Realität und Wunsch
Die Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität wird in Das Haus in der Dorotheenstraße besonders deutlich an der Ehe der Klausens veranschaulicht. Wir stellen im Folgenden die Vorstellungen des Ehepaars der Realität einander gegenüber und bilden anschließend in einem Fazit eine Schlussfolgerung.
FAZIT
Starke Abweichung von Realität und Wunsch der Eheleute Klausen, Gottfrieds und Xenias Wunschvorstellungen korrelieren miteinander, die Kommunikation scheitert an den Faktoren Resignation, Schweigen und Verdrängung, das zunehmende Leugnen der Realität mündet in der Katastrophe
Wunsch
- Zu Beginn der Erzählung wird geschildert, dass die Klausens überlegten, „ob es nicht vernünftig wäre, das Grundstück [in der Dorotheenstraße] zu erwerben“ (S. 74, Z. 1f). Sie bewohnen das alte Haus bereits seit Jahren und auch wenn „der Putz breitflächig abgebröckelt war“ (S. 74, Z. 4), „wirkte [die Villa] auf moderne Weise elegant“ (S. 74, Z. 6f)
- Insbesondere Xenia möchte gerne „fürs Erste [...] in dem Haus an der Dorotheenstraße wohnen bleiben“ (S. 75, Z. 3ff). Sie hat sich hier über die vergangenen Jahre eingelebt, möglicherweise bereits Zeit und Kraft in die Renovierung des Hauses investiert und könnte sich vorstellen, in Kohlhasenbrück alt zu werden
- In Gottfried Klausens Vorstellung würde Xenia idealerweise mit ihm nach London ziehen. Er „habe auch schon etwas in Aussicht“ (S. 80, Z. 2f), meint der Ehemann, und zwar „drei Zimmer in der Gower Street“ (S. 80, Z. 4f). „Man verabredet [...], die Wohnung, [...] anzusehen“ (S. 80, Z. 19ff) und der Plan sieht vor, dass Xenia ihren Mann in London besuchen kommt (S. 80f)
- Der Protagonist verspürt nach seinem Besuch im Theater (S. 78) das Bedürfnis, seine Frau anzurufen und beruhigt sich selbst anschließend, nachdem sie nicht ans Telefon geht damit, dass „sie [es] nicht hört, wenn sie in einem anderen Zimmer ist“ (S. 78, Z. 14f). Der Ehemann verlangt auch keine weitere Erklärung, als seine Frau am nächsten Tag anruft, ohne auf seine Anrufversuche des Abends zuvor einzugehen
Realität
- Die ursprüngliche Idee, das Haus in der Dorotheenstraße zu kaufen, löst sich in Luft auf, als der Korrespondent Klausen Kunde darüber erhält, nach London versetzt zu werden (S. 75)
- Gottfried wünscht sich zwar, dass seine Frau ihn nach London begleitet, jedoch entspricht dies nicht ihrer Vorstellung einer glücklichen Zukunft. Die Ehefrau äußert ihre Skepsis gegenüber dem Umzug nach England darin, indem sie auf Distanz geht und scheinbar auch ohne ihren Ehemann in Kohlhasenbrück zu beschäftigt ist, um ans Telefon zu gehen (S. 78) sowie auf die Umzugspläne Gottfrieds „zögerlich“ (S. 80, Z. 13) reagiert
- Obwohl Xenia zunächst einwilligt, ihren Mann in London zu besuchen, erweist sich diese Abmachung als leeres Versprechen und sie versetzt Klausen am Londoner Flughafen Heathtrow (S. 81f), ohne eine Erklärung für ihr Abbleiben zu geben
- Als der Protagonist daraufhin versucht, seine Frau zu erreichen, meldet sich am Handy seiner Frau anstelle von Xenia, eine Männerstimme, die Gottfried derart aus der Fassung bringt, dass er umgehend auflegt (S. 82). Auch dieser fragwürdige Zwischenfall, der das Vertrauen des Ehemanns in seine Gattin infrage stellt, wird nicht aufgeklärt. Stattdessen gibt sich Klausen selbst die Schuld für das Nicht-Erscheinen seiner Frau und nimmt sich vor, selbst nach Berlin zu reisen
- Bei dem erneuten Versuch, mit Xenia zu sprechen, nimmt abermals die Männerstimme ab und erkundigt sich nach dem Grund für Gottfrieds Anruf. Im Hintergrund lacht seine Frau, auf deren Rückruf er anschließend vergeblich wartet (S. 86)
- Klausen sieht ein, dass ihm Xenia fremdgeht und mit der Erkenntnis stellt sich ihm ebenfalls die Frage, ob seine „Frau [ihn] vielleicht schon seit Jahren“ betrügt. Was nun folgt, ist der harte Aufprall in der Realität: Nachdem der Korrespondent die Kontrolle über sein Privatleben verliert, beginnt ebenfalls sein Arbeitsleben aus den Fugen zu geraten, „er begann, fahrig zu werden“ (S. 90, Z. 3) und es fällt ihm schwer, „sich zu orientieren“ (S. 90, Z. 20)
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