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Marie Zickwolf

Charakterisierung

Marie, die mit vollem Namen Marie Zickwolf heißt, ist seit zwei Jahren Franz Woyzecks Geliebte und hat ihren gemeinsamen Sohn Christian zur Welt gebracht. Weil auch sie zur unteren gesellschaftlichen Schicht gehört, unterstützt Woyzeck sie finanziell. Ob sie selbst arbeiten geht bleibt offen. Von ihrem Aussehen erfährt der Leser nur, dass sie wunderhübsch ist und lange schwarze Haare hat.
Obwohl man nicht viel über Maries restliches Leben erfährt, ist sie doch neben Woyzeck die einzige vielschichtige von Büchners Figuren.

Marie und Woyzeck

  • Maries und Woyzecks Schicksale sind eng miteinander verknüpft
    • Ihre Untreue führt zu Woyzecks Kontrollverlust
    • Als Folge ihrer Untreue wird sie das Opfer von Woyzecks Tat
  • Steht selbst unter sozialem Druck
    • Wird von Nachbarin für uneheliches Kind und Verhältnis mit Woyzeck verhöhnt
    • Kann gesellschaftlichem Spott über ihre Lebensweise nicht entgehen
  • Erreicht Woyzeck in seiner Psychose nicht und hat Angst vor ihm
    • Fühlt sich mit Kind allein gelassen
    • Versucht auch nicht Woyzeck zu verstehen
  • Ist froh, dass Woyzeck sich pflichtbewusst um sie und das Kind kümmert, hätte sich ihr Leben jedoch wohl anders vorgestellt
  • Ist, obwohl sie Woyzeck liebt, zu sehr mit sich und ihrer Untreue beschäftigt, um Woyzecks wahren Zustand und seine Gefühle zu erkennen
  • Beziehung scheint von den gesellschaftlichen Moralvorstellungen überschattet zu sein

Marie und der Tambourmajor

  • Der Tambourmajor macht Eindruck auf Marie, weil er einen starken Kontrast zu Woyzeck bildet
    • Eitel und selbstbewusst
    • Reich und lebt in höherem gesellschaftlichen Stand
    • Kann sich im Gegensatz zu Woyzeck artikulieren
  • Ihre Zuwendung hin zum Tambourmajor kann auch als Folge von Woyzecks Psychose gesehen werden
  • Marie lässt sich stark beeinflussen von Äußerlichkeiten, einer imponierenden Gestalt, reicher Kleidung und Schmuck
    • Zeigt sich auch in Szene 4, als sie das Geschenk des Tambourmajors - die Ohrringe - betrachtet
    • Findet, dass Reichtum und ein schöneres Leben aufgrund ihrer Attraktivität ihr auch zustehen
    • Denkt nicht darüber nach, dass das Geschenk Woyzecks Misstrauen wecken könnte
    • Als Woyzeck seinen spärlichen Lohn abliefert, mit welchem er ihr nie ein luxuriöses Leben finanzieren könnte, weckt das in ihr ein schlechtes Gewissen
    • Sie beschließt auf Woyzeck keine Rücksicht mehr zu nehmen
  • In Szene 6 kommt das Verhältnis von Marie und dem Tambourmajor zum Ausdruck
    • Sie bewundert seine Erscheinung
    • Durchschaut gleichzeitig aber seine Eitelkeit
  • Marie scheint zu wissen, dass der Tambourmajor nicht der Richtige ist
    • Gibt sich ihm jedoch hin, da er sie für den Augenblick glücklich macht und er sie aus ihrem Alltag herausholt

Maries Gefühle und Verhalten

Maries Gefühle sind im Drama sehr ambivalent. Sie scheint zerrissen zu sein, zwischen ihrer Liebe und ihrem schlechten Gewissen gegenüber Woyzeck. Auch ihr Verhältnis zum Tambourmajor ist von einer Ambivalenz zwischen der Bewunderung seiner Erscheinung und der Abneigung gegenüber seiner Eitelkeit geprägt.
  • Maries Szenen mit Woyzeck und die Szenen mit dem Tambourmajor bilden ebenso einen Kontrast, wie die Figuren selbst
  • In Szene 6 trifft Marie auf den Tambourmajor, dabei scheinen ihr jedoch vor dem selbstbewussten Mann die Worte zu fehlen
    • Marie findet ihn gleichzeitig abstoßend und anziehend, was sie auch in ihrem Verhalten äußert, das einem Balztanz gleicht
  • In Szene 7 trifft Marie auf den eifersüchtigen Woyzeck
    • Marie ist zunächst überrumpelt von Woyzeck, der sie zur Rede stellen will
    • Woyzecks Selbstbewusstsein bricht jedoch ein, als er keine passenden Worte findet
    • Marie nutzt Woyzecks schwachen Moment aus, um selbst zum verbalen Angriff überzugehen
    • Obwohl Marie Mitleid mit Woyzeck hat, verbietet ihr der vom Tambourmajor geweckter Stolz, sich dem verstörten Mann unterzuordnen
    • Zeigt Woyzeck in dieser Szene offen, dass sie ihn nicht mehr achtet und sich nicht für ihre Untreue zu verteidigen muss
  • Marie versucht, ihre Reue in den kurzen Momenten der Selbstvergessenheit mit dem Tambourmajor zu vergessen
    • Bereut ihre Untreue, kann sich jedoch nicht vom Tambourmajor lösen
    • Tambourmajor hat ihr gezeigt, wie das Leben an der Seite eines reichen Mannes sein kann
    • Reue wandelt sich in Trostlosigkeit und Marie scheint sich von allen verlassen zu fühlen
  • Kann Reue vor Woyzeck nicht mehr eingestehen, da dieser schon den Beschluss zum Mord gefasst hat
Maries Figur verdeutlicht in Büchners Drama, wie die Armut die Solidarität und den Zusammenhalt eines Paares beeinträchtigt. Durch Woyzecks psychische Deformation - hervorgerufen durch die Drangsalierung aller gesellschaftlich höher Gestellten - kann er sich Marie nicht mehr zuwenden. Da auch Marie ihren Geliebten nicht mehr erkennt und sogar Angst vor ihm hat, wendet sie sich einem starken Mann zu, der ihr auch geben kann, was sie benötigt. Als Folge leitet sie mit ihrem Verhalten Woyzecks zerstörerische Tat ein.

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