Erzählweise, Sprache und Stil
In Agnes gibt ein personaler Erzähler, dessen Namen wir nicht wissen, das Geschehen aus seiner Perspektive wieder. Der Roman besitzt eine Ring- oder Zirkelstruktur: das erste Kapitel ist im Präsens geschrieben und E. reflektiert seinen derzeitigen Seelenzustand. Danach folgt die Rückblende, d. h. die eigentliche Erzählung, mit der die Situation des ersten Kapitels erst verständlich wird. Das Buch wird abgeschlossen mit dem Sprung in die Erzählgegenwart. Somit ist der Kreis geschlossen, wir befinden uns wieder in der Ausgangssituation, sowohl inhaltlich als auch zeitlich.
Da die Erzählung als solche sichtbar wird, wird der Schreib- bzw. Erzählakt als Konstrukt thematisiert. Dass auch im Folgenden die Erzählsituation reflektiert wird - E. schreibt mit seinem Roman über Agnes eine Geschichte in der Geschichte -, ist, wenn man so will, typisch für postmoderne Literatur. Die Offenlegung des eigenen Erzählens durch den Erzähler schafft Distanz zur Geschichte und erschwert die Identifikation mit den Figuren. Dazu passt, dass wir wenig Persönliches von den Figuren wissen und dass der Name des Erzählers geheim bleibt.
Auch wenn der Erzählakt als solcher kommentiert wird, bedeutet das nicht, dass auch das Geschehen offenliegt - im Gegenteil. Bei E. handelt es sich um einen unzuverlässigen Erzähler, der jedoch wiederum seine eigene Unzuverlässigkeit zum Thema macht: So ist er erstaunt, wie vieles Agnes und er anders erlebt oder anders in Erinnerung haben (S. 56). Meistens setzt er sich mit seiner Version durch, ohne sich sicher zu sein, ob nicht doch Agnes Recht hat. Als er ihr einmal folgt, weil sie etwas im Terminkalender anders notiert hat, irrt er allerdings: In Kapitel 4 treffen sie sich in einem chinesischen Restaurant, Agnes überzeugt ihn aber davon, dass es ein indisches gewesen sei. Beide Versionen können nicht gleichzeitig richtig sein und vielleicht sind sogar beide falsch.
E. fängt seine Geschichte jedoch bereits falsch an, wenn man seiner Erzählung bis zu diesem Punkt Glauben schenkt. Hat er dem Leser zuvor ausführlich berichtet, wie er Agnes kennengelernt hat und dass er beim dritten Treffen in der Bibliothek mit ihr in ein Café gegangen ist (S. 19), schreibt er in seiner Geschichte, er habe sie gleich beim ersten Mal zu einer Tasse Kaffee eingeladen (S. 54).
Dass der Autor beim Erzählen sehr selektiv vorgeht, also bestimmte Dinge höher gewichtet und anderes auslässt, bekennt E. freimütig. So erwähnt er, dass er den Vorfall mit der toten Frau in seiner Geschichte wiedergibt, aber nichts darüber schreibt, dass sie später die Geschichte der Frau erfahren und an ihrer Beerdigung teilgenommen haben (S. 57). Damit muss sich der Leser zwangsläufig fragen, was ihm E. noch verschweigt.
Weitere „Bekenntnisse“ oder Verhaltensweisen E.s machen seine Schilderungen nicht gerade glaub-würdiger:
Meist sind kurze Hauptsätze aneinander gereiht statt durch Konjunktionen verbunden. Ausschmückende Adjektive finden sich im Roman kaum, kein Wort wirkt verzichtbar oder überflüssig. Folglich korrespondiert der Schreibstil mit dem Beruf des Erzählers, der Sachbuchautor ist. Da die nüchterne Sprache kaum Emotionen transportiert oder verrät, entspricht sie auch der Gefühlskälte E.s.
Der Schörkellosigkeit im Ausdruck entspricht auch der Aufbau der Dialoge, die oft monoton durch „sagte ich“, „sagte sie“, „sagte ich“ usw. aufgebaut werden.
