Drittes Kapitel
Im dritten Kapitel berichtet der Ich-Erzähler von seinen ersten beiden Monaten in Marseille. Dort fand er erst einen Freund in Georg Binnet, dann eine Geliebte und traf alte Lagerkollegen wieder. Während alle ihre Abfahrt zu planen scheinen, will er in Marseille heimisch werden.
Erster Abschnitt
Infos
- Seite: 55 - 61
- Zeit: Herbst 1940
- Ort: Marseille
Inhalt
- Der Ich-Erzähler erwachte Mitten in der Nacht und schickte eine Brief an Yvonne los, dass er noch einen Sauf-conduit brauche
- Ungeduldig wartete er auf den Tag, um die Stadt kennenzulernen
- Im Hotel waren die spanischen Frauen, die nachts abreisen wollte, wieder fluchend zurück und die Männer verhaftet
- Gemeinsam mit ihnen zog er samt den Papieren des Toten los zum mexikanischen Konsulat
- Obwohl er als scheinbar Einziger bleiben wollte, dachte sich der Erzähler, dass er eine Ausreise schaffen könnte
- Beim Anblick des mexikanischen Wappens am Konsulat ergriff ihn schmerzlich freudiges Fernweh
- Er stellte fest, dass jede Schicht Menschen auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit war
- Nachdem er sich mit Hinweis auf Weidel vorgestellt hatte, wurde der Erzähler direkt zum Konsulatskanzler gebracht
- Obwohl er den Konsulatskanzler zuerst über die Sache Weidel aufklären wollte, tat der Erzähler dies nicht, sondern gab sich schließlich selbst als Weidel aus. Dieser aber müsse erst seine Identität von Freunden bezeugen lassen vor der mexikanischen Regierung, bevor sein Visum ausgestellt werden könne. Mit dieser Info zog der Erzähler ab
Zweiter Abschnitt
Infos
- Seite: 61 - 66
- Zeit: Herbst 1940
- Ort: Marseille
Inhalt
- Zurück im Hotel hing der Erzähler einsam im Zimmer seinen Gedanken nach. Er erkannte, dass er nicht ein drittes Mal eingesperrt werden wollte. Aber aktuell weder Visum, noch Transit, noch Aufenthaltsrecht hatte
- Der Erzähler spricht den Leser an, dass er ihn nicht wieder mit Binnets langweilen wolle, aber es wichtig sei
- Er ging wieder zu Georg Binnet, der ihn als erster Mensch nicht nach seinen Ausreise-Plänen fragte
- Georg musste mit seiner Firma nach Marseille, wo diese ihn später im Stich gelassen hatte; trotzdem lebte er glücklich mit seiner Freundin und deren Sohn
- Der Erzähler wurde zum Abendessen eingeladen und freute sich über diese Geborgenheit
- Am Abend im Hotel ging der Erzähler ins Nebenzimmer, wo riesiger Lärm herrschte. Um nicht allein zu sein, setzte er sich zu den trinkenden und spielenden Fremdenlegionären und trank mit
- Betrunken erfuhr der Erzähler, dass die Männer nach Deutschland wollten; nur ein kleiner Mann erzählte ihm, dass er in andere Richtung fahren werde
- Ebendieser Mann brachte den betrunkenen Erzähler in sein Bett
Dritter Abschnitt
Infos
- Seite: 66 - 67
- Zeit: Herbst 1940
- Ort: Marseille
Inhalt
- Gegen Ende der Woche zerrte der kleine, hilfsbereite Legionär den Erzähler wegen einer Razzia aus dem Bett, versteckte ihn auf dem Dachboden und legte sich mit seinen eigenen Papieren in das Bett des Erzählers
- Auf dem Dach blickte der Erzähler über die Stadt und stellte fest, dass kaum Schiffe im Hafen lagen, um die Menschen in die Freiheit zu bringen
- Als die Polizisten abgefahren waren, kletterte er wieder in sein Zimmer und sah nebenan die weinende Frau eines abgeführten Mannes
- Die Personen um sie herum konnten sie nicht trösten; ihr Schicksal hatte genau so schon viele ereilt
- Der Erzähler wollte gar nicht verstehen, was sie alle sprachen, weil es ihm unsinnig erschien
