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Walter Faber

Walter Faber ist der Protagonist seiner eigenen (Ich-)Erzählung. Aus Zürich stammend, ist der 50-jährige Ingenieur bei der Unesco (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization), wo er „ technische Hilfe für unterentwickelte Völker “ leistet. Deshalb ist er ständig beruflich unterwegs und hat seine Heimatstadt Zürich seit Jahrzehnten nicht mehr besucht.
Über den Charakter Fabers erfahren wir nicht viel, weil alle persönlichen Informationen von selbigem stammen und mehr seinem Selbstbild als der Wirklichkeit entsprechen. Deutlich wird aber, dass Faber ein Misanthrop ist. Nachdem ihn zunächst sein Sitznachbar im Flugzeug genervt hat, dreht er den Spieß um, als die Motoren der Maschine ausfallen, was die anderen Passagiere in Schrecken versetzt. Nun lebt Faber auf und erzählt von einer scheußlichen Fischvergiftung und philosophiert über Amöben. Die Stewardess fragt er ob der Schwimmwesten sarkastisch, ob man in der Wüste schwimmen könne - dort nämlich muss das Flugzeug schließlich notlanden. Da Fabers Sitznachbar tatsächlich als beflissener, überkorrekter Deutscher geschildert wird, ermöglicht dieser Abschnitt, sich mit dem Techniker zu identifizieren. Wie Faber dem leidenden Deutschen zusetzt, lässt ihn hier sympathisch wirken (Vorstehendes nach S. 8-19).
Nach der Notlandung in der Wüste spielt Faber mit seinem Sitznachbarn Herbert Schach - charakteristisch für den Mann, der sich lieber mit Technik, Logik und Verstand als mit seinen Mitmenschen beschäftigt: „Ich schätze das Schach, weil man Stunden lang nichts zu reden braucht.“ (S. 25) So sind die Dinge, die er immer mit sich führt, auch technischer Natur: Kamera, Schreibmaschine und Schachspiel. Als er erfährt, dass sein Schachpartner der Bruder Joachims ist, eines Freundes früherer Tage, wird er allerdings selbst gesprächig und beginnt, Herbert auszufragen. Dessen Einsibligkeit reizt ihn nun, wie er selbst einräumt (S. 30). Immerhin ist es Herbert, dessentwegen er auf den Namen Hanna stößt.
Hanna ist Fabers Jugendliebe und ihre Erwähnung wirkt auf ihn so stark, dass er sogleich von ihr träumt (S. 31). Die Erinnerung an sie beschäftigt ihn, denn immer wieder unterbrechen nun Rückblenden und Reflexionen die sonst meist chronologische Erzählung. Am meisten denkt er über die geplatzte Heirat mit Hanna nach (S. 30-35, S. 49 u. S. 61). Faber sagt, dass er Hanna wirklich geliebt habe, was für ihn eine untypische Gefühlsäußerung darstellt.
Es ist Faber nach seiner Beziehung mit Hanna offensichtlich nicht gelungen, eine tiefgehende Beziehung zu einer anderen Frau aufzubauen. Mit Ivy springt er gefühllos um, wie etwa sein Brief an sie aus der Wüste zeigt, in dem er mit ihr Schluss machen will: „Wären wir bei dieser Notlandung verbrannt, könnte sie auch ohne mich leben! - schrieb ich ihr [...].“ (S. 33) Auch reagiert er auf ihre Vorwürfe, er sei ein gefühlloser Egoist, mit Lachen - jedenfalls laut eigener Aussage. Dass Faber eigentlich bindungsunfähig ist, gesteht er recht freimütig ein: „Ivy heißt Efeu, und so heißen für mich eigentlich alle Frauen. Ich will allein sein!“ (S. 99)
Dass Faber ein gestörtes Verhältnis zu Frauen hat, liegt an seinem Selbstbild als Techniker, das Irrationales ausschließt. So hat er Probleme damit, seine triebhafte Natur anzuerkennen und betrachtet Sexualität als etwas Absurdes. Ivy ist für ihn „ein herzensguter Kerl, wenn sie nicht geschlechtlich wurde“ (S. 69), und im Grunde genommen fürchtet er sich deshalb vor ihr. Als sie seinen Absichten zum Trotz miteinander schlafen, weiß Faber nicht, „wie es wieder kam“ (S. 71). Auffällig ist, dass nach seinem Bekunden sexuelle Handlungen immer von den Frauen ausgehen (vgl. mit der Frau seines Lehrers S. 107f., mit Sabeth S. 135). Jedoch nur mit Hanna war es für Faber nicht absurd.
