Sekretär Wurm
Wurm ist ein Charakter mit einem sprechenden Namen, der seinem kriecherischen und verdorbenem Wesen entspricht. Der als hässlich beschriebene bürgerliche Sekretär hat eine kriminelle Vergangenheit. Trotz seiner Anstellung am Hofe hat Wurm nicht alle bürgerliche Moral abgelegt: Ausdrücklich will er Luise unberührt, von der adeligen promisken (= sexuell freizügigen) Lebensweise hält er nichts. Jedoch ist Wurm alles andere als ein moralischer Charakter - als Vorbild für Wurm dienten Schiller sicherlich die Schurken bei Shakespeare. Wie ein Shakespeare‘scher Schurke arbeitet Wurm im Hintergrund an einer Intrige und benutzt dabei rücksichtslos die Interessen seiner Umgebung. Er legt die Schwächen der Menschen um ihn herum offen, um seine Ziele zu verwirklichen. So bereitet er dem Präsidenten Angst um sein Erbe und seinen Einfluss, um diesen zum Handeln gegen die Beziehung seines Sohnes zu bewegen - letztlich mit der Absicht, Luise selbst zu gewinnen, da Miller ihm hierbei nicht helfen will. Auch Ferdinands Ängste (vor dem Betrug durch Luise) nutzt er schamlos aus. Wurm ist der eigentliche Urheber der Intrige, ein heimtückischer Bösewicht im Hintergrund, doch am Ende akzeptiert er nur eine Teilschuld. Mit Wurm zeigt uns Schiller einen ganz und gar schlechten Menschen, der die Abhängigkeitsverhältnisse und das Machtgefüge im Herzogtum ausnutzt. Als schwachem, heuchlerischem Charakter bleibt ihm nur die Kabale. Dabei ist fraglich, wie sehr er Luise überhaupt lieben kann, erpresst er sie doch ohne ein Zeichen von Scham (vgl. S. 73-74).