Da die Erzählung als solche sichtbar wird, wird der Schreib- bzw. Erzählakt als Konstrukt thematisiert. Dass auch im Folgenden die Erzählsituation reflektiert wird - E. schreibt mit seinem Roman über Agnes eine Geschichte in der Geschichte -, ist, wenn man so will, typisch für postmoderne Literatur. Die Offenlegung des eigenen Erzählens durch den Erzähler schafft Distanz zur Geschichte und erschwert die Identifikation mit den Figuren. Dazu passt, dass wir wenig Persönliches von den Figuren wissen und dass der Name des Erzählers geheim bleibt.
Auch wenn der Erzählakt als solcher kommentiert wird, bedeutet das nicht, dass auch das Geschehen offenliegt - im Gegenteil. Bei E. handelt es sich um einen unzuverlässigen Erzähler, der jedoch wiederum seine eigene Unzuverlässigkeit zum Thema macht: So ist er erstaunt, wie vieles Agnes und er anders erlebt oder anders in Erinnerung haben (S. 56). Meistens setzt er sich mit seiner Version durch, ohne sich sicher zu sein, ob nicht doch Agnes Recht hat. Als er ihr einmal folgt, weil sie etwas im Terminkalender anders notiert hat, irrt er allerdings: In Kapitel 4 treffen sie sich in einem chinesischen Restaurant, Agnes überzeugt ihn aber davon, dass es ein indisches gewesen sei. Beide Versionen können nicht gleichzeitig richtig sein und vielleicht sind sogar beide falsch.
E. fängt seine Geschichte jedoch bereits falsch an, wenn man seiner Erzählung bis zu diesem Punkt Glauben schenkt. Hat er dem Leser zuvor ausführlich berichtet, wie er Agnes kennengelernt hat und dass er beim dritten Treffen in der Bibliothek mit ihr in ein Café gegangen ist (S. 19), schreibt er in seiner Geschichte, er habe sie gleich beim ersten Mal zu einer Tasse Kaffee eingeladen (S. 54).
Dass der Autor beim Erzählen sehr selektiv vorgeht, also bestimmte Dinge höher gewichtet und anderes auslässt, bekennt E. freimütig. So erwähnt er, dass er den Vorfall mit der toten Frau in seiner Geschichte wiedergibt, aber nichts darüber schreibt, dass sie später die Geschichte der Frau erfahren und an ihrer Beerdigung teilgenommen haben (S. 57). Damit muss sich der Leser zwangsläufig fragen, was ihm E. noch verschweigt.
Weitere „Bekenntnisse“ oder Verhaltensweisen E.s machen seine Schilderungen nicht gerade glaub-würdiger:
- S. 92: Als ihm bei seiner damaligen Freundin ein Kondom platzt verschweigt er ihr dies und spinnt in seinem Kopf die Vaterrolle fort. Als die Realität - seine Freundin ist nicht schwanger - seiner Fantasie nicht folgt, scheitert die Beziehung.
- S. 97f.: Als E. nach der Trennung von Agnes in der Bibliothek auf Louise trifft, verschweigt er ihr den Grund ihrer Trennung.
- S. 139: Als er an „Schluss2“ schreibt, lügt er Agnes an und behauptet, er arbeite an den Eisenbahnwagen.
- S. 145f.: Auf der Neujahrsparty schläft E. mit Louise und erzählt ihr hinterher, dass Agnes wieder da ist.
Meist sind kurze Hauptsätze aneinander gereiht statt durch Konjunktionen verbunden. Ausschmückende Adjektive finden sich im Roman kaum, kein Wort wirkt verzichtbar oder überflüssig. Folglich korrespondiert der Schreibstil mit dem Beruf des Erzählers, der Sachbuchautor ist. Da die nüchterne Sprache kaum Emotionen transportiert oder verrät, entspricht sie auch der Gefühlskälte E.s.
Der Schörkellosigkeit im Ausdruck entspricht auch der Aufbau der Dialoge, die oft monoton durch „sagte ich“, „sagte sie“, „sagte ich“ usw. aufgebaut werden.