Stilmittel
Im Folgenden sollen beispielhaft einige Stilmittel im Drama Iphigenie auf Tauris analysiert werden.
- Alliteration: „So sucht sie sich“ (Aufz. 5, Auft. 2, Z. 20)
Wörter mit gleichem Anfangsbuchstaben werden aneinandergereiht bzw. im Satz gehäuft, da dies einprägsamer wirkt.
- Anapher: „Und ob er‘s gleich ... / Und fühlt es ...“ (Aufz. 2, Auft. 1, Z. 157 f.)
Wortwiederholung am Anfang aufeinanderfolgender Verse.
- Anastrophe: „Ich darf nicht gleich ihr unsre Namen nennen“ (Aufz. 2, Auft. 1, Z. 271 f.)
Umstellung der gewöhnlichen Wortfolge im Satz.
- Asyndeton: „Des alten, heil‘gen, dicht belaubten Haines“ (Aufz. 1, Auft. 1, Z. 3)
Mehrere Wörter werden ohne Konjunktion aneinander gereiht, wodurch die Sprache schneller wirkt.
- Chiasmus: „Kann uns zum Vaterland die Fremde werden?/ Und dir ist Fremd das Vaterland geworden“ (Aufz. 1, Auft. 2, Z. 31)
Überkreuzstellung einzelner Satzteile und Worte, um sie zu betonen.
- Contradictio in adjecto: „sanfte Überredung“ (Aufz. 1, Auft. 2, Z. 88)
Der Adjektiv steht im Widerspruch zum Substantiv, um regt so zum Nachdenken an.
- Euphemismus: „Wie ungern nehm ich dich in jenes Trauerland frühzeitig mit“ (Aufz. 2, Auft. 1, Z. 36)
Anstatt einen negativen Begriff direkt zu nennen, wird er schön umschrieben.
- Exclamatio: „O überlass ihn nicht sich selbst“ (Aufz. 1, Auft. 2, Z. 167)
Ein Ausruf, der die emotionale Situation der Sprecher verdeutlicht.
- Litotes: „nicht ungeschickt“ (Aufz. 2, Auft. 1, Z. 196)
Durch die doppelte Verneinung wird das Gegenteil zum Ausdruck gebracht.
- Metapher: „Des tiefen Herzens sichre Wohnung“ (Aufz. 1, Auft. 3, Z. 96)
Ein Wort wird in eine andere Bedeutung übertragen durch einen neuen Zusammenhang.
- Oxymoron: „Ein unnütz Leben ist ein früher Tod“ (Aufz. 1, Auft. 2, Z. 77)
Zwei Worte, die sich eigentlich widersprechen, werden miteinander verbunden, was Aufmerksamkeit auf den Satz zieht.
- Parallelismus: „wie meine Ahnen, wie mein Vater“ (Aufz. 2, Auft. 1, Z. 19)
Die Wortstellung bzw. die Reihenfolge der Satzglieder wird wiederholt, um eine Betonung zu erreichen.
- Personifikation: „So manches Jahr bewahrt mich hier verborgen“ (Aufz. 1, Auft. 1, Z. 8)
Dingen werden menschliche Eigenschaften zugeschrieben, was eine bildhaftere Darstellung ermöglicht.
- Rhetorische Frage: „Du hast hier nichts getan seit deiner Ankunft?“ (Aufz. 1, Aufz. 2, Z. 83)
Es wird eine Frage gestellt, deren Antwort eindeutig auf der Hand liegt.
- Stichomythie: „Wie‘s der Vertriebnen, der Verwaisten ziemt. / Scheinst du dir hier vertrieben und verwaist? / Kann uns zum Vaterland die Fremde werden?“ (Aufz. 1, Aufz. 2, Z. 27 ff.)
In schneller Folge wechseln sich Sprecher mit kurzen Aussagen ab, was ein rasantes Gespräch darstellt.
- Symbol: „wie mit Zauberbanden gefesselt“ (Aufz. 1, Auft. 3, Z. 333)
Ein Wort wird symbolisch für einen Sachverhalt genannt, um diesen bildhaft zu umschreiben. In Iphigenie auf Tauris wird das Wort „Band“ mehrfach so genutzt.
- Synekdoche: „Auf ein vertraulich Wort aus deiner Brust“ (Aufz. 1, Auft. 2, Z. 21)
Ein Teil, hier die Brust, wird stellvertretend für das Ganze, also den Menschen, genutzt.
- Vergleich: „wie sich Feuer gegen Wasser im Kampfe wehrt“ (Aufz. 5, Auft. 3, Z. 212 f.)
Durch „wie“, „so“, „als“, „ob“, „gleich“ werden zwei Bedeutungsbereiche miteinander verbunden.
- Wiederholung: „Weil einer Priesterin Geheimnis ziemt. Dem König sollte nichts Geheimnis sein“ (Aufz. 1, Auft. 2, Z. 154 ff.)
Zur Betonung wird ein Wort in unmittelbarer Nähe wiederholt.