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Identitätskrise

Die Erzählung Sommerhaus, später sollte unbedingt in Bezug auf die Frage nach der eigenen Identität bzw. der Suche nach der eigenen Identität interpretiert werden.

Was ist Identität?

  • Identität meint grob gesagt, wer man selbst ist
  • Die Identität beschreibt also, wie ein Mensch sich basierend auf seiner biografischen Entwicklung in Auseinandersetzung mit seiner sozialen Umwelt verhält und wahrnimmt
  • Die eigene Identität ist daher kein starres Konstrukt, sondern bildet sich in der Interaktion mit dem sozialen Umfeld und in Bezug auf die kulturellen Erfahrungen
  • Identität wird gebildet, indem ein Mensch in einigen Punkten die Werte und Prinzipien der Umwelt annimmt und sich in anderen Fällen bewusst abgrenzt
  • Um seine eigene Identität zu finden, ist es wichtig, sich selbst in seiner Ganzheit zu kennen, zu wissen, was man möchte oder auch für seine eigenen Vorstellungen einzustehen
  • Ein Mensch wird seine Identität hinterfragen, wenn bisher bekannte soziale Kontakte bzw. Gruppenzugehörigkeiten verloren gehen, weil sie mit den eigenen Vorstellungen nicht mehr zusammenpassen
  • Wird die vom Ich erlebte innere Einheit zerstört, gerät es in eine Identitätskrise

Identitätskrise der Ich-Erzählerin

  • Am Verhalten der Ich-Erzählerin ist zu erkennen, dass sie noch auf der Suche nach ihrer eigenen Identität ist
  • Sie wirkt immer wieder hin- und hergerissen zwischen ihrer freiheitsliebenden Künstler-Clique und dem eher traditionell denkenden Stein
  • Ihr innerer Zwiespalt spiegelt sich auch in ihrer Wohnsituation wieder; während ihre Künstler-Freunde in WGs wohnen oder ihr Geld sorglos in heruntergekommene Ferienhäuser und Drogen stecken, lebt die Ich-Erzählerin in einer eigenen Wohnung und scheint finanziell abgesichert zu sein
  • Vor allem aber in ihrer Beziehung zu Stein lässt sich die Identitätskrise der Ich-Erzählerin ablesen: Einerseits fühlt sie sich zu ihm hingezogen, sucht seine Nähe und reagiert eifersüchtig, als er aus Trotz mit ihren Freundinnen etwas anfängt, andererseits kann sie sich nicht auf ihn und seinen gemeinsamen Lebensplan einlassen. Entsprechend der leichtlebigen Boheme-Atmosphäre der Nachwendezeit in Berlin-Kreuzberg lehnt sie traditionelle Beziehungen und das klassische Leben mit Ehe, Kind und Haus ab
  • Weil sie selbst noch nicht weiß, was sie will, wer sie ist und wo ihr Leben hingehen soll, verschiebt sie alle Entscheidungen immer wieder auf später; eben wie im Titel angedeutet auch die Frage danach, ob sie mit Stein zusammen doch in das Haus ziehen soll, zu dem sie die Schlüssel ja schon hat

Identitätsfindung von Stein

  • Stein wirkt wie ein Art Gegenentwurf zur Künstler-Clique
  • Während diese das Leben auf dem Land als spießig abtun und absichtlich die Ruhe der Einheimischen mit ihren Drogen-Partys stören, sucht Stein genau dieses Dasein: Er will unbedingt ein Haus auf dem Land kaufen, in dem er zusammen mit der Ich-Erzählerin eine Zukunft aufbauen kann
  • Trotz aller Lästereien der Clique und des Unverständnisses seiner Angebeteten verfolgt Stein seinen Traum vom eigenen Haus zielstrebig, arbeitet dafür als Taxi-Fahrer, spart sich die Miete, indem er im Auto und bei Bekannten wohnt, und gibt für sein Haus am Ende sogar eine immense Geldsumme aus
  • Genauso ehrgeizig und unbeirrbar verfolgt er seinen Wunsch, mit der Ich-Erzählerin in einer richtigen Beziehung zu leben; um ihr Herz zu gewinnen, gibt er sich immer wieder mit der Künstler-Clique ab, passt sich teilweise deren Verhalten an und bietet der Ich-Erzählerin sogar an, für die Clique ein Billardzimmer und ein Raucherzimmer einzurichten in seinem Haus (Vgl. S. 150)

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