René Cardillac
René Cardillac bildet den Kontrast zu den anderen Figuren in der Novelle, womit er zentral für die Bedeutung des Werks ist - E.T.A. Hoffmann betont die Rolle des Goldschmieds deutlich. Dies offenbart sich in den ausufernden Beschreibungen seines Charakters, seiner Vorgeschichte und seiner Morde. Im Gegensatz zum Fräulein von Scuderi verkörpert er die Eigenschaften, die den Niedergang der Gesellschaft bewirken. Gleichsam ist er Inbegriff der Abgründe, die sich hinter der Fassade einer intakten Gesellschaft verbergen. Einen Hinweis darauf gibt schon sein wenig vertrauenerweckendes Äußeres. Der tückische Glanz seiner kleinen Augen deutet auf den Teil seines Charakters, den er nur bei Nacht offenbart.
Nach außen hin erfüllt er „alle Tugenden des treuen, zärtlichen Vaters, des guten Bürgers“ (S. 53), seine Kunst ist berühmt, er gilt als der beste Goldschmied seiner Zeit, als Genie, aber auch als gerechter Mann. Zwar besitzt er einige merkwürdige Eigenarten - sein Zustand wechselt von Euphorie zu großem Zorn, er verstößt gegen die Etikette (er verbeugt sich zuerst vor dem Fräulein von Scuderi, dann vor der Geliebten des Königs), doch vermutet niemand, dass er ein böser Mensch sei. Cardillac arbeitet mit der großen Leidenschaft des Künstlers, nimmt Aufträge von allen Menschen an und führt sie für wenig Geld aus. Es ist ihm also nicht viel an seiner sozialen Stellung gelegen, seine Passion gilt seinem Beruf. Auch liebt er seine Tochter durchaus - auch wenn er ein sehr eifersüchtiger Vater ist, der Olivier nur deswegen wieder aufnimmt, da er das Leben Madelons in Gefahr sieht.
Cardillac ist nicht von Grund auf böse, er besitzt viele gute Charakterzüge. Er ist nicht der Erzfeind des Guten, sondern eine innerlich zerrissene Person. E.T.A. Hoffmann geht es nicht um einen trivialen Kampf zwischen Gut und Böse, sondern um die Demonstration, dass Gutes und Böses im Menschen und in der Gesellschaft hausen, um die Darstellung einer gestörten Psyche. Cardillac ist ein Triebtäter, die Schuld für seine Taten sieht er nicht bei sich selbst, sondern in den Vorkommnissen während der Schwangerschaft seiner Mutter begründet: Ihre Begierde habe sich auf ihn übertragen.
Schon als Kind stiehlt er das, was ihm als höchstes Gut im Leben erscheint: Gold und Juwelen. Sein Künstlertum ist fehlgeleitet, denn der schöne Glanz, die Materie ist für ihn das Wichtigste, nicht, wie bei dem Fräulein von Scuderi, die Werte, die durch die Kunst ausgedrückt werden. Selbstbewusst, ja arrogant bezeichnet er sich als den Besten seiner Zunft, die Kunst ist ein solch wesentlicher Teil von ihm, dass ihn der Gedanke, eine Arbeit abgeben zu müssen, krank macht und schließlich seine Mordlust weckt. Er legt sein Selbst in seine Arbeit, ohne sie kann er nicht ruhig leben. Dabei ist er keineswegs stolz auf die Verbrechen, die ihm ein von ihm losgelöster Teil seiner Selbst einflüstert. Er sieht sich nicht als moralisch schlecht an, den bösen Stern macht er für die Morde verantwortlich. Ein deutliches Zeichen einer Schizophrenie: Er hört eine Stimme, die ihn zum Verbrechen verleitet, besitzt eine gespaltene Persönlichkeit. Er schiebt die Schuld auf diese Stimme, nicht auf seine Seele, die keinen Anteil habe an dem, was er tue. Reue und Mitleid zeigen sich darin, dass er manche Aufträge aus Angst, den Kunden später umzubringen, gar nicht erst ausführt und nicht alle Opfer tötet.
Cardillac besitzt auch eine tiefsitzende Angst vor dem Jenseits. Er fürchtet, wegen der Verbrechen, die er ja nicht begehen wolle, in die Hölle zu kommen. Auch er, als der Verbrecher der Novelle, setzt seine Hoffnung in von Scuderi. Sie ist für ihn die Rechtschaffenheit selbst, von ihr erhofft er sich die Rettung seiner Seele. Unklar ist, ob er sich nach dem Guten sehnt oder ob es lediglich die Angst vor der Hölle ist, die ihn dazu treibt, von Scuderi ein Geschenk zu machen.
