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Barock

Epochenmerkmale

Auf einen Blick
  • Definition: Die Literaturepoche des Barock entstand zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges und dauerte von 1600 bis 1700 an. Die Bezeichnung „Barock“ steht ursprünglich für die Ablehnung der Kunstformen zu dieser Zeit.
  • Einordnung: Zwischen Mittelalter und Aufklärung
  • Geschichtlicher Hintergrund: Beeinflussung durch die den Territorialabsolutismus, die Kirche sowie Tradition der Antike
  • Merkmale: Bildliche, metaphernreiche Sprache; antithetische Strukturen; religiöse Motive; Gegensätze wie Diesseits und Jenseits, Schein und Sein, Wohlstand und Armut; „Carpe Diem“, „Memento Mori“, Vanitas-Motiv
  • Autoren: Gryphius, Opitz, Grimmelshausen, Flemming

Definition

  • Die Epoche des Barock dauerte von 1600 bis 1770 an. Sie wird zeitlich in drei Abschnitte unterteilt:
    \(\rightarrow\) 1600 - 1650 Frühbarock
    \(\rightarrow\) 1650 - 1720 Hochbarock
    \(\rightarrow\) 1720 - 1770 Spätbarock
  • Der Begriff „Barock“ wird vom portugiesischen „barocco“ abgeleitet und bedeutet soviel wie „seltsam geformte, schiefe Perle“. Im 18. Jahrhundert wurde das Wort als Bezeichnung für Kunstformen verwendet, die dem klassizistischen Anspruch nicht genügten. Die Bezeichnung „Barock“ steht also ursprünglich für die Ablehnung der Kunstformen dieser Zeit. Als Epochenbezeichnung setzte sich der Begriff erst um Mitte des 19. Jahrhunderts durch.
  • Die Epoche des Barock wurde vom Absolutismus, der Kirche und der Tradition der Antike beeinflusst. Von großer Bedeutung waren Gegensätze wie Diesseits und Jenseits sowie Schein und Sein. Ziel war es, mit der Literatur die Gefühle der Menschen auszudrücken.

Geschichtlicher Hintergrund

  • Durch den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ist das Deutsche Reich politisch, wirtschaftlich und kulturell verfallen. Außerdem sorgte neben dem Krieg auch die Pest dafür, dass etwa ein Drittel der Deutschen verstarben.
  • Nach dem Krieg entwickelte sich in Deutschland der Territorialabsolutismus. Der Staat hatte somit Einfluss auf das gesamte Leben der Menschen. Während die niederen Stände unter Armut leiden mussten, führte der Adel an den Fürstenhöfen ein verschwenderisches Leben nach Versailler Vorbild.

Zeitgeist

  • Als Sinnbild für die Epoche des Barock steht das prächtige Barock-Schloss, das die Macht des Besitzers widerspiegeln sollte. Die absolutistischen Fürstenhöfe lebten im Überfluss, wollten sich mit Gedichten, Romanen, Ballett oder Theaterstücken die Zeit vertreiben.
  • Deutsch Basiswissen BaWü Barock Epochen
    Das barocke Schloss Versaille (hier zum Nachweis)
  • Die Kirche versuchte, sich nach der Reformation wieder mehr Zuspruch zu erarbeiten und wollte die Sinne der Gläubigen mit dem betörenden Baustil für sich gewinnen. Die Dichtung sollte obendrein geistliches Gedankengut verbreiten. Die Menschen waren dafür nach dem Krieg sehr empfänglich und flüchteten sich in den Glauben an Gott.
  • Eine bestimmende Kraft für die Dichtung im Barock bildete die Antike. Werke von Homer, Ovid oder Aristoteles waren große Vorbilder und man versuchte ihre Anweisungen und Vorschriften in der Literatur einzuhalten. Der Leser sollte in einem Buch nur Bekanntes wiederfinden und die Strukturen erkennen. Dichtungslehren waren in der Epoche daher von großer Bedeutung.
  • Die Ständegesellschaft (Adel, Bürgertum, Bauern) spiegelte sich in der Literatur durch die verschiedenen Stile wider. Der hohe Stil behandelte erhabene Themen in einer würdevollen Sprache, der mittlere Stil komische Themen in einer melodischen Sprache. Der niedere Stil behandelte derbe Themen in einer einfachen Sprache.

Literarische Merkmale

  • Themen: Diesseits und Jenseits, Sein und Schein, Wohlstand und Armut, Blüte und Verfall, Erotik und Tugend, Todesangst, Religion bzw. Weltflucht
  • Literarische Gattungen: Sonett, Epigramm, Jesuitendrama, Schäferdichtung, Kirchenlied
  • Genaue Einhaltung der literarischen Merkmale und der Struktur
  • Bildliche Sprache, religiöse Allegorien und Metaphern
  • Emblematik: Embleme sind Sinnbilder, die allgemein bekannt waren. Sie bestehen aus Überschrift, Bild und Erklärung.
  • Insistierende Nennung: Eine Idee wird mehrmals aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet
  • Häufung: Wiederholung und Variation von Wörtern, Beispielen, Bildern
  • Antithetik: Wörter, Verse oder Strophen einander gegenübergestellt
  • Besonderheiten im Satzbau: Konjunktionen ausgelassen, Weglassen von Subjekten und Prädikaten
  • Motiv des Carpe Diem: bedeutet soviel wie „Nutze den Tag“; Motiv Vanitas: bezieht sich auf Misserfolg und Vergänglichkeit; Motiv Memento Mori: heißt „bedenke, dass du stirbst“; Aufruf, den Moment zu genießen

Wichtige Autoren und Werke

  • Andreas Gryphius (* 1616 - † 1664): Es ist alles eitel (1637), Leo Armenius (1646), Carolus Stuardus (1649)
  • Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (* 1616 - † 1679): Spiel-ersinnliche Sterbens-Gedancken (1663), Die Welt (1679)
  • Daniel Casper von Lohenstein (* 1635 - † 1683): Cleopatra (1680), Ibrahim (1649/50, wurde erst nach seinem Tod 1685 gedruckt)
  • Friedrich Freiherr von Logau (* 1605 - † 1655): Deutscher Sinn-Gedichte drey Tausend (1654)
  • Georg Rudolf Weckherlin (* 1584 - † 1653): Oden und Gesänge (1618/19)
  • Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen (* 1622 - † 1676): Der abenteuerliche Simplicissimus (1669), Der teutsche Bauer (1668)
  • Johann Scheffler (* 1624 - † 1677): Cherubinischer Wandersmann (1657)
  • Martin Opitz (* 1597 - † 1639): Buch der Deutschen Poeterey (1624), Ich empfinde fast ein Grawen (1624)
  • Paul Flemming (* 1609 - † 1640): Teutschen Poemata (1642, posthum erschienen)