Szene 16 - 21
16. Szene
- Woyzeck kauft bei einem jüdischen Händler ein Messer für zwei Groschen
- Kann sich keine Pistole leisten
- Es stellt sich dem Leser die Frage, was Woyzeck mit einer Pistole oder einem Messer will
17. Szene
- Marie blättert in der Bibel und stößt auf Textstellen, die mit Ehebruch zu tun haben
- Bibelstellen kommentieren ihren Betrug an Woyzeck
- Hat schlechtes Gewissen, möchte das Verhältnis zum Tambourmajor aber nicht beenden, da er ihr das Leben an der Seite eines reiche Mannes gezeigt hat
- Anblick ihres Kindes versetzt ihr einen Stich ins Herz
- Kind erinnert sie an Woyzeck und ihre Untreue
- Am Boden liegt ein Narr, auf den jedoch nicht näher eingegangen wird
- Narr murmelt Sätze aus einem Märchen
- Nimmt Kind an sich und verstummt
- Woyzeck ist weder an diesem, noch am Tag zuvor aufgetaucht
- Marie bedauert das zutiefst
- Gibt ihr das Gefühl eines inneren Todes
- Stirbt zwei Mal: zuerst seelisch, durch die Abwesenheit Woyzecks aufgrund ihrer Untreue; danach körperlich durch Messerstich
18. Szene
- In der Kaserne schenkt Woyzeck Andres seinen letzten wenigen Besitz: Jacke, Kreuz, Ring, Heiligenbild, zwei Kerzen und Gold
- Andres ist davon befremdet, nimmt jedoch alles an
- Rät Woyzeck nochmals, sich krank zu melden und sein Fieber mit Schnaps und einem fiebersenkenden Pulver zu kurieren
- Woyzeck geht darauf aber nicht ein, sondern erklärt, dass man nie wissen kann, wann man stirbt
- Es stellt sich dem Leser wieder die Frage, was Woyzeck vor hat
- Handlung scheint zu fallen und sich nochmals zu wenden
- Das Verschenken seines Hab und Guts deutet auf einen Selbstmord Woyzecks hin
19. Szene
- Marie hält sich mit ein paar Kindern vor der Haustüre auf und singt ihnen Abzählreime vor
- Anschließend bittet sie eine Großmutter - wessen Großmutter ist unklar - darum, etwas zu erzählen
- Großmutter erzählt ein Märchen von einem armen Waisenkind
- Ist ganz alleine auf der Welt und im Weltraum
- Überall wo es hinkommt muss es feststellen, dass alles tot ist und eine brüchige Fassade besitzt
- Zuletzt sitzt es einsam da und weint
- Schließlich betritt Woyzeck die Szene und fordert Marie auf, ihm zu folgen, denn es sei Zeit
- Als Marie fragt wohin sie gehen
- Woyzeck antwortet, er wisse es auch nicht
- Unklar, ob Woyzeck es wirklich noch nicht weiß oder alles schon geplant hat
20. Szene
- Woyzeck und Marie sind vor der Stadt
- Marie möchte zurück, da es kalt und dunkel wird
- Woyzeck lässt Marie jedoch nicht zurück und erinnert sie stattdessen daran, dass sie an Pfingsten schon zwei Jahre zusammen sind
- Das scheint Marie unangenehm zu sein und sie versucht, das Thema wieder auf ihre Rückkehr zu lenken, da sie friert
- Woyzeck nimmt diese Äußerung zum Anlass ihr zu entgegnen, dass sie doch warm sei
- Maries „heißer Hurenatem“ (Sz. 20, Z. 24) stößt ihn ab, weckt seine Mordlust und erregt ihn gleichzeitig, da er Marie gerne noch einmal küssen würde
- Als Woyzeck seine Mordabsicht durchblicken lässt, beginnt Marie um Hilfe zu schreien
- Daraufhin sticht Woyzeck so lange mit dem gekauften Messer zu, bis Marie tot ist
- Als er Leute kommen hört, eilt er davon
21. Szene
- Zwei Leute hören, wie Woyzeck Marie ersticht
- Während die eine Person nicht wahrhaben will, was sie hört und fortlaufen will, bringt die zweite Person die erste dazu, gemeinsam den Tatort aufzusuchen
Funktion
- Szene 16 - 19 stellen ein retardierendes Moment[1] dar
- Katastrophe wird verzögert
- Markiert eine letzte Chance, dem mit dem Wendepunkt eigentlich schon entschiedenen Ausgang noch zu entkommen
- Unklar, ob Woyzeck Mord oder Selbstmord begehen will
- Handlung läuft unvermeidbar auf diese Katastrophe hinaus
- Woyzeck und Marie sind die einzigen, die eine Katastrophe abwenden könnten
- Beide meinen aber, dass es dafür inzwischen zu spät sei
- Szene 20 beschreibt die Katastrophe, in der sich Maries bereits angedeuteter Tod bewahrheitet
- Woyzeck wandelt sich von einem liebenden Mann zu einem von Hass, Eigersucht und Halluzinationen getriebenen Menschen und wird so zum Mörder seiner Geliebten
[1] retardierendes Moment: eine Szene im Handlungsverlauf eines Dramas, die nach dem Höhe- und Wendepunkt das Ende der dramatischen Handlung hinauszögert, indem sie kurzzeitig einen anderen Ausgang als erwartet möglich oder wahrscheinlich macht.