Erzählweise
Sprachlicher Stil
- Der Sprachstil von Christoph Hein ist zunächst sachlich, nüchtern, beharrlich und ruhig, verändert sich jedoch zur Mitte des Romans: Spätestens ab Kapitel 14 hat die wütende Gemütslage Richards auch Auswirkungen auf den verwendeten Sprachstil (S. 114 f.)
- Der Wechsel des Sprachstils ist darin zu begründen, dass sich die einst perfekt scheinende Familie in einem plötzlichen Ausnahmezustand befindet
- In außerordentlich präziser und realistischer Weise wird der Leser in die Handlung eingeführt; es findet eine starke Verbildlichung statt
- Zunächst erhält man einen detaillierten Einblick in die einfache bürgerliche Wohnsituation und Milieudeterminiertheit der Zureks (S. 7 ff.)
- Der monotone, geregelte und sich beinahe jeden Tag wiederholende Alltag der Zureks korrespondiert mit der Sprache und wird zeitlich genau beschrieben (S. 7, 135, 145 ff.)
- Richard Zureks Genauigkeit und Disziplin, die im Umgang mit der Aufarbeit der Tatgeschehnissen um seinen Sohn sehr charakteristisch für ihn sind, stehen ebenfalls analog zum verwendeten Sprachstil Heins (z. B. der penible Umgang mit Zeitschriften, Akten und gesammelten Mappen S. 116 ff.)
- ständiger Perspektivenwechsel (personaler Erzähler; Christins Monolog) der agierenden Figuren und unterschiedliche Beschreibungen Olivers als „Terrorist“ (S. 42), aber auch Opfer (S. 56 ff.)
- Hein verwendet zahlreiche (Bildungs-)Begriffe aus dem Wortfeld Staat und Demokratie („Gewaltmonopol des Staates (...) Übereinkunft der Menschen“ S. 78, „Volkskrieg“, „Imperialismus“ S. 83 usw.)
Erzählperspektive
auktorialer Erzähler
- sachliche und informative Beschreibung der Handlung
- nicht (be-)wertend
- gibt einen Gesamtüberblick über die Handlung
- berichtet aus der sogenannten Vogelperspektive
- schildert die Außenwelt der Figuren (nicht die Innenwelt eines einzelnen Protagonisten)
personaler Erzähler
- oft aus der Sicht Richards oder Friederike
- beschreibt die Innenwelt des Protagonisten (Gedanken, Gefühle, Ängste, Wünsche etc.)
- erzählt in der 3. Person
- nicht allwissend
- bewirkt das Mitfühlen des Lesers und eine mögliche Identifikation der Person