Aufgabe 4
Die Einfahrt zu einem Parkhaus bietet vor der Schranke Platz für maximal drei wartende Autos. Sind diese drei Plätze besetzt, so kann ein ankommendes Auto nicht von der Straße in die Einfahrt zum Parkhaus einbiegen, sondern muss weiterfahren (siehe Abbildung).
Die Entwicklung der Wartschlange vor der Schranke kann durch einen stochastischen Prozess beschrieben werden. Dieser stochastische Prozess besitzt die vier Zustände:
kein Auto steht in der Einfahrt bis
drei Autos stehen in der Einfahrt.
Es wird angenommen, dass maximal ein Auto pro Minute in die Einfahrt zum Parkhaus einbiegt und auch maximal ein Auto pro Minute die Schranke passieren und in das Parkhaus fahren kann ("Schranke öffnet").
Wenn in der Einfahrt mindestens ein Platz frei ist, beträgt die Wahrscheinlichkeit für das Einbiegen eines Autos in die Einfahrt in jeder Minute stets
Vereinfachend wird angenommen, dass sich unabhängig von der bisherigen Wartezeit die Schranke in jeder Minute mit der Wahrscheinlichkeit
öffnet, sodass ein Auto ins Parkhaus fahren kann. Ein Auto, das in die Einfahrt biegt, kann nicht in derselben Minute weiter ins Parkhaus fahren.
Wenn in der Einfahrt mindestens ein Platz frei ist, beträgt die Wahrscheinlichkeit für das Einbiegen eines Autos in die Einfahrt in jeder Minute stets
a)
Angenommen der Prozess befindet sich im Zustand
Der Prozess verbleibt in diesem Zustand,
... wenn ein Auto ins Parkhaus fährt ("Schranke öffnet") und gleichzeitig ein neues Auto ankommt,
... wenn kein Auto aus der Warteschlange ins Parkhaus fahren kann ("Schranke geschlossen").
Der Prozess befindet sich im Zustand
(1)
Gib die fehlenden Wahrscheinlichkeiten im Baumdiagramm an.
ein Auto biegt in die Einfahrt ein
kein Auto biegt in die Einfahrt ein
(4 Punkte)
(2)
Leite her:
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Prozess in der nächsten Minute im Zustand
bleibt, beträgt
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Prozess in der nächsten Minute im Zustand
(3 Punkte)
Die Wahrscheinlichkeit für die Veränderung des Prozesses von einer Minute zur nächsten wird vollständig beschrieben durch die Übergangsmatrix
(3)
Leite die in der zweiten Spalte der Matrix
angegebenen Wahrscheinlichkeiten her.
(6 Punkte)
b)
Zu einem bestimmten Zeitpunkt steht kein Auto in der Einfahrt.
(1)
Bestimme die Wahrscheinlichkeit,
dass nach
Minuten drei Autos in der Einfahrt stehen,
dass nach fünf Minuten weniger als zwei Autos in der Einfahrt stehen,
dass in den nächsten drei Minuten zu keinem Zeitpunkt ein Auto in der Einfahrt steht.
(11 Punkte)
(2)
Untersuche, ausgehend von der Startverteilung
die langfristige Entwicklung der Wahrscheinlichkeitsverteilung und entscheide begründet, ob der Bereich für wartende Autos vergrößert werden soll.
(5 Punkte)
c)
Ein stochastischer Prozess mit den Zuständen
bis
und der Übergangswahrscheinlichkeit
mit
in benachbarte Zustände wird durch folgende Übergangsmatrix
dargestellt:
(1)
Eine Matrix ist doppeltstochastisch genau dann, wenn Zeilen- und Spaltensummen jeweils
betragen und alle Elemente der Matrix zwischen
und
liegen.
Damit handelt es sich bei
um eine doppeltstochastische Matrix.
Prüfe für
ob
ebenfalls eine doppeltstochastische Matrix ist.
Damit handelt es sich bei
Prüfe für
(5 Punkte)
(2)
Zeige:
Es existiert eine Wahrscheinlichkeitsverteilung
so dass
gilt.
Gib diese Wahrscheinlichkeitsverteilung an.
Es existiert eine Wahrscheinlichkeitsverteilung
Gib diese Wahrscheinlichkeitsverteilung an.
(6 Punkte)
a)
(1)

(2)
Wenn der Prozess im Zustand
ist, bleibt er in der nächsten Minute in diesem Zustand, wenn
- ... sich die Schranke öffnet, sodass ein Auto in das Parkhaus fahren kann und ein neues Auto in die Einfahrt einbiegt.
- ... sich die Schranke nicht öffnet, sodass kein Auto in das Parkhaus fahren und auch kein neues in die Einfahrt einbiegen kann.
