soll
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! Perspektivenwechsel: Kurt Ritler verfasst mehrere Briefe an Nanni Schaller.9. Kapitel
- Seite: 111-128
- Ort: Wien
- Zeit: unbekannter Zeitraum
- Personen: Oskar Meyer
- Oskar berichtet, dass seine Frau Wally mit zweitem Vornamen Sara und er selbst Israel heißt. Doch nicht nur die Namen erschweren es, in Zeiten wie diesen in Wien eine bezahlbare Unterkunft zu erhalten
- Meyers lassen ihre Wohnungseinrichtung schätzen, da ihr Hausstand aufgelöst wird und sie ausziehen müssen
- Familienvater Meyer bittet seine Cousine um Geld, da für ihn und seine Familie ansonsten ans Auswandern oder Überleben kaum zu denken ist
- Oskar und Valerie sind im September angemeldet für ein sogenanntes Affidavit (S. 114), dessen Erfüllung die Grundvoraussetzung zur Auswanderung darstellt. Bestandteil dieses Eides ist, dass eine Person im Zielland für die Einwanderer bürgt und sie finanziell unterstützen kann. Das Auswanderungsziel der Familie Meyer sind zu diesem Zeitpunkt die Vereinigten Staaten, da Wally dort Angehörige besitzt
- Oskar erzählt, wie er das erste Mal von einem Uniformierten angespuckt wurde - außerdem bekommen Meyers auch die zahlreichen Einschränkungen zu spüren, die man der jüdischen Bevölkerung auferlegt
- Der psychisch angeschlagene Zustand Wallys hinterlässt seine Spuren in dem Miteinander des Ehepaars Meyer. Der Umstand, dass sich die dreiköpfige Familie ein Zimmer mit „vier anderen Personen ein Zimmer“ (S. 119, Z. 19) teilt, verbessert die Situation wenig
- Das Affidavit wurde inzwischen von Valerie Meyers Verwandten bestätigt, doch die ständig erneuerten Quoten und Regelmaßnahmen erklären den Eid für unzulässig
- Inzwischen müssen Juden den Judenstern tragen und immer mehr Familien werden abgeholt, um in Arbeitslagern ihr Dasein zu fristen und zu schuften
- Aufgrund der sich immer weiter zuspitzenden Situation in Wien fassen Oskar und Wally Meyer den Entschluss, zu fliehen
- Mit der finanziellen Unterstützung Onkel Monaths und einem Fluchthelfer geht es für die Meyers eines Nachts los in Richtung Ungarn, wo sie planen, sich ein neues Leben aufzubauen
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! Perspektivenwechsel: Oskar Meyer schreibt Briefe an seine Cousine Jeanette.10. Kapitel
- Seite: 129-146
- Ort: Mondsee
- Zeit: Februar bis März 1944
- Personen: Veit Kolbe, Margot, Johann Kolbe, Trude Dohm, Robert Raimund Perttes
- Beim Abgeben eines Briefes an seine Eltern trifft Veit auf die Darmstädterin, der er mit einem Wärmegerät für ihren Säugling zu helfen vermag. Die Nachbarin besucht Veit das erste Mal in seinem Zimmer und lädt ihn zum Abendessen ein, was Veit jedoch abschlägt
- Bei seinen Besuchen im nachbarlichen Gewächshaus teilt ihm der Brasilianer seine Abneigung gegen Adolf Hitler mit. Der Protagonist empfindet die Meinung Roberts als „gewagt“ (S. 135, Z. 20). Trude Dohm hingegen vertritt eine konträre Haltung: Sie hisst stolz die Volksflagge und steht hinter dem Führer
- Bei einer Wanderung nach Plomberg überkommt Veit am Ufer des Mondsees wieder ein Angstanfall. Nachdem sich der Protagonist wieder beruhigt, trifft er auf das Schulmädchen Nanni Schaller, welches ihn die ganze Zeit über beobachtet hatte. Nanni schafft es, Veit wieder zu beruhigen und gesteht ihm ihre Liebe zu ihrem Cousin Kurt