Dennoch scheiterte auch die Beziehung mit Hanna, die angesetzte Hochzeit platzte vor ihrem Vollzug. Die Gründe, die Faber dafür anbietet, widersprechen sich. Klar ist jedoch, dass beide grundverschiedene Charaktere sind. Während er sie „Schwärmerin“ und „Kunstfee“ nannte, sprach sie ihn spöttisch als „Homo Faber“ an. Homo faber bedeutet „der schaffende Mensch“ oder „der Mensch als Handwerker“ und ist ein Begriff aus der Anthropologie, um den modernen Menschen vom primitiven Menschen abzugrenzen, indem Erster als aktiver Veränderer seiner Umwelt beschrieben wird. Die Liebe zu Hanna scheiterte letztlich wohl daran, dass Faber sich auch ihr gegenüber nicht öffnen konnte - z. B. bat er sie, den Heiratsgedanken rein sachlich zu betrachten. Als sie ihm außerdem mitteilte, dass sie ein Kind von ihm erwarte, legte er ihr einen Schwangerschaftsabbruch nahe und sprach von deinem Kind (S. 51f.). Dass dieses Kind dennoch zur Welt gekommen ist, ahnt Faber nicht.
Walter Faber denkt in Stereotypen, die sein Selbst- und sein Weltbild formen. Er schreibt, und dies will er nicht als zynisch, sondern als sachlich verstanden wissen:
Ich lebe, wie jeder wirkliche Mann, in meiner Arbeit. [...] [Ich] schätze mich glücklich, allein zu wohnen, meines Erachtens der einzigmögliche Zustand für Männer [...]. Gefühle am Morgen, das erträgt kein Mann.
[...] Ich kann nicht die ganze Zeit Gefühle haben. (S. 98f.)
Ich lebe, wie jeder wirkliche Mann, in meiner Arbeit. [...] [Ich] schätze mich glücklich, allein zu wohnen, meines Erachtens der einzigmögliche Zustand für Männer [...]. Gefühle am Morgen, das erträgt kein Mann.
[...] Ich kann nicht die ganze Zeit Gefühle haben. (S. 98f.)
Andererseits gesteht Faber, von der Ich-Form zum unpersönlichen „man“ wechselnd:
Alleinsein ist nicht immer lustig, man ist nicht immer in Form. Manchmal wird man weich, aber man fängt sich wieder. Ermüdungserscheinungen ! Wie beim Stahl , Gefühle , so habe ich festgestellt, sind Ermüdungserscheinungen , nichts weiter, jedenfalls bei mir. Man macht schlapp! [...] nachher hört man doch nur seine eignen Schritte in der leeren Wohnung. [...] Dann Gin, obschon ich Gin, einfach so, nicht mag [...]. Man kann sich nicht selbst Gutnacht sagen - Ist das ein Grund zum Heiraten? (S. 99f.)
Alleinsein ist nicht immer lustig, man ist nicht immer in Form. Manchmal wird man weich, aber man fängt sich wieder. Ermüdungserscheinungen ! Wie beim Stahl , Gefühle , so habe ich festgestellt, sind Ermüdungserscheinungen , nichts weiter, jedenfalls bei mir. Man macht schlapp! [...] nachher hört man doch nur seine eignen Schritte in der leeren Wohnung. [...] Dann Gin, obschon ich Gin, einfach so, nicht mag [...]. Man kann sich nicht selbst Gutnacht sagen - Ist das ein Grund zum Heiraten? (S. 99f.)
