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Inhaltsverzeichnis

Textgebundene Erörterung

Die Merkmale textgebundenen Erörterns

  • Bezug auf den vorgegebenen Text: Der vorgegebene Text bildet die Grundlage der Erörterung und muss inhaltlich und argumentativ berücksichtigt werden. Dabei können ein pragmatischer Text (z. B. Essay, Zeitungsartikel) oder ein literarischer Text (Ausschnitt aus einem Werk, Gedicht) Vorlage sein.
  • Konjunktiv: Schreibe im Zuge der Textwiedergabe im Konjunktiv. Bei der eigenen Stellungnahme ist dies nicht mehr nötig.
  • Vorgegebene Schwerpunkte: Zunächst musst du den Standpunkt und die Argumente des Autors analysieren, anschließend setzt du dich selbst damit auseinander. Der Inhalt des vorliegenden Textes gibt also den Rahmen für das Thema vor, welches erörtert werden soll.
  • Implementierung von Zitaten: Verwende Zitate aus dem vorgegebenen Text, um deine eigene Argumentation zu stützen. Du kannst sowohl Zitate als auch Paraphrasen aus dem Text einsetzen, wichtig ist nur, dass sie als solche gekennzeichnet werden.
  • Kritische, jedoch distanzierte Haltung: Die Texte, die man bei dieser Aufsatzform vorgelegt bekommt, sind meist überspitzt formuliert, deshalb ist gerade eine distanzierte Betrachtung wichtig. Damit man sich nicht von der Rhetorik des Autors blenden lässt, sollte man konzentriert vorgehen und alle Aussagen des Autors kritisch prüfen.
  • Verknüpfung von Text und eigener Position: Es ist wichtig, dass aus deiner Erörterung hervorgeht, wie die im vorgegebenen Text behandelten Themen mit der eigenen Position verknüpft sind. An eine analytische Auseinandersetzung mit der Position des Autors schließt eine eigene Stellungnahme an.

Der Aufbau einer textgebundenen Erörterung

  • Vorarbeit in Form einer Textanalyse: Lies die vorliegende Textgrundlage sorgfältig, wenn nötig auch mehrmals, durch. In dem Zuge bietet es sich an, dass du bereits deines Erachtens nach wichtige Stellen im Text markierst, um die Struktur des Textes herauszuarbeiten. Streiche neben entscheidenden Schlagwörtern auch die drei B's (Behauptung, Begründung, Beispiel) der jeweiligen Argumentente an. Leg im Anschluss daran deine eigene Meinung zur Thematik fest, wofür du wiederum eigene Argumente und Beispiele sammelst.
  • Einleitung: Gewinne die Aufmerksamkeit der Leser*innen, indem du die wichtigsten Punkte zusammenfasst, beziehungsweise zum Thema hinführst oder möglicherweise Bezug auf aktuelle Verknüpfungen verweist. Außerdem gehören hier auch relevante Daten und Fakten zu den vorgebenen Texten wie Textart, Aufbau und Wirkung des Textes sowie Anmerkungen zur Rhetorik hinein.
  • Hauptteil: Gib den Textinhalt wieder; berücksichtige die Positionen des Autors in Form einer Darlegung der verschiedenen Argumente; bette Zitate aus dem Text als Belege mit ein; beziehe einen eigenen Standpunkt.
  • Schluss: Fasse die Ergebnisse der Argumente aus dem Hauptteil noch einmal bündig zusammen und beziehe eine klare eigene Position in Form einer kritischen Betrachtung der Eingangsthese. Nimm Bezug auf die in der Einleitung konstatierte Fragestellung oder These.

Literarisches Erörtern als Untergattung

Merkmale literarischen Erörterns

  • Zeitlos: Anders als in einer texgebundenen Erörterung, in welcher Sachtexte die Recherchegrundlage bilden, sind in einer literarischen Erörterung die Themen zeitlos. Das bedeutet, dass selbst alte Texte noch einen hohen Aktualitätsgrad aufweisen können.
  • Mögliche Themen: Beispielsweise Texte zu Gesellschaftsentwürfen, Wirklichkeitsauffassungen oder Menschenbilden bilden typisch vorkommende Themen einer literarischen Erörterung.
  • Literaturexpertise: Für diese Aufsatzform ist es von Vorteil, eine möglichst breite Literaturkenntnis zu besitzen, um für jedes auftretende Thema einige Literaturbeispiele aufführen zu können.
  • Textgebundene Erörterung: Eine literarische Erörterung kann entweder textgebunden oder textungebunden sein. Im ersten Fall ist klar vorgegeben, auf welches Werk oder welche Werke du dich in deiner Erörterung beziehen sollst. Die Aufgabenstellung könnte lauten: „Bestimme, ausgehend von der Figur des Karl Moor in Friedrich Schillers Drama Die Räuber, typische Merkmale des Sturm und Drang“.
  • Textungebundene Erörterung: Hier ist die Aufgabenstellung offener. Sie könnte lauten: „Die Nacht ist ein zentrales Motiv in zahlreichen erzählenden Werken der Romantik. Erörtere vergleichend und unter Berücksichtigung epochenspezifischer Merkmale die Gestaltung des Nachtmotivs in zwei romantischen Werken“.
  • Fließende Grenzen: Die Grenzen zwischen textungebundener und textgebundener literarischer Erörterung können fließend sein. Etwa kann dir das Zitat eines Schriftstellers vorgegeben werden, wobei die Aufgabenstellung weitgehend frei bleibt.

Kenntnisse und Fähigkeiten, die man für eine literarische Erörterung benötigt

  • Vertrautheit mit dem Werk: Die vorliegende literarische Grundlage sollte dir geläufig sein, sodass du etwa Textstellen in den entsprechenden Kontext setzen können kannst.
  • Knappe, aber pointierte Darstellung: Die Fähigkeiten, Inhalte auf den Punkt bringen und Personenbeschreibungen treffend umreißen zu können, stellen wichtige Voraussetzungen für das Verfassen einer erfolgreichen literarischen Erörterung dar.
  • Zitieren und belegen: Eine literarische Erörterung lebt von gut gewählten Beispielen, die immer eine adäquate und einheitliche Zitierweise voraussetzen.
  • Hintergrundwissen: Infos zur Autorin oder zum Autor der Lektüre und Kenntnisse zur relevanten Epoche und deren historische Einordnung sind notwendig, damit die literarische Erörterung das richtige Maß an Komplexität und Umfang aufweist.
  • Formal-stilistische Kenntnisse: Besonders bei einer literarischen Erörterung ist es wichtig, rhetorische Mittel, formale sowie stilistische Aspekte eines Textes einordnen zu können und über dessen Funktion und Effekt Bescheid zu wissen.