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Gotthold Ephraim Lessing

Biografie

Gotthold Ephraim Lessing (* 22.01.1729 - † 15.02.1781)
Deutsch Basiswissen Autoren Gotthold Ephraim Lessing
Gotthold Ephraim Lessing (hier zum Nachweis)

Zeitliche Einordnung und typische Themen seiner Werke

  • Lessing gilt als einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Aufklärung. Er betonte die Bedeutung der Vernunft und reflektierte in seinen Schriften und Dramen die Ideen der Aufklärung, einschließlich der Aufforderung zur kritischen Überprüfung traditioneller Überzeugungen und zur Förderung von Bildung und Wissen. Der Autor macht das aufstrebende Bürgertum „tragödienfähig“ und verlagerte den Fokus vom Adel zum freien Schriftsteller. Seine realistischen Figuren, weder rein gut noch böse, spiegelten das Handeln und Denken des Menschen wider. 1750 traf er Voltaire, einen führenden französischen Aufklärer. Wie Voltaire war auch Lessing Anhänger der „natürlichen Religion“ und kritisierte den Offenbarungsglauben sowie die Buchstabenhörigkeit in den monotheistischen Weltreligionen.
  • Gotthold Ephraim Lessing kritisierte die sozialen und politischen Strukturen seiner Zeit, insbesondere die Vorherrschaft der Aristokratie und den feudalen Machtapparat und setzte sich stark für Toleranz und Religionsfreiheit ein. In seinem Drama Nathan der Weise, ein Plädoyer für Humanismus und Toleranz, stellt er mithilfe der berühmten Ringparabel die Idee der religiösen Toleranz dar, indem er die drei Weltreligionen als gleichwertig darstellt und die Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen hervorhebt.
  • Als Dichter und Literaturkritiker setzte er sich gegen Vorurteile ein und plädierte für Mündigkeit und Toleranz. Dabei kritisierte er die klassizistische Regelpoetik Johann Christoph Gottscheds und revolutionierte das deutsche Schauspiel. Mit Miss Sara Sampson begründete er das bürgerliche Theater im deutschen Kulturraum, indem er das erste deutschsprachige bürgerliche Trauerspiel schuf.
  • Das Thema Bildung und Erziehung spielte eine wichtige Rolle in Lessings Werken. Er betonte die Wichtigkeit von Bildung für die Entwicklung eines aufgeklärten und moralischen Individuums. Dies zeigt sich unter anderem in seinem erzieherischen Werk Emilia Galotti, indem typische Themen wie der Konflikt zwischen Adel und Bürgertum, feudale Willkür und bürgerliche Vorstellungen von Moral, Ehre und Pflicht behandelt werden.
  • Die Idee der Selbstbestimmung und der Wert individueller Persönlichkeit waren wiederkehrende Themen in Lessings Schriften. Seine Figuren strebten nach Selbstbestimmung und Autonomie, oft im Konflikt mit gesellschaftlichen Normen.
  • Weiterhin thematisierte Lessing in seinen Werken die Geschlechterrollen und die Rechte der Frauen. Sein Drama Minna von Barnhelm zeigt eine starke weibliche Hauptfigur, die für ihre Rechte und ihre Liebe kämpft.
  • Zugleich war Lessing auch Wegbereiter des Sturm und Drang. Seine Themen umfassten typische Themen für diese Zeit, wie tiefe Emotionen, Identifikation der Zuschauer*innen mit den Held*innen und eine kritische Auseinandersetzung mit Religion und Gesellschaft.

Form und Sprachstil

  • Lessings Auseinandersetzung mit der Form des bürgerlichen Trauerspiels zeigt eine innovative Herangehensweise, die eine gleichberechtigte Positionierung von Held und Zuschauer*innen betont. Dies steht im Gegensatz zur aristokratischen Tragödie und spiegelt sich beispielhaft in Emilia Galotti wider. Lessing distanziert sich bewusst von der französischen höfischen Tragödie und lenkte den Fokus weg von zeremoniellen Höfen hin zur Selbstverständigung der Bürger*innen.
  • Obwohl Lessing das französische Regeldrama kritisierte, hielt er sich an einige formale Konventionen. Unter anderem sein Stück Emilia Galotti folgt dem klassischen Aufbau von fünf Akten, wahrt die Einheit von Ort, Zeit und Handlung, beachtet weitgehend die Dreipersonenregel. Dennoch durchbricht Lessing mit dieser bürgerlichen Tragödie die traditionelle Ständeklausel.
  • Lessing setzt zahlreiche Stilmittel wie Ausrufe, rhetorische Fragen und Pausen ein, arbeitet mit Monologen sowie lebhaften und emotionalen Dialogen. Die Dialoge zeichnen sich durch Überlappungen von Rede und Gegenrede aus, was durch Unterbrechungen, Wortwiederholungen und Gedankenaufnahmen erreicht wird. Diese stilistischen Elemente verleihen seinen Werken eine dynamische und lebendige Sprache.
  • Lessings einfache, bürgerliche Sprache, wie in seinem politischen und aufklärerischen Stück Emilia Galotti, spricht eine breitere Leserschaft an.
  • In Nathan der Weise führte Lessing den Blankvers im deutschen Drama ein, der sich von der Prosa früherer Werke unterscheidet. Dieser fünffüßige reimlose Jambus wurde besonders durch Shakespeare im englischen Drama gepflegt.
  • Seine Dramentheorie betont nicht nur die Reinigung der Leidenschaften der Zuschauer*innen (Katharsis), sondern auch die Erregung von Mitleid zur Förderung der moralischen Verbesserung des Publikums. Für Lessing ist der mitleidige Mensch, der moralische Mensch.

Ausgewählte Werke

  • Dramen

  • \(\rightarrow\) Damon, oder die wahre Freundschaft (1747)
    \(\rightarrow\) Der Freigeist (1749)
    \(\rightarrow\) Die Juden (1754)
    \(\rightarrow\) Miss Sara Sampson (1755)
    \(\rightarrow\) Minna von Barnhelm (1767)
    \(\rightarrow\) Emilia Galotti (1772)
    \(\rightarrow\) Nathan der Weise (1779)
  • Gedichte

  • \(\rightarrow\) Die drey Reiche der Natur (1747)
    \(\rightarrow\) Lieder (1771)
    \(\rightarrow\) Oden (1771)
    \(\rightarrow\) Sinngedichte (1771)
  • Theologiekritische und philosophische Schriften

  • \(\rightarrow\) Anti-Goeze (1778)
    \(\rightarrow\) Die Erziehung des Menschengeschlechts (1780)