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Historische Quellen

Die Geschichte von Michael Kohlhaas basiert in Teilen auf dem Leben des historischen Hans Kohlhase. Es lässt sich zwar nicht eindeutig belegen, auf welche Quellen sich Heinrich von Kleist bei seiner Novelle Michael Kohlhaas bezogen hat. Jedoch wird vermutet, dass Kleist die "Maerckische Chronic" von Peter Hafftitz als Quelle genutzt hat. 

Der historische Hans Kohlhase

  • Hans Kohlhase wurde etwa 1500 geboren
  • Er war Kaufmann in Cölln an der Spree; heute ein Teil Berlins
  • Hans Kohlhase galt als angesehener Viehhändler
  • Seiner eigenen Darstellung nach wurde er 1532 von dem örtlichen Machthaber Günther von Zaschwitz betrogen
  • Kohlhase sollte den Beweis erbringen, dass die Pferde, die er verkaufen wollte, tatsächlich ihm gehören
  • Bis er dies mittels Unterlagen beweisen könne, wurden ihm die Pferde als Pfand entwendet
  • Kohlhase suchte mit einer Klage beim Kurfürsten von Sachsen Hilfe
  • Als er die Pferde beim Junker abholen wollte, waren diese durch harte Feldarbeit zugrunde gerichtet und Kohlhase wollte die Tiere bezahlt haben
  • Nach der Absage des Junkers beraubte und entführte Kohlhase einen reichen Seiden-Kramer von Wittenberg, bis sich der Kurfürst von Sachsen bereiterklärt hatte, sich seiner Sache anzunehmen
  • Da er bei der Verhandlung wieder nicht zu seinem Recht kam, griff Kohlhase ca. 1534 sächsische Dörfer an
  • Weil Sachsen mit Brandenburg im Streit lag, bekam der Kurfürst keine Hilfe bei seiner Fahndung nach Kohlhase
  • Auf Bitte vom Kurfürsten von Sachsen lockerte Brandenburg später den Schutz und Sachsen suchte Kohlhase mit 24 Soldaten; ohne Erfolg
  • Kohlhase machte ganz direkt den Kurfürsten von Sachsen für all die Todesopfer in der Fehde verantwortlich; ihm selbst konnten nur wenige Taten nachgewiesen werden
  • Ca. 1534 schrieb Martin Luther dem Kohlhase einen Brief, um noch mehr Unheil abzuwenden und ihn von Gewalttaten abzuhalten
  • Kohlhase suchte Luther in Wittenberg für ein persönliches Gespräch auf, empfing die Beichte und das heilige Sakrament und wollte die Hilfe Luthers annehmen
  • Da die Sachsen ihn aber weiter verfolgten, griff er auf Nagelschmidts Rat hin einen Silbertransport des Kurfürsten von Brandenburg an
  • Der Kurfürst von Brandenburg setzte eine Strafe aus gegen alle, die Kohlhase halfen und ihn versteckten
  • Kohlhase wurde ca. 1540 gefasst und der brandenburgische Kurfürst gestattete dem säsischen Kurfürsten den Prozess gegen Kohlhase
  • Kohlhase beharrte in einer langen Ausführung auf der Rechtmäßigkeit seiner Taten
  • Der Pferdehändler wurde mit seinen Komplizen am 22. März 1540 wegen Landfriedensbruch in Berlin zum Tode verurteil

Der historische Luther-Brief

  • Martin Luther schrieb einen Brief an Hans Kohlhase, damit er sich der Obrigkeit fügt und seine Gewalttaten beendet; dieser ist auf den 8. Dezember 1534 datiert
  • Der Theologe betonte, dass die Rache von Gott verboten ist und nicht in der Hand eines Einzelnen liegt
  • Luther zitierte die Bibel: 5. Moses 32,35 „Mein ist die Rache und die Vergeltung für die Zeit, da ihr Fuß wanken wird; denn nahe ist der Tag ihres Verderbens, und was ihnen bevorsteht, eilt herbei.“
  • Kohlhase solle Unrecht nicht mit Unrecht vergelten
  • Wenn er kein Recht vor Gericht bekommt, müsse Kohlhase das Unrecht erdulden
  • Kohlhases Leid sei außerdem nichts im Vergleich zu Jesu Christi Leiden
  • Luther riet Kohlhase, dass er Friede schließen solle
  • Durch die Formulierung „so Ihr meines Rats begehret (wie Ihr schreibet)“ wird deutlich, dass es sich um ein Antwortschreiben Luthers handelte
  • Obwohl es keine Quellen dafür gibt, scheint es so, als hätte sich Kohlhase zuvor bereits aktiv an Luther gewandt

Abweichungen zur historischen Quelle

  • Kleist änderte den Namen von Hans Kohlhase in Michael Kohlhaas; während der historische Name durch seine Ähnlichkeit zu Begriffen wie „Hasenfuß“ nach einem Feigling klingt, weckt Michael Kohlhaas die Assoziation mit Erzengel Michael bzw. der hebräischen Bedeutung „Wer ist wie Gott“
  • Dem historischen Kohlhase werden aufgrund des Verdachts, er sei ein Dieb, die Pferde als Pfand abgenommen; Michael Kohlhaas dagegen wird von Anfang an aus reiner Willkür und Boshaftigkeit in die Situation gebracht
  • Außerdem versucht Kleists Kohlhaas einmal mehr als der historische Kohlhase per Justiz zu seinem Recht zu kommen und geht weniger schnell zur Selbstjustiz über 
  • Der historische Kohlhase gerät in finanzielle Schwierigkeiten beim Versuch per Gericht Recht zu bekommen; Kohlhaas dagegen verliert seine Ehefrau
  • Gegen Hans Kohlhase werden Truppen von etwa 20 Soldaten eingesetzt; Kleist lässt gegen seinen Protagonisten ganze Heere in den Kampf ziehen
  • Während der echte Kohlhase willkürlich Attentate verübt und wahllos Menschen tötet, handelt Kohlhaas stets überlegt und mit einem Plan
  • Martin Luther wird in Kleists Werk eine weitaus größere Rolle zuteil, als in der Realität. Während er im Buch eine öffentliche Nachricht an Kohlhaas schrieb und ihn anklagte, wandte sich der echte Luther lediglich mit einem Brief an Kohlhase
  • Kohlhase ließ sich von Luther letztlich nicht beeindrucken und führte seine Fehde fort; Kohlhaas seinerseits gab seinen Rachefeldzug auf, nachdem Luther ihm freies Geleit organisierte
  • Kohlhase sah sich bis zuletzt als Opfer; Kleists Kohlhaas dagegen will für seine Taten büßen und nimmt die Todesstrafe an
  • Die Handlung rund um die Zigeunerin und ihre Weissagung ist von Kleist frei erfunden, sie hat keinerlei historische Basis

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