Vierter Abschnitt
Infos
- Seite: 67 - 70
- Zeit: Herbst 1940
- Ort: Marseille
Inhalt
- Der Erzähler hatte von Yvonne ein Sauf-conduit bekommen, mit dem er sich beim Amt gemeldet hatte
- Seine vier Wochen Aufenthaltsrecht kamen ihm lang vor und er war fast glücklich
- Allein setzte er sich in eine Pizzeria am Hafen, beobachtete die auf Schiffe wartenden Menschen und dachte über den Rand der alten Welt nach, der direkt vor ihm lag
- Er stellte fest, dass die einzig wichtige Frage für ihn war, auf welchen Stuhl er sitzen sollte, wenn er sein Stück Pizza aß und einen Roséwein trank
- Danach besuchte er die Binnets, bekam etwas zu essen, während er für den Jungen etwas schnitzte
- Das scheinbar normale Leben fühlte sich gut an, gleichzeitig wusste er, dass er nie wieder normal leben würde
- Er lernte eine Freundin von Georg kennen und verliebte sich sofort in die schöne Nadine. Jeden Abend ging er mit ihr in ihr teures Lieblingscafé und dann auf ihr oder sein Zimmer
- Georg Binnet und er hatten viel Spaß mit ihren Frauen, diese aber konnten sich nicht leiden
Fünfter Abschnitt
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- Seite: 70 - 73
- Zeit: Winter 1940
- Ort: Marseille
Inhalt
- Der Monat, für den der Erzähler eine Aufenthaltsgenehmigung hatte, war zu Ende
- Obwohl er sich heimisch fühlte, wurde er aufgefordert, Marseille zu verlassen, da er keine Aussicht auf ein Visum für eine Abreise hatte
- Der Ich-Erzähler erkannte, dass er doch nicht eingemeindet war und seine Zeit schlecht genutzt hatte
- Man sagte ihm, dass er nur mit einer Bescheinigung eines Konsulats, dass er auf Abfahrtspapiere warte, bleiben könne
- Spontan ging er zum mexikanischen Konsulat, wo er ohne weiteres eine Bescheinigung bekam. Mit dieser wurde ihm ein weiterer Monat Verlängerung in Marseille gewährt
- Der Erzähler wollte seine Zeit diesmal besser nutzen, fand aber keinen Anhaltspunkt
- Nur die Liebschaft mit Nadine beendete er unter einem Vorwand und auch sie fand eine Ausrede für die Treffen
Sechster Abschnitt
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- Seite: 73 - 78
- Zeit: Winter 1940
- Ort: Marseille
Inhalt
- Das Geld war dem Erzähler langsam ausgegangen, doch er fühlte sich zufrieden, denn er war frei, noch am Leben und hatte sein Zimmer für einen Monat bezahlt
- Er beobachtete die Flüchtlinge, deren Hoffnung auf eine Schiff-Flucht immer wieder zerstört wurde
- Der Ich-Erzähler hatte das Gefühl, dass er mit genug Geduld den Tod überleben könnte
- Zufällig traf er den Kapellmeister wieder, dessen Visa de sortie zu spät kam, sodass er für die Verlängerung des Visums wieder den Beleg seiner neuen Arbeitsstelle brauchte und zwar innerhalb eines Monats. Als dieser meinte, das würde ihm auch noch blühen, verneinte der Erzähler
- Erschöpft sinnierte der Erzähler im Café vor sich hin und überlegte plötzlich, dass es vielleicht doch richtig wäre, auf ein Schiff zu steigen
- Am Hafen traf er seinen alten Lagerkollegen Paulchen. Dieser begrüßte ihn genervt und klagte sein Leid, dass er ausgewiesen wurde und kein Visa de sortie bekam. Der Erzähler lachte nur, er solle doch einfach neu einreisen, woraufhin Paulchen ernüchtert erklärte, dass das nicht ginge, er aber mächtige Freunde habe
- Der Erzähler erinnerte sich an das letzte Treffen in Paris und dass er durch Zufall den angesehenen Namen Weidel hatte annehmen können
