Der Vater
Effis Vater wird im Gesellschaftsroman auch der alte Briest genannt und pflegt eine ebenso herzliche Beziehung zu seiner Tochter wie seine Frau Luise.
Infos zur Person
- Äußerliche Informationen erhalten wir nahezu keine über den Vater, wobei aufgrund seiner Herkunft davon ausgegangen werden kann, dass es sich um einen gut gekleideten Herren mittleren Alters handelt
- Vater Briest besitzt ein weitläufiges Gut in Hohen-Cremmen, auf welchem er seine Frau und Tochter mit allem, was das Herz begehrt, versorgt
- Neben der Instandhaltung des Anwesens in Hohen-Cremmen beschäftigt den Vater ebenso die Anstellung als Ritterschaftsrat, welche ihm über seinen ohnehin bereits guten Ruf hinaus Ansehen verleiht
Charakter
- Großzügig: Der alte Briest wird als „jovialer Brautvater“ (Kap. 3, Z. 2) beschrieben. An erster Stelle profitiert zwar seine geliebte Effi von dieser Generosität, doch auch anderen Mitmenschen gegenüber besitzt der Vater ein überaus aufgeschlossenes und freigiebiges Auftreten. So behandelt er beispielsweise den Baron von Instetten wie einen Familienangehörigen am Tag der Hochzeit, obwohl er Letzteren erst flüchtig kennt
- Humorvoll: Teils mit einem „kleinen frivolen Zug“ (Kap. 3, Z. 10 f.) versehen, besitzt Briest ein Faible für den scherzhaften Blickwinkel aufs Leben. „Ein kleiner Schabernack entsprach ganz seinem Geschmack“ (Kap. 4, Z. 38 f.) und zeugt keineswegs von Naivität, sondern jahrelanger Lebenserfahrung darin, die Dinge so zu nehmen wie sie sind
- „Unverbesserlich“ (Kap. 4, Z. 51): Entgegen seiner Frau legt Effis Vater weniger hohen Wert auf gesellschaftliche Normen und Umgangsformen. Dass er stattdessen eine direkte, herzliche und ehrliche Kommunikation bevorzugt, lässt sich etwa daran aufzeigen, dass er seiner Frau vorschlägt, nach 30 Jahren Ehe die versäumte Hochzeitsreise anzutreten. Luise kann über derartige Ideen nur den Kopf schütteln (Kap. 4), doch insgeheim liebt sie ihren Mann für seine erfrischend unkonventionelle Art und Weise
- Positiv: Während seine Frau eine eher pessimistische Einstellung besitzt, so strahlt Luises Ehemann eine zuversichtliche und optimistische Lebenshaltung aus. Diese zeigt sich mitunter darin, dass er „immer in guter Laune“ (Kap. 4, Z. 124) ist
- Teilhabend: Sowohl als Ehemann, als auch als Vater zeichnet sich der alte Briest als jemand aus, der „viel Interesse“ (Kap. 4, Z. 42) zeigt, im Speziellen gegenüber seinen beiden Damen. Nach deren Besuch in Berlin brennt der Familienvater darauf, alles von dem einwöchigen Aufenthalt zu erfahren, an dem er aus beruflichen Gründen nicht teilhaben konnte
- Empfindsam: Hinter dem humoristischen Zug des Vaters verbirgt sich eine sensible Seite, die schon früh antizipiert, dass es sich bei der Heirat von Instetten und seiner Effi nicht um eine Vermählung aus Liebe, sondern eher um eine zweckmäßige Angelegenheit handelt. Das Wohl seiner Tochter steht für ihn über allem. Dies bewegt ihn letzten Endes auch dazu, trotz der Gefahr, gesellschaftlich in Verruf zu geraten, Effi zu sich nach Hohen-Cremmen einfahren zu lassen, als sich die Protagonistin am Tiefpunkt ihres Lebens befindet
- Nüchtern: Zwar sind die Wesenszüge des Herrn Briest „ein wenig prosaisch“ (Kap. 3. Z. 10), doch dieses schmucklose Charaktermerkmal formt auch den unverfälschten und authentischen Briest in all seiner charakterlichen Einzigartigkeit