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Basiswissen
Inhaltsverzeichnis

Geschichtlicher Hintergrund

Die Erzählung Der Verlorene bezieht sich auf einen Zeitraum von Januar 1945 bis ca. 1963. Um den Inhalt verstehen zu können, muss der historische Kontext beachtet werden. Die Zeit damals war geprägt von Krieg, Vertreibung und dem Wirtschaftswunder.

Erweiterung des Deutschen Reichs

  • Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges wollte Reichskanzler Adolf Hitler das Deutsche Reich vergrößern, den Osten „germanisieren“ und neuen Lebensraum für das „eingeengte deutsche Volk“ schaffen
  • Bereits seine politisch-ideologische Programmschrift Mein Kampf (1925 & 1926) enthielt Pläne, zahlreiche europäische Gebiete zu erobern und ins Deutsche Reich einzugliedern
  • Oberstes Ziel von Hitler war es, Österreich im März 1938 als Sprungbrett in Richtung Osten für sich zu gewinnen
  • Nach dem „Anschluss“ von Österreich wollte der Reichskanzler die mitteleuropäischen Länder Tschechoslowakei und Westpolen erobern
  • Für 1940/41 plante Hitler ein Großgermanisches Reich. Dazu wollte er Belgien, Dänemark, Norwegen und die Niederlanden angliedern
  • Beginn des 2. Weltkriegs: Hitlers Truppen überfielen am 1. September 1939 Polen; die Wehrmacht besetzte nach dem Eroberungsfeldzug das Land
  • Am 17. September marschierte gemäß des Hitler-Stalin-Paktes (August 1939) auch die sowjetische Armee in Polen ein und das Land wurde im Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag unter beiden Mächten aufgeteilt
  • Ab dem 28. September 1939 gehörte das westliche Gebiet Polens zum Deutschen Reich
  • Am 22. Juni 1941 überfiel Hitler mit seiner Wehrmacht die Sowjetunion und besetzte danach auch deren Gebiete im Osten Polens
  • Ab dem 12. Januar 1945 befreite die Rote Armee der Sowjetunion in einem wochenlangen Kampf das polnische Territorium aus der Deutschen Besatzung

Flucht aus dem Osten

  • In den letzten Kriegsmonaten richtete sich die gesamte Macht der Alliierten gegen Deutschland und begann damit, die Deutschen nach Luftangriffen auch mit Bodentruppen in die Enge zu treiben
  • Schon beim ersten Angriff der sowjetischen Soldaten auf die deutschen Ost-Gebiete im Oktober 1944 gab es Angriffe auf die Bevölkerung
  • Nach den erlebten Gräueltaten und der Bedrohung ihres Lebens durch die Rote Armee entschieden sich die ersten Deutschen zur Flucht ins innere des Deutschen Reiches
  • Seit dem erfolgreichen Einmarsch der Roten Armee Ende 1944 mussten immer mehr Deutsche ihre Heimat in Ostpreußen, Pommern, Schlesien und Brandenburg verlassen
  • In den ehemals von den Deutschen besetzten Gebieten in Osteuropa wurde die deutsche Bevölkerung zwischen Winter 1944 und Sommer 1945 systematisch vertrieben. Es gab Übergriffe, Hinrichtungen, Vergewaltigungen und gewaltsame Enteignungen
  • Es gab in den folgenden Monaten endlos lange Trecks in den Westen, auf denen insgesamt rund 14 Millionen deutsche Bürger geflohen sind
  • Der Winter 1944/45 war von extremer Kälte geprägt, was die Flucht der deutschen Bevölkerung erschwerte
  • Die Menschen mussten trotz eisiger Kälte zu Fuß oder mit Pferdewagen fliehen, da durch die Front alle Zugverbindungen unterbrochen waren und nur die Wehrmacht im Besitz von Kraftfahrzeuge war
  • Auf den Trecks gab es keine medizinische Versorgung, die Lebensmittel waren extrem knapp und es war kaum Trinkwasser vorhanden. Vor allem Säuglinge und Kleinkinder starben daher an Hunger oder Unterkühlung
  • Voll bepackt mit ihrem Hab und Gut und geschwächt von der Flucht kamen die Menschen auf den Trecks nur langsam voran und wurden daher von der russischen Armee eingeholt
  • Es gibt massenweise Berichte darüber, dass russische Soldaten Frauen aus dem Treck herausgezogen, misshandelt und vergewaltigt haben. Insgesamt sollen ca. 1,4 Mio. Frauen Opfer geworden sein
  • Männer aus den Flüchtlingskolonnen wurden von den Soldaten angegriffen, ermordet oder als lebende Reparationszahlung an Russland deportiert
  • Weil die Rote Armee Ostpreußen Ende Januar 1945 schon eingekreist hatte, versuchten die letzten Vertriebenen über das zugefrorene Frische Haft an die Ostsee zu flüchten, mussten dabei aber durch Eiswasser waten und brachen massenweise im Eis ein
  • Die Angriffe der Alliierten endeten am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, doch die Fluchtwelle hatte damit noch lange kein Ende
  • Zwar wurde im August 1945 auf der Potsdamer Konferenz beschlossen, dass es einen „ordnungsgemäßen und humanen Transfer zur ethisch-territorialen Neuordnung Ostmitteleuropas“ geben soll
  • Die Situation für die deutsche Zivilbevölkerung in den ehemals besetzten Gebieten blieb allerdings grausam. Sie wurden aus Rache von Tschechen oder Polen ermordet, in Lager inhaftiert oder zu Zwangsarbeitern gemacht. Andere wurden plötzlich ausgewiesen, enteignet  und ohne Entschädigung vertrieben 