- Als Veit zu Nanni meint, „Verliebtsein ist etwas Schönes“ (S. 141, Z. 27f), bittet ihn das Mädchen, diese Worte an ihre Mutter zu schreiben. Nanni führt einen Brief ihrer Mutter mit sich, in welchem diese ihr nichts als Vorwürfe entgegenbringt. Obwohl Veit schockiert von der Schärfe der Worte ist, sieht er es nicht als seine Aufgabe an, in den Mutter-Tochter-Disput zu intervenieren. In dem Schreiben an Nanni stellt ihre Mutter sie vor die Wahl, entweder die Beziehung mit Kurt zu beenden oder „sofort in eine Anstalt“ (S. 146, Z. 19f) geschickt zu werden
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11. Kapitel
- Seite: 147-162
- Ort: Mondsee
- Zeit: März bis April 1944
- Personen: Veit Kolbe, Margot, Robert Raimund Perttes, der Gemeindearzt, Johann Kolbe
- Veits Wunde am Oberschenkel verheilt langsam aber sicher, doch seine Angstanfälle bereiten ihm nach wie vor Sorgen. Der Gemeindearzt kann ihm jedoch dabei nicht behilflich sein, verschreibt ihm allerdings das Methamphetamin Pervitin
- Der Protagonist verbringt weiterhin viel Zeit mit dem Brasilianer, welcher durch den nahenden Frühling in seinem Garten allerhand pflanzt und hegt
- In Mondsee lebt man abgeschiedener vom Kriegsgeschehen als anderswo auf der Welt. Die Darmstädterin leistet Veit zunehmend mehr Gesellschaft „und redete sich den Kummer von der Seele“ (S. 150, Z. 4)
- Nanni Schaller wird in Schwarzindien vermisst, und nachdem man anfänglich davon ausgeht, sie sei mit Kurt davongerannt, wird klar, dass das Mädchen auf eigene Faust davongelaufen sein muss
- Die Ermittlungen um das Verschwinden Nanni Schallers beginnen. Johann Kolbe führt die Untersuchung und Frau Schaller, die von Wien aus nach Mondsee reist, wird befragt
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12. Kapitel
- Seite: 163-174
- Ort: Mondsee
- Zeit: April 1944
- Personen: Veit Kolbe, Margot, Johann Kolbe, die Lehrerin Bildstein, Robert Raimund Perttes
- Die Schulmädchen im Lager in Schwarzindien erhalten Besuch von ihren Eltern, die wiederum rund um Mondsee in verschiedenen Familien untergebracht werden. Insbesondere die Mütter der Schülerinnen sorgen sich um die Sicherheit ihrer Töchter, vor allem, nachdem Nanni Schaller verschwunden ist
- Wenige Tage darauf spricht Veit mit Frau Bildstein. Die Lehrerin bemerkt den schlechten körperlichen Zustand des Protagonisten, unter welchem er selbst ebenso leidet. Veits Energielevel bewegt sich auf einem Minimum und auch den Einladungen der Darmstädterin kommt er nur sporadisch nach
- Johann Kolbe fängt indes die Briefe Kurt Ritlers an Nanni Schaller ab, um eventuell verdächtige Inhalte zu erhalten. Es gibt bisher keine Neuigkeiten in der Suche nach dem vermissten Schulmädchen
- Veit isst wieder einmal zusammen mit seiner Nachbarin und auf seine Frage, „ob sie ihren Mann vermisse“ (S. 172, Z. 3) antwortet die Darmstädterin damit, dass sie immerhin ihre Tochter hätte, „das sei immerhin etwas“ (S. 172, Z. 5)
- Unter den Schulmädchen ist der Brasilianer sehr beliebt, sie besuchen ihn gerne und häufig und genießen es, wenn ihnen Robert Gesschichten von seiner fernen Heimat erzählt
- Seite: 175-187
- Ort: Mondsee
- Zeit: April 1944
- Personen: Veit Kolbe, Robert Raimund Perttes, Margot, Trude Dohm, zwei Polizisten, Johann Kolbe
