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Nacht

In der ersten Szene lernt der Leser das Innenleben des Gelehrten kennen: In einem beengten Zimmer des späten Mittelalters zieht der Gelehrte Doktor Faust Résumé über sein Leben - und kommt zum ernüchternden Ergebnis:
Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor
(Sz. 1, Z. 6-11)
Faust hat sich jedes akademische Wissensgebiet angeeignet, muss jetzt aber feststellen, dass ihn dieses Wissen nicht zur erhofften Erkenntnis gebracht hat - er zweifelt also an der Sinnhaftigkeit all seiner früheren Tätigkeiten. Der erfolgreiche Wissenschaftler ist zum melancholischen Zweifler geworden.
Um nun zu erkennen, was „die Welt im Innersten zusammenhält“ (Sz. 1, Z. 34f.), wendet er sich daher der schwarzen Magie zu: „Es möchte kein Hund so länger leben! / Drum hab ich mich der Magie ergeben“ (Sz. 1, Z. 28f.).
Faust beschwört den Erdgeist herauf (womöglich eine Figur, die die wirkende Natur der Erde symbolisiert), um von ihm die Wahrheit über den Zweck und die Ursache der Welt zu erfahren, doch er erhält von ihm eine Absage: „Du gleichst dem Geist den du begreifst, / Nicht mir [dem Erdgeist]!“ (Sz. 1, Z. 196f.). Als daraufhin sein Gehilfe Wagner zu ihm kommt und sich die beiden unterhalten, wird Faust seine verzweifelte Lage noch deutlicher bewusst, denn Wagner demonstriert, wie jemand nur durch Buchwissen nicht zur Weisheit, geschweige denn zur Wahrheit gelangen kann.
Durch seine rast- wie hoffnungslose Suche nach der Erkenntnis des Kosmos zutiefst unglücklich mit seinem Leben, will Faust sich umbringen: „Der letzte Trunk sei nun, mit ganzer Seele, / Als festlich hoher Gruß, dem Morgen zugebracht!“ (Sz. 1, Z. 465f.). Als er gerade den Becher ansetzen und austrinken will, ertönen die Glocken zum Osterfest. Der Chorgesang, der bei Faust Erinnerungen an seine Kindheit weckt, hält Faust vom Selbstmord ab: „Welch tiefes Summen, welch ein heller Ton, Zieht mit Gewalt das Glas von meinem Munde?“ (Sz. 1, Z. 479 f.) - schließlich symbolisiert das Osterfest die Wiederauferstehung und gibt Faust Hoffnung, doch noch glücklich zu werden.

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