(3)
Die Einträge in der zweiten Spalte der Matrix beschreiben die Übergangswahrscheinlichkeiten des Prozesses, wenn sich der Prozess im Zustand
befindet. Im Sachzusammenhang bedeutet dies, dass sich zu diesem Zeitpunkt ein wartendes Auto in der Einfahrt befindet.
beschreibt die Übergangswahrscheinlichkeit des Prozesses von
nach
Von
nach
kann der Prozess nur übergehen, wenn die Schranke sich öffnet, sodass das wartende Auto in das Parkhaus fahren kann
und gleichzeitig kein neues Auto in die Einfahrt einbiegt
Mit der Pfadmultiplikationsregel ergibt sich:
beschreibt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Prozess im Zustand
verbleibt.
Dies kann in zwei Fällen eintreten:
beschreibt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Prozess vom Zustand
in den Zustand
übergeht.
Dies kann nur dann passieren, wenn sich die Schranke nicht öffnet, sodass das wartende Auto in der Einfahrt verbleibt
und in derselben Minute ein neues Auto in die Einfahrt einbiegt
Mit der Pfadmultiplikationsregel folgt also:
beschreibt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Prozess vom Zustand
in den Zustand
übergeht.
Damit sich nach einer Minute drei Autos in der Einfahrt befinden müssten mindestens zwei neue Autos gleichzeitig in die Einfahrt einbiegen. Dies ist laut Aufgabenstellung allerdings ausgeschlossen. Daher ist es nicht möglich, dass der Prozess von
innerhalb eines Zeitschrittes direkt in
übergeht. Die Wahrscheinlichkeit ist daher
Von
Dies kann in zwei Fällen eintreten:
- Die Schranke öffnet sich, sodass das wartende Auto in das Parkhaus fahren kann
und gleichzeitig fährt ein neues Auto in die Einfahrt
- Die Schranke bleibt geschlossen, sodass das wartende Auto in der Einfahrt verbleibt
und gleichzeitig biegt kein neues Auto in die Einfahrt ein
Dies kann nur dann passieren, wenn sich die Schranke nicht öffnet, sodass das wartende Auto in der Einfahrt verbleibt
Damit sich nach einer Minute drei Autos in der Einfahrt befinden müssten mindestens zwei neue Autos gleichzeitig in die Einfahrt einbiegen. Dies ist laut Aufgabenstellung allerdings ausgeschlossen. Daher ist es nicht möglich, dass der Prozess von
b)
(1)
Die Übergangswahrscheinlichkeiten nach
Nach
Minuten befinden sich mit einer Wahrscheinlichkeit von ca.
drei Autos in der Einfahrt.
Nach
Minuten befinden sich mit einer Wahrscheinlichkeit von ca.
weniger als zwei Autos in der Einfahrt.
Laut Aufgabenstellung kann kein Auto in derselben Minute in die Einfahrt einbiegen und direkt weiter durch die Schranke in das Parkhaus fahren. Soll sich also zu keinem Zeitpunkt ein Auto in der Einfahrt befinden, darf drei Minuten lang kein Auto in die Einfahrt einbiegen. Mit der Pfadmultiplikationsregel folgt:
Mit einer Wahrscheinlichkeit von
steht in den nächsten drei Minuten zu keinem Zeitpunkt ein Auto in der Einfahrt.
(2)
Mit dem CAS ergibt sich:
Es gilt also:
Langfristig ist die Wahrscheinlichkeitsverteilung bei einer Startverteilung von
also durch den Vektor
gegeben.
Langfristig befinden sich nur mit einer Wahrscheinlichkeit von ca.
drei Autos in der Einfahrt, sodass kein neues Auto mehr in die Einfahrt einbiegen kann.
Ich würde den Bereich für die wartenden Autos daher nicht vergrößern.
Ich würde den Bereich für die wartenden Autos daher nicht vergrößern.
c)
(1)
Für
sieht die Matrix wie folgt aus:
Alle Einträge der Matrix liegen zwischen
und
Alle Zeilensummen betragen
genauso wie alle Spaltensummen. Die Matrix
ist also doppeltstochastisch.
(2)
Mit
ergibt sich folgende Gleichung:
Da
eine Wahrscheinlichkeitsverteilung ist, muss
sein.
Für
handelt es sich bei
um die Einheitsmatrix
, deren Bedonderheit gerade die Eingenschaft ist, dass für jeden beliebigen Vektor
der Dimension
gilt:
Für
existiert ein solcher Verteilungsvektor also. Es handelt sich dabei um jeden Vektor
mit
Für
ergibt sich folgendes Gleichungssystem:
Aus
folgt:
Aus
folgt:
Einsetzen der beiden Ergebnisse in
ergibt:
Es ist also
Probe:
Diese Aussage ist wahr, also löst
das Gleichungssystem. Es existiert also ein Verteilungsvektor
mit
Dieser lautet