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Die Schwester

Gregors 17-jährige Schwester Grete ist ihm laut eigener Aussage am nächsten. Sie wünscht sich inniglich, ein Konservatorium zu besuchen; diesen Wunsch will ihr Gregor unbedingt erfüllen. Die Nähe, die zwischen beiden besteht, zeigt sich bereits daran, dass sie am Morgen seiner Verwandlung weint, weil er sein Zimmer nicht verlässt, obwohl sie noch nichts von seinem verwandelten Aussehen weiß. Schon am darauffolgenden Tag stellt sie ihm eine Schüssel Milch ins Zimmer und übernimmt auch danach seine Fütterung und Pflege. Das junge Mädchen, das die Familie zuvor für nutzlos gehalten hat (vgl. S. 37), wird nun zu einem wichtigen und emanzipierten Mitglied der Familie. Sie ist das Bindeglied zwischen Gregor und den Eltern und wacht hierüber eifersüchtig, sie weint sogar, als die Mutter Gregors Zimmer säubert, obwohl sie selbst zu dieser Zeit dessen Pflege vernachlässigt. Gregors Schwäche durch seinen neuen Zustand ist ihre Chance, im Ansehen der Familie aufzusteigen und eine neue Stellung in dieser zu gewinnen. Dass sie niemand anderem erlaubt, Gregor zu pflegen, ist also keineswegs eine uneigennützige Einstellung. Sie nutzt Gregors Zustand aus. Auch zeigt sie trotz ihrer Rolle Abscheu vor Gregor, so erschrickt sie zum Beispiel, als sie ihn am Fenster erblickt und schließt ab, nachdem sie ihm Essen gebracht hat. Auch verliert sie nach und nach das Interesse am Wohlergehen Gregors, überprüft kaum noch, ob Gregor gegessen hat oder nicht und lässt sein Zimmer verkommen.
Die Schwester entwickelt sich neben Gregor am stärksten im Laufe der Handlung. Ist sie anfangs noch gewissermaßen seine Hoffnung und der einzige Mensch, der sein Zimmer betritt, distanziert sie sich immer mehr von ihm und ist auch diejenige, die den Käfer am Ende alle Menschlichkeit abspricht: „Du mußt bloß den Gedanken loszuwerden suchen, daß es Gregor ist. Daß wir es solange geglaubt haben, das ist ja unser eigentliches Unglück.“ (S. 64) Sie verdrängt Gregor damit und zeigt sich gleich stark wie der Vater, der ihre Meinung akzeptiert. Durch Gregors Verwandlung reift sie vom Violine spielenden, „etwas nutzlose[n] Mädchen“ (S. 40) zu einer selbstbewussten Person, die mit dem Vater eine bestimmende Rolle in der Familie einnimmt. Nach Gregors Tod beschließen ihre Eltern, dass es nun Zeit sei, sie zu verheiraten, womit sie ihren Reifeprozess bestätigen. Ihr Wandel von der wichtigsten Person in Gregors Leben zu einer für damalige Verhältnisse emanzipierten Frau ist fatal für Gregor.

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