Frauen sind für ihn gefühlsbetont, weshalb er sich ihnen als sachlicher Techniker überlegen wähnt. Auch hier ist es einzig Hanna, die er als gleichgestellt akzeptiert. Er bewundert sie dafür, dass sie ein selbstbestimmtes Leben führt; obwohl emanzipiert, findet er sie nicht unfraulich (S. 155). Dennoch versteht er auch sie nicht: Über ihre Sachlichkeit nach Sabeths Unfall ist er überrascht und nach ihrem Tod kann es kaum ertragen, dass sie ihm keine Vorwürfe macht: „Warum sagt sie‘s nicht, daß ich ihr Leben zerstört habe? [...] Ein einziges Mal habe ich Hanna verstanden, als sie mit beiden Fäusten in mein Gesicht schlug, damals am Totenbett. Seither verstehe ich sie nicht mehr.“ (S. 209)
Übrigens ist sein Verhältnis zu Männern nicht viel besser, vielmehr gehen Faber seine Mitmenschen generell schnell auf die Nerven (S. 100). Sein einziger Freund ist Joachim, den er jedoch seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hat. So muss davon ausgegangen werden, dass er in Amerika ziemlich isoliert lebt.
Faber definiert sich in hohem Maße über seine Arbeit und sein Selbstbild als Techniker. Als solcher sei er es „gewohnt, mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen“. Für Irrationales ist in seinem Denken kein Platz, er lehnt es schlichtweg ab. Selbst nach dem Zusammentreffen der unmöglichsten Umstände und dem Tod seiner Tochter sieht er die Ereignisse als eine „Kette von Zufällen“ - „Ich brauche, um das Unwahrscheinliche als Erfahrungstatsache gelten zu lassen, keinerlei Mystik; Mathematik genügt mir.“. Zur Untermauerung dieser Aussage macht er sogar bibliographische Angaben zu mathematischen Büchern (Vorstehendes nach S. 23f.). Indem Faber versucht, Fügung und Schicksal zu verneinen, zeigt er, dass er an diese Deutungsmöglichkeit zumindest auch gedacht hat. Er ist es, der die Interpretation der Ereignisse als Schicksalsgeschichte erst thematisiert.
Eigentlich pedantisch und gewissenhaft in beruflichen Dingen, unterbricht Faber seine Dienstreise, ohne zu wissen, warum (S. 35f.). Auffallend häufig kann Faber sich seine Handlungen nicht (rational) erklären, er kennt sich gewissermaßen selbst nicht. Wird er in seinem Selbstbild erschüttert, reagiert er zudem verunsichert, wie seine Reaktion auf Williams‘ Bemerkung („What about some holidays? You‘re looking like -“) zeigt (S. 104ff.).
Da Faber seine Umwelt und sich selbst einseitig wahrnimmt, sind seine Informationen nicht immer zuverlässig. Etwa springt dem Leser förmlich ins Auge, wie er sich in Sabeth verliebt und ihre Nähe sucht, sich dies aber nicht eingesteht. Verräterisch ist bereits, wie er sich an noch so kleine Details wie ihre Cowboyhosen erinnern kann - dabei beschreibt er sie als eine beiläufige Reisebekannschaft. Diese beiläufige Reisebekanntschaft äußert selbst: „Sie beobachten mich die ganze Zeit, Mister Faber, ich mag das nicht!“ (S. 92) Und als sie seekrank ist, liefert Faber sich mit Sabeths Freund einen absurd wirkenden Wettbewerb, die Dame zu bekümmern (S. 87ff.). Allein die Bezeichnung „Schnäuzchen-Freund“ für Sabeths Begleiter belegt seine Eifersucht.
Sabeth bewegt viel in Faber, der während der Schiffsreise strake Gefühle zeigt und nach eigener Aussage sogar sentimental wird, indem er ihr einen Heiratsantrag macht (S. 95, S. 102). Als er sie küsst, schreckt er jedoch vor ihr zurück und ist sprachlos. Sie ist ihm fremder als je ein Mädchen, „ihr halboffener Mund, es war unmöglich; [...] zu sagen gab es nichts, es war unmöglich.“ Die Stelle deutet darauf hin, dass Faber instinktiv fühlt, dass eine Liebesbeziehung zu Sabeth nicht richtig ist („unmöglich“) - eine unbewusste Ahnung, dass sie seine Tochter sein könnte, scheint also mitzuschwingen. Dazu passt die Vaterrolle, die Faber ob des Altersunterschieds ihr gegenüber instinktiv einnimmt: Sie solle keine Stewardess werden, nicht per Autostopp (trampen) nach Rom, nicht so viel rauchen usw.