- Robert wird eines Mittags verhaftet. „Ein dunkler Peugeot“ (S. 175, Z. 23) holt Robert und zwei Beamte führen den Wehrlosen vor den Augen der Dorfbewohner ab
- Robert Raimund Perttes wird vorgeworfen, gegen die amtierende Regierung zu hetzen und aufgrund dessen wird er für sechs Monate in Haft eingezogen. Johann Kolbe hofft für den Brasilianer, dass dieser seine Äußerungen zurückzieht, damit gravierendere Folgen vermieden werden können
- Da Veit spätabends Geräusche aus dem verlassenen Gewächshaus des Brasilianers hört, sieht er zusammen mit der Darmstädterin nach. Die zwei können nichts Verdächtiges feststellen und der Protagonist veranlasst, dass die Hündin Roberts Wasser bekommt
- Am nächsten Morgen muss Veit feststellen, dass die Scheiben des Treibhauses zerschlagen wurden und zu seinem Unmut gedenkt sein Onkel Johann den Randalierern nicht weiter nachzugehen
- Nachdem der Protagonist beim Ortsgruppenleiter den Ersatz der Glasscheiben beantragt hat, setzt er die Gläser eigenhändig wieder ein und beginnt, das angebaute Obst und Gemüse des Brasilianers zu gießen
- Die Darmstädterin geht Veit bei der Pflege Roberts Garten zur Hand und sieht in der gärtnerischen Tätigkeit eine willkommene Abwechslung zum Windelwechseln
- Seite: 188-199
- Ort: Mondsee
- Zeit: Mai 1944
- Personen: Veit Kolbe, die Lehrerin Bildstein, Margot
- Nach dem rätselhaften Verschwinden Nanni Schallers werden die Schulmädchen im Lager in Schwarzindien noch strenger überwacht. Den Schülerinnen missfällt diese Art der Aufmerksamkeit, da sie nicht verstehen, dass sie nur zu ihrem Besten ist
- Während Robert Raimund „auf seinen Prozess“ (S. 188, Z. 27) wartet, erhält Veit „die Vollmacht für die Bewirtschaftung der Gärtnerei“ (S. 189, Z. 15), wobei in der Vollmacht der Name der Darmstädterin steht. Letztere freut sich darüber, in der Angelegenheit ebenfalls einen Beitrag leisten zu können
- Auch wenn die harte Arbeit den Protagonisten an seine körperlichen Grenzen bringt, so genießt er doch die Tätigkeit an der frischen Luft und das Gefühl, etwas Sinnvollem nachzugehen und gebraucht zu werden. Unterdessen nimmt sich die Darmstädterin aller buchhalterischen Aspekte des Verkaufs der angebauten Lebensmittel an und so ergänzen sich Veit und seine Nachbarin nahezu perfekt
- Doch die Idylle im Garten des Brasilianers trügt - nach wie vor fliegen die Bomber ohne Unterlass über Mondsee hinweg und die Zahl der Todesfälle und Verunglückten zieht auch an dem kleinen österreichischen Örtchen nicht ohne Spuren vorbei. Das Gebiet um die Halbinsel Krim wird wieder zu sowjetischem Boden. Im Ort findet eine „Gasmaskenprobe“ (S. 193, Z. 1) statt, welcher sich auch Veit Kolbe unterziehen muss
- Die Darmstädterin erzählt auf Veits Nachfrage von ihrem Mann, der nach wie vor an der Front kämpft. Die junge Frau merkt an, sich nicht sicher zu sein, „den richtigen Mann geheiratet zu haben“ (S. 195, Z. 3)
- Je wärmer es wird, desto mehr Zeit verbringen Veit und die Darmstädterin draußen im Garten des Brasilianers. Die beiden pflegen ein harmonisches Verhältnis und „lachten viel“ (S. 196, Z. 12) miteinander
- An einem freien Tag küssen sich Veit und seine Nachbarin das erste Mal. Die beiden fühlen sich sehr wohl in der Gegenwart des jeweils anderen. Dabei lassen sich Veit und die Darmstädterin ihr Glück nicht von dem „missbilligenden Mustern“ (S. 199, Z. 21) ihrer Gastgeberin Trude Dohms verderben