Kontext und Einordnung
Der Roman Der Steppenwolf erschien erstmals 1927 und begründet neben der Erzählung Siddhartha den Weltruhm Hermann Hesses.
Abb. 1: *1877 - †1962.
Diese löste in ihm eine intensive Auseinandersetzung mit der fernöstlichen Weisheitslehre aus. Wenig später aber stürzte ihn der erste Weltkrieg, eine schwere Hirnhautentzündung seines jüngsten Sohnens und eine Ehekrise mit seiner schizophrenen ersten Ehefrau Maria Bernoulli in eine weitere Depression. Daraufhin begab er sich in eine psychoanalytische Behandlung in Luzern. Diese half ihm, seine inneren Konflikte zu lösen und wurde zu einem Wendepunkt in Hesses bis dahin melancholischen Leben. Dies schlug sich auch in seiner literarischen Arbeit nieder. In den nächsten Jahrzehnten veröffentlichte der Autor seine berühmtesten Werke, erhielt 1946 sogar den Nobelpreis für Literatur. In Deutschland aber liefen Pressekampagnen gegen den Pazifisten. Am 9. August 1962 starb Hesse schließlich im Tessin.
Hesses Erzählung Der Steppenwolf kann nicht eindeutig einer bestimmten literarischen Epoche zugeordnet werden. Teile seines Werkes entsprechen den Prinzipien des Expressionismus. Andere wiederum passen mehr zur Neuen Sachlichkeit. Am zutreffendsten mag aber der Begriff Neuromantik sein. Dieser benennt den Rückgriff auf symbolische Beschreibungen und romantische Motive, vor allem die Natur als Gegenelement zur neuen, technisierten Lebensform.
Der Steppenwolf wurde keine zehn Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges veröffentlicht. Die Gesellschaft war in der damaligen Zeit vom Umbruch nach dem Krieg geprägt. Es herrschte Orientierungslosigkeit, der Krieg hatte viele Fragen aufgeworfen. Außerdem fühlten viele Menschen eine Zerrissenheit was Politik, Kultur und Technik anbelangt. Immer mehr entwickelte sich die Gesellschaft hin zu einer anonymen Massengesellschaft und einer technisch-rationalisierten Zivilisation. Auch die Bedrohung eines neuen Krieges schwebte immer über allem.
Vor allem in literarischen Kreisen wurde Der Steppenwolf daher mit Begeisterung angenommen. Beim breiten Publikum allerdings fand der Roman mit seiner gesellschaftskritischen Warnung keine allzu große Ressonanz. Erst weit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Der Steppenwolf in den 60er-Jahren zu einem Art Kultbuch der jüngeren Generation, die Neuorientierung suchte und sich verstanden fühlte.
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Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw bei Stuttgart als Sohn einer christlichen Missionarsfamilie geboren. Sein Leben war daher einerseits von seinem internationalen Umfeld, andererseits von Frömmigkeit geprägt. Die Theologenlaufbahn brach Hesse nach wenigen Monaten ab und floh, um Dichter zu werden. Der erst 15-Jährige wurde daraufhin von seinen Eltern in eine Heilanstalt geschickt, in der er einen Selbstmordversuch unternahm. Nach vier Monaten in einer Nervenheilanstalt besuchte Hesse das Cannstatter Gymnasium. 1898 beendete er schließlich eine Lehre zum Buchhändler und veröffentlichte sein erstes Werk Romantische Lieder. In den kommenden Jahren besserte er sich mit literarischen Arbeiten sein kleines Gehalt auf und konnte sich so 1911 eine Reise nach Indien finanzieren.

https://goo.gl/Ko16HJ - Hermann Hesse, Unknown, CC BY-SA 3.0 NL.