Obwohl Faber viel Zeit mit Sabeth verbringt, mit ihr durch Frankreich und Italien reist, kommt die Erkenntnis, dass sie seine Tochter ist, erst durch Hannas Geständnis. Einer früheren Erkenntnis steht Faber im Wege, indem er Sabeths Ähnlichkeit mit Hanna verdrängt. Verdrängung ist eine typische Handlung Fabers, was der Leser auch an anderen Textstellen festmachen kann:
  • Unangenehmes wird von Faber meist nicht chronologisch in den Bericht eingebettet, sondern nachgereicht (z. B. S. 73f.)
  • Faber ergeht sich in ernsten Situationen in Nebensächlichkeiten:
    • Als das Flugzeug nach Mexiko-Stadt notlanden muss, ist seine „erste Sorge: wohin mit dem Lunch?“ (S. 21)
    • Als sie den toten Joachim am Strick hängen sehen, fragt er sich angbelich, woher das noch laufende Radio den elektrischen Strom bezieht (S. 59)
  • Faber erzählt Hanna zunächst nichts von Joachims Tod. Auf ihre Frage nach Joachim redet er irgendetwas und spricht von alten Zeiten (S. 155).
  • Als er nach Sabeths Unfall bei Hanna ist, fürchtet er sich vor dem Moment, da man sich setzt (S. 157). Als er schließlich zugibt, dass er mit Sabeth geschlafen hat, ist er „geradezu munter, mindestens erleichtert“ (S. 159).
  • Hannas Frage „Du weißt [...], daß es dein Kind ist?“ bejaht Faber (S. 171).
Faber ist also ein Meister der Verdrängung. Seiner Triebnatur, Unangenehmem wie dem Inzest mit Sabeth, seiner fortschreitenden Krankheit („es fehlt mir nur an Bewegung und frischer Luft, das ist alles“, S. 187) und dem Tod weicht er aus, er ist nicht bereit, sich mit diesen Dingen aueinanderzusetzen.
Zum Tod hat Faber ein klinisches Verhältnis. Joachims Bestattung wir nachgereicht mit der Bemerkung „Wir hätten Joachim [...] verbrennen sollen.“ (S. 73) Vor Dreck und Tod empfindet Faber Ekel, weshalb ihm auch Joachims Begräbnis nicht behagt. Erde bedeutet für ihn nämlich „Schlamm [...], Verwesung voller Keime, glitschig wie Vaseline, [...] wie Tümpel von schmutzigem Blut, Monatsblut, [...] wie ein Gewimmel von Spermatozoen, genau so - grauenhaft.“ Dabei ist zu beachten, dass „Mutter“ Erde mit weiblichen Attributen bedacht wird, so z. B. in der griechischen Mythologie: Dort ist die Göttin Gaia die personifizierte Erde und Urmutter. Mithin zeigt die zitierte Stelle, wie Fabers Ängste vor Tod, Natur, Sexualität und Weiblichem zusammenhängen. Sein Ekel geht dabei so weit, dass Verstand und Gefühl gegeneinander kämpfen. Im Gegensatz dazu sei Feuer (in der gr. Mythologie der Gott Hephaistos = männlich) eine saubere Sache: „(Ich möchte kremiert werden!)“ (S. 74)
Die Natur und was mit ihr zusammenhängt - nämlich Sexualität und Tod - bereitet Walter Schwierigkeiten, sie macht ihn nervös und er leidet unter ihrem Einfluss. Sinnbildlich dafür stehen etwa sein ständiges Duschen im Dschungel oder seine Unruhe, sobald er keinen Strom zur Verfügung hat und sich nicht rasieren kann: Er hat das Gefühl, er werde „etwas wie eine Pflanze“ (S. 29). Sein ständiges Rasieren bezeugt also eine Einstellung zur Natur, die vom Wunsch geprägt ist, sie zu beherrschen. Versagende Technik versetzt ihn ebenfalls in Unruhe, was die Szene mit dem kaputten Rasierapparat bezeugt (S. 68). Faber braucht die Kontrolle, das Ungewohnte und Plötzliche passt ebenso wenig zu ihm wie das Untätigsein (S. 81f.).
