Lerninhalte in Deutsch
Abi-Aufgaben LF
Lektürehilfen
Lektüren
Basiswissen
Inhaltsverzeichnis

Der Erzähler

Bei dem Erzähler handelt es sich nicht um den Autor, sondern er erhält in diesem Zuge eine eigene Rolle, da er ebenso seine Ansichten und Gedanken mitteilt wie die übrigen Figuren in der Novelle. Allerdings befindet sich der Erzähler nicht in, sondern außerhalb der Handlung und nimmt somit eine beobachtende Perspektive ein.

Infos zur Person

  • Die zeitliche und räumliche Dimension, in welcher sich der Erzähler befindet, ist eine andere als die, in der sich das Schicksal des Ehepaars Klausen abspielt
  • Da der Standpunkt, von welchem aus der Erzähler die Handlung beschreibt, durch die Geschichte hindurch immer wieder wechselt, ändert sich entsprechend auch die Bezeichnung des Erzählers, je nach eingenommener Perspektive. Der perspektivische Wechsel des Erzählers ist typisch für die Gattung der literarischen Moderne

Charakter

  • Der neutrale Erzähler: Die Novelle beginnt, indem der Erzähler den Leser auf neutrale Art und Weise an das Geschehen heranführt. Er nimmt hierzu eine Vogelperspektive ein, aus welcher er zunächst die Gegend um den Ort Kohlhasenbrück, dann das Örtchen selbst und schließlich Das Haus in der Dorotheenstraße und dessen Bewohner Herr und Frau Klausen näher beschreibt (S. 73ff). Generell taucht diese Art des Erzählers immer auf, wenn es um das reine Mitteilen von faktischen Hintergrundinformationen geht. Der neutrale Erzähler wertet nicht und übt aufgrund dessen von allen Erzählern auch den geringsten Einfluss auf den Leser aus
  • Der auktoriale Erzähler: Dieser Erzählertyp ist der prominenteste in der Novelle. Aus der auktorialen Erzählperspektive wird der Blickwinkel, aus welchem der Erzähler das Geschehen betrachtet, Außenperspektive genannt und kann auch als heterodiegetisch bezeichnet werden. Dies bedeutet, dass der Erzähler nicht zur Welt des erzählten Handlungsstrangs dazugehört, sondern ihr übergeordnet ist. Eines der prägnantesten Merkmale des auktorialen Erzählers ist der allwissende Charakter, welcher sich besonders darin bemerkbar macht, dass etwa das Ende der Erzählung offengehalten wird (S. 93) und der Leser über die letztendlichen Umstände nur spekulieren kann. Dass der Erzähler sich jedoch dagegen entscheidet, das Publikum aufzuklären, zeigt, dass er über Wissen verfügt, welches für uns nicht zugänglich ist. Außerdem kommentiert der auktoriale Erzähler hin und wieder das Geschehen von außen. Als Klausen Xenia telefonisch nicht erreicht und anschließend einschläft, merkt der Erzähler beispielsweise an, es wäre [...] möglich, dass sich zwei Welten, die zusammengehören, für Augenblicke nicht mehr berühren (S. 79, Z. 16ff)
  • Der personale Erzähler: Diese dritte Erzählperspektive dominiert in den Kapiteln 2-5, als der Protagonist sich in London befindet und dort das Theaterstück Othello ansieht (S. 77f), an der Themse im Regen steht (S. 76f), am Flughafen auf seine Frau wartet (S. 81f) mit Xenia telefoniert (S. 80f) oder versucht, sie zu erreichen (S. 82, 86). Der personale Erzähler hebt die Distanz, welche der auktoriale Erzähler bewusst zwischen sich und dem Leser schafft, wieder auf. Durch diese Erzählform kann der Fokus der Handlung verstärkt auf eine bestimmte Person gerichtet werden, also im Fall von Das Haus in der Dorotheenstraße auf Gottfried Klausen. Zwar unterscheidet sich der personale Erzähler nochmals vom Ich-Erzähler, welcher in der vorliegenden Novelle nicht existiert, jedoch schafft er stets eine Nähe zwischen sich und der Person, die im Fokus steht. Man könnte die These aufstellen, dass die auktoriale Erzählperspektive mehrdimensional ist, während die personale Erzählweise eindimensional bleibt. Die Handlung wird nur aus der Sicht einer Person wahrgenommen

Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!

monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?