Familiensituation und Trauerverarbeitung
Der plötzliche Tod Oliver Zureks stellt die gesamte Familie vor dramatische Herausforderungen. Der öffentliche Druck, die Medien, juristische Aufarbeitung und ständige Unstimmigkeiten und Dispute innerhalb der Familie lassen zunächst jedoch keine Zeit und keinen Raum für eine angemessene Trauerverarbeitung.
Umgang mit Tod und Trauer
- Das Ehepaar sucht sich zunächst eine ständige Ablenkung, um ihre Trauer zu überwinden.
- Sie führen ihren gewöhnlichen Alltag und ihre Arbeit weiter fort, um nicht aus ihren geradlinigen Routinen zu fallen.
- Grund dafür ist die Angst vor der ständigen Konfrontation und schmerzlichen Aufarbeitung der Trauer
- Sie reden relativ wenig über ihre Trauer und ihren Schmerz.
- Die eigentliche Trauerverarbeitung kommt viel zu kurz, obwohl die Bedeutung des Trauerns elementarer Prozess der Verarbeitung der Geschehnisse wäre.
- Die Zureks fühlen sich hilflos; ihr einziger Wunsch ist es, Oliver mit „Anstand und Würde“ (S. 36) zu beerdigen
Die sich verändernde Familiensituation des Zureks
- Durch das erfahrene Schicksal wächst das Ehepaar stärker zusammen, insbesondere am Ende des Romans.
- Richard Zurek wird am Ende klar, dass die gemeinsame Stärke und der familiäre Zusammenhalt stärker als das Vertrauen und die platonische Liebe zum Staat sind.
- Stattdessen geht die Liebe zu und das Vertrauen in seinen Sohn unaufhörlich über den Tod hinaus
- Zeitlich kurz nach den Ereignissen steht die Familie jedoch stark unter Druck.
- Als wäre die eigentliche Tatsache des Todes ihres Sohnes, nicht schon schlimm genug, wird das Ehepaar ständig beobachtet und steht durchgehend in der Öffentlichkeit.
- Die Zureks werden plötzlich als besonders bzw. andersartig wahrgenommen und ziehen das Interesse der Öffentlichkeit auf sich.
- Das passt jedoch nicht zur Seriosität und normierten Kleinbürgerlichkeit der Zureks; sie fühlen sich der Presse ausgeliefert und unwohl, wenn sie draußen unterwegs sind (S. 221)
- Am Ende des Romans schließt Richard Zurek mit dem ewigen Suchen nach Antworten und dem unmöglichen Durchsetzen der Unschuld seines Sohnes ab, jedoch nicht mit dem Tod seines Sohnes
- Erst nachdem Richard sein Misstrauen gegenüber dem Staat erkennt und einen Neubeginn wagen möchte, kann die Trauerverarbeitung einsetzen.
- insbesondere an den Wehnachtsfeiertagen (Kapitel 18) scheinen sie eine ganz normale Familie zu sein; das Thema Oliver kommt nicht mehr oft zu Wort
- Familienmitglieder sind nicht mehr so sehr geladen; gehen weniger impulsive Diskussionen ein
- Das familiäre Zusammenleben wird ruhiger und entspannter; das vernachlässigte Eheleben wird zunehmend wichtiger
- Es hilft, dass der Medienwirbel immer weniger präsent wird, z. B. im gemeinsamen Urlaub des Ehepaars auf Amrum. (S. 243)
- Das Ehepaar wirkt generell gelassener und schenkt sich auch gegenseitig Zeit: Im letzten Kapitel möchte Richard mit seiner Frau essen gehen und bringt ihr rote Rosen nach Hause.