Im Ganzen lehnt er ab: Kommunismus, Mystik, Gott/Götter, Kunst, Romane, Museen, Zivilisations- und Kulturkritik („Künstlerquatsch“), Emanzipation („Backfischphilosophie“), und für Hannas Ex-Mann, Herrn Piper, interessiert er sich schon deshalb nicht, weil er aus Überzeugung in Ostdeutschland lebt. Den Hintergrund bilden hier die sozialistische DDR und die Blockbildung im Kalten Krieg.
Die Einstellung des Technikers zur Natur, zu Gefühlen und zur Kunst wandelt sich erst langsam, als er Sabeth kennenlernt. Beim gemeinsamen Besuch im römischen Museo Nazionale öffnet er sich und die gemeinsame Nacht draußen in Akrokorinth ist für ihn offensichtlich ein Erlebnis (S. 120f. u. S. 162ff.). Faber hat sich innerlich verändert, denn jetzt spielt er mit Sabeth sogar das Spiel mit sprachlichen Vergleichen.
Nach ihrem Tod überfällt ihn Wehmut: „Wäre es doch damals! nur zwei Monate zurück [...].“ (S. 180) Zur Wandlung Fabers passt, dass es beruflich auch ohne ihn geht, der sich bisher über seinen Beruf definiert hat: Statt die Montage in Caracas zu leiten, liegt er krank im Hotelzimmer und schreibt den ersten Teil seines Berichts. Auf Kuba packt ihn schließlich die Sehnsucht nach dem wirklichen Leben, selbst die als absurd abgelehnte sexuelle Begierde begrüßt er nun. Ausgerechnet jetzt allerdings ist er impotent, die Taxi-Geschichte endet für ihn als Blamage. Ob Faber allerdings eine gänzlich andere Lebensauffassung hat oder sein bisheriges Leben einfach ablehnt, bleibt strittig. Für Letztes sprechen sein plötzlicher Zorn auf Amerika („Marcel hat recht“, S. 192) und die Aneinanderreihung von Klischees: Faber lässt sich vom Exotischen begeistern, hat aber ein allzu romantisches Bild vom alltäglichen Leben auf Kuba. Er ist vom Anderen fasziniert, sieht etwas Animalisch-Wildes in den Einheimischen und verdrängt mögliche Schattenseiten des Lebens auf der Antillen-Insel.
Richtig ist aber auch, dass Faber von seinen Gefühlen überwältigt wird. So lässt er eine ganze Filmspule mit Sabeth laufen, als er in Düsseldorf bei Hencke-Bosch den Film mit Joachims Tod zeigen will und der Techniker ihn darauf hinweist, dass dies nicht Guatemala sein könne (S. 204-208). Faber ist nicht nur offener Gefühlen gegenüber, auch zu Natur und Technik ändert sich seine Einstellung. Auf dem Flug nach Athen verspürt er den „Wunsch, Heu zu riechen!/ Nie wieder fliegen! / Wunsch, auf der Erde zu gehen -/ Wunsch, die Erde zu greifen -“ (S. 212).
Letztlich ist Faber ein Mensch, der an sich vorbeigelebt hat. Seine Wandlung ist auf die Begegnung mit Sabeth und seine fortschreitende Krankheit zurückzuführen, sie kommt jedoch zu spät. Für den Todesfall verfügt er, alle schriftlichen Zeugnisse von ihm zu verbrennen, „es stimmt nichts“. Die Vergänglichkeit aber hat er akzeptiert: „Auf der Welt sein: [...] standhalten dem Licht der Freude [...] im Wissen, daß ich erlösche“ (S. 216). Diese Worte schreibt Faber wenige Stunden vor seinem wahrscheinlichen Tod - kurz darauf bricht sein Bericht ab.

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