Leben nach dem Krieg und der Vertreibung

  • Selbst bei erfolgreicher Flucht in den Westen, blieb die Situation für die Menschen weiter schwierig. Da rund 12 Mio. Deutsche plötzlich eine neue Heimat suchten, herrschte Chaos
  • Die meisten Flüchtlinge und Vertriebene wussten nicht, wohin. Ihre Reise hatte damit kein Ziel
  • Außerdem stießen sie bei den vom Krieg schwer getroffenen Bürgern auf Ablehnung. In der Nachkriegszeit im zerstörten Deutschland mangelte es an Lebensmitteln, Wasser, Kleidung, Medikamenten, Heizmaterial und Wohnraum und vor allem die Flüchtlinge und Vertriebenen wurden als eine Art zusätzliche Belastung feindselig betrachtet
  • Die Vertriebenen mussten sich als Außenseiter in der Gesellschaft aus dem sozialen Abstieg herauskämpfen. Mit leeren Händen standen sie vor der Herausforderung, sich eine neue Existenz aufzubauen
  • Die Menschen wurden nie für ihr verlorenes Hab und Gut entschädigt, der versprochene Lastenausgleich blieb bei den meisten aus

Wirtschaftswunder in Westdeutschland

  • In den 1950er Jahren herrschte in der Bundesrepublik Deutschland ein Wirtschaftswunder
  • Deutschlands erster Wirtschaftsminister Ludwig Erhard stellte die Weichen für den Aufschwung
  • Unter dem Slogan „Wohlstand für alle“ strebte er mit seiner Partei eine soziale Marktwirtschaft an, in der jeder Mensch, der etwas leistet, sich auch ein gutes Leben leisten können soll 
  • Die Politik begann damit, die Industrie zu fördern; zuerst Bergbau und Stahlindustrie, später Maschinenbau, Elektroindustrie und Chemie
  • Zunächst wurden die Gewinne der Firmen dazu genutzt, den wirtschaftlichen Erfolg weiter auszubauen. In der zweiten Hälfte der 50er Jahre wuchsen dann die Löhne
  • Ab Mitte der 50er Jahre wurde auch die Produktion von Konsumgütern angekurbelt
  • Profitiert hat die Bundesrepublik außerdem davon, dass die Alliierten im Kalten Krieg einen starken Bündnispartner brauchten, und daher im Rahmen des Marshallplans wirtschaftliche Aufbauhilfen aus den USA geflossen sind
  • Zwischen 1950 und 1963 nahm die Industrieproduktion um 185 Prozent zu, sodass genügend Arbeitsplätze geschaffen werden konnten
  • Es herrschte Vollbeschäftigung in Deutschland, allerdings nur unter den Männern. Denn Frauen, die in den ersten Nachkriegsjahren noch für den Wiederaufbau eingesetzt wurden, sollten ab Eheschließung wieder zu Hause bleiben
  • Ende der 50er Jahre herrschte sogar Arbeitskräftemangel und die Zeit der Gastarbeiter aus Italien begann, später folgten Arbeitskräfte aus Spanien, Griechenland, Portugal und der Türkei
  • VW Käfer, Elektrogeräte und Industriemaschinen wurden unter dem Siegel „Made in Germany“ weltweit zu Verkaufsschlagern und lockten internationale Investoren an; der Export blühte auf
  • Während die Lebenshaltungskosten ab Mitte der 50er Jahre konstant blieben, stiegen die Löhne und die gesteigerte Kaufkraft sorgte für einen Konsum-Boom
  • Durch die hohe Nachfrage nach Elektroartikeln wie Fernsehern konnten die Preise durch Massenproduktion gesenkt werden. Außerdem förderten günstige Baukredite den Bau von Eigenheimen 
  • Mit dem Beginn der Bergbaukrise Anfang der 1960er Jahre nahm das Wirtschaftswunder ein Ende

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