Faschismus
Thomas Manns Werk Mario und der Zauberer spiegelt als eine Art Gleichnis wider, wie die faschistischen Tendenzen der damaligen Zeit sich auf die Gesellschaft und das alltägliche Leben ausgewirkt haben.
Der Autor selbst sagte einmal, Mario und der Zauberer sei eine „stark ins Politische herüberspielende Geschichte, die mit der Psychologie des Faschismus' und derjenigen der Freiheit, ihrer Willensleere […] innerlich beschäftigt ist“.
Definition Faschismus
- Faschismus bezeichnet ein diktatorisches Regierungssystem; ursprünglich die diktatorische Regierung von Benito Mussolini in Italien
- Die Ideologien des Faschismus' sind extrem nationalistisch, antiliberal, rassistisch und fremdenfeindlich
- Es herrscht ein Führerkult vor und eine Politik des Spektakels
- Gewalt und Terror sind die Mittel der Wahl der Diktatur; die Ängste des Volkes werden gezielt ausgenutzt und Emotionen instrumentalisiert
- 1922 bis 1945 herrschte in Italien der Faschismus vor
- In Deutschland wuchs die faschistische Tendenz durch den aufstrebenden Adolf Hitler in den 1920er Jahren immer mehr, bis die NS sogar die Macht übernahm
Faschismus im Werk
- Schon zu Beginn der Handlung wird die Familie mit Fremdenfeindlichkeit konfrontiert und im Hotel ausgegrenzt bzw. von der Veranda verbannt (Vgl. S. 13 f.)
- Zur Beschreibung der gereizten Stimmung im Land nutzt Thomas Mann die Worte „Schreckensherrschaft der Sonne“ (S. 20) und bezieht sich damit doppeldeutig auf die politische Herrschaft Mussolinis in Italien
- Die nationalistischen und aggressiven Strandbesucher, welche Mann mit der „Schreckensherrschaft“ verbindet, verweisen also auf die faschistisch geführten Italiener mit übertriebener Vaterlandsliebe
- Die Neigung zum Spektakel der faschistischen Führung wird durch einen bosartigen, abscheulichen Jungen am Strand aufgezeigt, der nach einer Krebs-Attack unter Jammern behandelt werden musste (Vgl. S. 22 ff.)
- Eine Situation, die ebenfalls als Symbol für die faschistische Gesinnung gesehen werden kann, ist die Beschreibung des Aufruhrs nachdem sich die Tochter des Erzählers ohne Badeanzug am Strand zeigte (Vgl. S. 26 ff.); eine ganze Gruppe Italiener verschwor sich gegen die Familie und forderte lautstark die Bestrafung
- Die Tatsache, dass der meckernde, italienische Herr in „städtischem Schniepel“ (S. 27) am Strand war, zeigt auf wie spießbürgerlich das Volk war
- Die Hypnosetechniken von Cipolla sind ein Sinnbild für die Mechanismen, die Diktatoren gegenüber dem Volk nutzen
- Während in der Novelle der Hypnotiseur den Zuschauern ihren Willen entzieht, entzieht der Führer seiner Gefolgschaft die individuelle Meinung und lenkt den Willen
- Zu den Mechanismen des Führertums gehört auch, dass suggeriert wird, der Führer bzw. Cipolla hätte nichts als das Wohlergehen bzw. die Unterhaltung der Masse im Sinn
- Zwischen der Figur des Cipolla und dem faschistischen Führer Italiens, Mussolini, sind eindeutige Parallelen zu erkennen
- Im Laufe der Handlung gesteht sogar der Erzähler, dass er willen- und hilfslos war. Obwohl er mit seiner Familie Torre di Venere mehrfach verlassen wollte, hat die Faszination ihn doch dort gehalten; er lehnte die Situation dort ab, tat aber nichts dagegen, was die Zerrissenheit vieler Menschen im Faschismus widerspiegelt