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Solidarität

Der Roman Transit hat eine große ethische Bedeutung und wird immer wieder als Solidaritätsroman bezeichnet, da Anna Seghers mit ihrem Werk dazu aufrufen wollte, zusammenzustehen und Widerstand zu leisten.

Zusammenhalt vs. Egoismus

  • Im Werk Transit wird klar, dass die Menschen auf der Flucht vor eine Bewährungsprobe gestellt wurden: Sie konnten sich einerseits egoistisch vor der Todesgefahr retten oder sie entschieden sich dazu, die Mitmenschen nicht im Stich zu lassen
  • Seghers ruft durch ihren Ich-Erzähler direkt dazu auf, solidarisch zu bleiben und sogar gemeinsam Widerstand zu leisten: „Ich will jetzt Gutes und Böses hier mit meinen Leuten teilen, Zuflucht und Verfolgung. Ich werde, sobald es zum Widerstand kommt, mit Marcel eine Knarre nehmen. Selbst wenn man mich dann zusammenknallt, kommt es mir vor, man könne mich nicht restlos zum Sterben bringen“ (S. 299) Der Erzähler hat auf seiner Flucht erkannt, dass Solidarität das Einzige ist, worauf es ankommt, und dass er durch dieses ethisch richtige Handeln letztlich etwas Wertvolles hinterlassen kann
  • Im Roman gibt es immer wieder Szenen, in denen die Frage nach Zusammenhalt oder Egoismus bewusst gestellt wird: Etwa als eine Großfamilie auf dem Konsulat entscheiden muss, ob sie ohne die alte, kranke Großmutter abreisen wird; bei der Entscheidung des Erzählers, dass er Heinz die Oran-Passage vermittelt, obwohl er den Arzt mit dieser Passage loswerden wollte, um Maries Herz zu gewinnen
  • Den weitverbreiteten Egoismus der Transitäre, den Anna Seghers selbst miterleben musste, zeigt sie an Geschichten wie der von Paul, welcher von Achselroth bei der Flucht nach Paris im Stich gelassen wurde, oder generell an der unsolidarischen Art der Behördenmitarbeiter oder der Hotel-Chefin des Erzählers, die offenbar die Flüchtlinge an die Polizei verraten hat
  • Der Titel Transit kann als Metapher auf den Egoismus der Menschen gedeutet werden: In der transitären, flüchtigen Welt zieht jeder seiner Wege und lässt seine Mitmenschen im Stich

Motiv der verkehrten Welt

  • Anna Seghers nutzt das Motiv der verkehrten Welt, um die Menschen zu lehren, was wirklich zählt; ähnlich wie im Märchen müssen die Figuren das Richtige tun, um dem Unglück zu entkommen
  • Verkehrte Welt: Während Flüchtlinge im echten Leben nur mit Müh und Not an die Reisedokumente gekommen sind, fliegt dem Ich-Erzähler erst durch Zufall seine falsche Identität zu, später erhält er ohne große Anstrengung eine Passage; anstatt all diese ungewöhnlichen Vorteile für eine Flucht zu nutzen, bleibt der Ich-Erzähler ebenfalls „verkehrt herum“ im besetzten Frankreich
  • Wert der Solidarität erkannt: Am Ende sind es nicht die fliehenden Menschen wie der Arzt, die ihr Glück finden, sondern der Erzähler, denn er hat gelernt, das Richtige zu tun: Er hat sich trotz seiner glücklichen Transit-Lage solidarisch erwiesen
  • Seine guten Taten: Immer wieder unterstützt er die Binnets und beschenkt trotz eigener Armut Claudines Jungen; er nutzt seine falschen Papiere dazu, Marie und dem Arzt zu einer Flucht zu verhelfen; er besorgt dem im Spanienkrieg verwundeten Heinz eine Passage; er erweist sich für seine Mitemigranten als guter Zuhörer und spendet Menschen wie dem Legionär damit Trost und mindert die Einsamkeit

Seghers Selbstverständnis als Autorin

  • Anna Seghers fühlte sich als Autorin verantwortlich, etwas zu tun; sie wollte mit ihren Werken und ihrer Darstellung der Geschichte dazu beitragen, dass die Menschen etwas aus vergangenen Fehlern lernen
  • Der Hitler-Stalin-Pakt aus dem Jahr 1939 gab für Seghers den Anlass, ihren Roman Transit zu schreiben, mit dem sie zu Solidarität aufrufen wollte 
  • Entsprechend ihrer eigenen Einstellung entwarf sie die Figur des Schriftstellers Weidel, der ein Werk über Massenerschießungen in Spanien verfasste

Dank ans mexikanische Konsulat

  • Ihren Roman nutzte Anna Seghers außerdem bewusst dazu, dem mexikanischen Konsulat für die Hilfe für tausende Flüchtlinge zu danken
  • Nicht nur ihr selbst, sondern rund 40.000 Vertriebenen wurde damals Exil in Mexiko gewährt
  • Entsprechend ließ sie den Ich-Erzähler ebenfalls in keinem anderen, als dem mexikanischen Konsulat ein Transit erhalten
  • Während viele andere Länder egoistisch waren und im Hinblick auf eigene Probleme kaum Emigranten aufnehmen wollten, zeigte Mexiko Mitgefühl und Solidarität

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