Er ist also nicht der Inbegriff des Bösen. Er stellt einen wahnhaften Menschen dar oder die wahnhafte, heuchlerische Gesellschaft selbst, die von falschen Idealen und materieller Begierde geleitet das moralische Gefüge auflöst. Die egoistische Ruhmsucht des Künstlers, der nur für sich und nicht für andere arbeitet, kann zu den grausamsten Verbrechen führen.
Nach außen hin erfüllt er „alle Tugenden des treuen, zärtlichen Vaters, des guten Bürgers“ (S. 53), seine Kunst ist berühmt, er gilt als der beste Goldschmied seiner Zeit, als Genie, aber auch als gerechter Mann. Zwar besitzt er einige merkwürdige Eigenarten - sein Zustand wechselt von Euphorie zu großem Zorn, er verstößt gegen die Etikette (er verbeugt sich zuerst vor dem Fräulein von Scuderi, dann vor der Geliebten des Königs), doch vermutet niemand, dass er ein böser Mensch sei. Cardillac arbeitet mit der großen Leidenschaft des Künstlers, nimmt Aufträge von allen Menschen an und führt sie für wenig Geld aus. Es ist ihm also nicht viel an seiner sozialen Stellung gelegen, seine Passion gilt seinem Beruf. Auch liebt er seine Tochter durchaus - auch wenn er ein sehr eifersüchtiger Vater ist, der Olivier nur deswegen wieder aufnimmt, da er das Leben Madelons in Gefahr sieht.
Cardillac ist nicht von Grund auf böse, er besitzt viele gute Charakterzüge. Er ist nicht der Erzfeind des Guten, sondern eine innerlich zerrissene Person. E.T.A. Hoffmann geht es nicht um einen trivialen Kampf zwischen Gut und Böse, sondern um die Demonstration, dass Gutes und Böses im Menschen und in der Gesellschaft hausen, um die Darstellung einer gestörten Psyche. Cardillac ist ein Triebtäter, die Schuld für seine Taten sieht er nicht bei sich selbst, sondern in den Vorkommnissen während der Schwangerschaft seiner Mutter begründet: Ihre Begierde habe sich auf ihn übertragen.
Schon als Kind stiehlt er das, was ihm als höchstes Gut im Leben erscheint: Gold und Juwelen. Sein Künstlertum ist fehlgeleitet, denn der schöne Glanz, die Materie ist für ihn das Wichtigste, nicht, wie bei dem Fräulein von Scuderi, die Werte, die durch die Kunst ausgedrückt werden. Selbstbewusst, ja arrogant bezeichnet er sich als den Besten seiner Zunft, die Kunst ist ein solch wesentlicher Teil von ihm, dass ihn der Gedanke, eine Arbeit abgeben zu müssen, krank macht und schließlich seine Mordlust weckt. Er legt sein Selbst in seine Arbeit, ohne sie kann er nicht ruhig leben. Dabei ist er keineswegs stolz auf die Verbrechen, die ihm ein von ihm losgelöster Teil seiner Selbst einflüstert. Er sieht sich nicht als moralisch schlecht an, den bösen Stern macht er für die Morde verantwortlich. Ein deutliches Zeichen einer Schizophrenie: Er hört eine Stimme, die ihn zum Verbrechen verleitet, besitzt eine gespaltene Persönlichkeit. Er schiebt die Schuld auf diese Stimme, nicht auf seine Seele, die keinen Anteil habe an dem, was er tue. Reue und Mitleid zeigen sich darin, dass er manche Aufträge aus Angst, den Kunden später umzubringen, gar nicht erst ausführt und nicht alle Opfer tötet.
Cardillac besitzt auch eine tiefsitzende Angst vor dem Jenseits. Er fürchtet, wegen der Verbrechen, die er ja nicht begehen wolle, in die Hölle zu kommen. Auch er, als der Verbrecher der Novelle, setzt seine Hoffnung in von Scuderi. Sie ist für ihn die Rechtschaffenheit selbst, von ihr erhofft er sich die Rettung seiner Seele. Unklar ist, ob er sich nach dem Guten sehnt oder ob es lediglich die Angst vor der Hölle ist, die ihn dazu treibt, von Scuderi ein Geschenk zu machen.
Er ist also nicht der Inbegriff des Bösen. Er stellt einen wahnhaften Menschen dar oder die wahnhafte, heuchlerische Gesellschaft selbst, die von falschen Idealen und materieller Begierde geleitet das moralische Gefüge auflöst. Die egoistische Ruhmsucht des Künstlers, der nur für sich und nicht für andere arbeitet, kann zu den grausamsten Verbrechen führen.