Geschichtlicher Hintergrund
Zeitgenössische Themen
- diskutierte Frage nach der Vertretbarkeit von Strafkolonien
- Kapitalismus, Forschung der Medienwissenschaften, Massenmedien, Modernisierung, Fortschritt der Technik
- Ohnmacht des Individuums gegenüber der Technik
- Bedeutung der Industrialisierung hinsichtlich Mobilität und Massenverkehrsmittel
- Angst vor der aufkommenden Zivilisation; vehemente Proteste dagegen
- Der diktatorische Machtapparat der Strafkolonie spiegelt die inhumanen und ungerechten Exekutionsprozeduren wider, die stark kritisiert wurden: Es besteht keine Möglichkeit der Verteidigung und eine Milderung des Urteils ist ebenfalls ausgeschlossen.
- Die geselleschaftliche kapitalistische Organisationsweise (Diktatur in der Strafkolonie) fordert, dass sich Individuen an strikte Abläufe und sich streng an die Ansagen ihres Vorgesetzten halten müssen.
Erhöhung der Effizienz und des wirtschaftlichen Profits
Epoche
- Das Werk In der Strafkolonie kann der Epoche des Expressionismus zugeordnet werden.
- Der Expressionismus gilt als Gegenströmung zum Naturalismus.
- Als ausschlaggebendes geschichtliches Ereignis ist der Erste Weltkrieg zu nennen. Unter den Künstlern zu dieser Zeit enstand ein neues Krisenbewusstsein.
- Dazu gehört die Kritik am Kapitalismus und der Industrialisierung. Die Modernisierung und voranschreitende Technik und ihre Auswirkungen auf die Menschheit wurden stark hinterfragt.
- Die Literatur bildet eine Projektionsfläche für die Skepsis und Verzweiflung der Menschen hinsichtlich ihrer auftretenden Ängste.
- Der Expressionismus sieht im Gegensatz zum Naturalismus seiner Gegenströmung die Darstellung von Wahrheit und nicht von Wirklichkeit im Mittelpunkt des Forschungsgegenstandes.
- Das neu erschaffene Krisenbewusstsein umfasst ebenfalls den Wunsch nach der Aufdeckung von Wahrheit und die Sehnsucht nach einer besseren Welt, der Erneuerung der Welt und ihrer Menschen.
- Charakteristisch für den Expressionismus ist die Verfremdung und Verzerrung der Wirklichkeit, die eine groteske Wirkung auf den Rezipienten haben.
- Zentral ist ebenfalls das Leiden des Menschen: Der Mensch ist der Macht einer Maschine ausweglos ausgesetzt.
- Die Stimmung expressionistischer Werke ist in der Regel emotionslos und kalt.
- Die Sprache ist entsprechend rational, klar, schlicht und knapp gehalten. Die grauenhafte Wirklichkeit wird präzise genau dargestellt.
- Charakteristisch für den expressionistischen Sprachstil ist der sogenannte Simultanstil. Häufig stehen lange, detailreiche Monologe im Zentrum, wie es auch beim Offizier der Fall ist.
- Die neutral gehaltene Sprache fordert einen ebenfalls neutralen und außenstehenden Leser.
- Absurde und skurrile Vorgänge werden so realistisch wie möglich dargestellt.
- Trotz der Distanz zur Geschichte sorgt die absurde, fanatische und rätselhafte Handlung für eine Erschütterung beim Leser und bringt einen schockierenden Moment der Überraschung mit sich. Es ist die objektive Darstellung grotesker Szenen, die den Leser erschüttert.
- Zu den wichtigsten Vertreter des Expressionismus zählen neben Franz Kafka, Alfred Döblin, Gottfried Benn, Georg Heym, Heinrich Mann, Georg Trakl und Jakob von Hoddis.
- Weitere Werke Kafkas, die dem Expressionismus zugeordnet werden können, lauten: Die Verwandlung, Das Urteil und Der Prozess.