- Im Gespräch stellte der Erzähler fest, dass Paul über Weidel nur schlecht dachte und nicht einmal wusste, dass er tot war und ursprünglich nicht Weidel, sondern Seidler hieß
- Der Erzähler wunderte sich über die eigentliche Dummheit von Paul und nutzte diese geschickt aus, sodass Paul sich mit seinem bisschen Verstand und der Freundschaft zu mächtigen Menschen für die Ausreise von Weidel einsetzte
- Außerdem erkundigte sich der Erzähler über Weidels Frau und erfuhr, dass Paul von ihr nicht begeistert war
Siebter Abschnitt
Infos
- Seite: 79 - 82
- Zeit: Winter 1940
- Ort: Marseille
Inhalt
- Zurück im Hotel erfuhr der Erzähler, dass wieder eine Razzia war und seine Zimmernachbarin verhaftet wurde, weil sie nach der Verhaftung ihres Mannes ohne männliche Begleitung war
- Er fragte sich, ob die Wirtin gemeinsame Sache mit der Polizei macht, um Provision zu kassieren
- Auf Pauls Rat hin versuchte der Erzähler bei verschiedenen Komitees Geld zu bekommen, stellte aber bald fest, dass er nur Unterstützung bekam, wenn er sich als Abfahrtsbereiten ausgab
- Mit dem Geld konnte er seine zweiten Monat in Marseille bezahlen und Binnets Stiefsohn sogar Bücher kaufen
- Als der Monat sich dem Ende zu neigte, wollte er auf dem mexikanischen Konsulat wieder eine Bescheinigung für die Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung besorgen. Damit er die Zeit in Marseille überbrücken könnte, bis er im Frühjahr zu Marcel Binnet auf die Farm des Onkels konnte
- Das Konsulat war wegen Umzug geschlossen. Davor standen hilflose Menschen, unter ihnen ein alter Mann, der bereits Frau und Kinder verloren hatte und es sinnlos fand, sich auf einem neuen Konsulat weiter herumzuschlagen, woraufhin der Erzähler ihm zustimmte
Achter Abschnitt
Infos
- Seite: 82 - 87
- Zeit: Winter 1940
- Ort: Marseille
Inhalt
- Auf dem Rückweg vom Konsulat traf der Erzähler zufällig seinen alten Lagerkollegen Heinz, der noch schwächer und gebrechlicher aussah mit seinen Krücken
- Der Erzähler erinnerte sich, dass er immer Heinz' Blick auf sich ziehen wollte, weil das helle Leuchten in dessen Augen ihm ein gutes Gefühl gegeben hatten. Ansonsten hatten die beiden nichts gemeinsam; der Erzähler hielt damals nichts von Heinz' Werten wie Treue, Zuverlässigkeit und Glauben
- Der Erzähler hatte auf seiner Reise bis Marseille immer wieder unbewusst nach Heinz Ausschau gehalten; dort aber hatte er ihn vergessen, gerade weil er ihm wichtig war
- Als Heinz ihn jetzt anblickte, erkannte der Erzähler, was dessen Blick sah: dass er noch da war und all das Elend überlebt hatte
- Heinz erzählte ihm, dass er von Freunden vor den deutschen Truppen weggetragen und von einem Fischer nach Marseille gebracht worden sei, wo er ein Visum habe und nur noch zum mexikanischen Konsulat müsse
- Auch Heinz hatte unterwegs an den Erzähler gedacht, der immer so unruhig gewesen war
- Der Erzähler berichtete ihm, dass er bleiben wolle, um zu sehen, wie alles ausgeht
- Er bat Heinz an, ihm zu helfen. Dieser sagte ihm, dass er sicher wisse, dass der Erzähler ihm immer helfen würde. Aber er hatte alles, sogar einen Entlassungsschein aus dem Lager
- Heinz gab dem Erzähler einen übrigen Blanko-Entlassungsschein ab, damit dieser sich auch einen ausfüllen konnte
- Als er Heinz um ein Wiedersehen bat, wurde dem Erzähler plötzlich klar, wie schlecht es um Heinz stand und dass es ebenso schlecht um sein Leben stand, das durch den Krieg, die Flucht und die verlorene Jugend daneben ging
- Obwohl er sich auf das nächste Treffen mit Heinz gefreut hatte, ging er nicht hin