Romantik
Epochenmerkmale
Auf einen Blick- Definition: Die Epoche der Romantik datiert man insgesamt auf den Zeitraum von 1795 bis 1848. Sie war geprägt von einer intensiven Betonung der Gefühle und einer Sehnsucht nach einer idealisierten Vergangenheit und Natur.
- Einordnung: zwischen Aufklärung und Realismus
- Geschichtlicher Hintergrund: Die Romantik entfaltete sich in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, geprägt durch Ereignisse wie die Französische Revolution, das Ende des Absolutismus, die Industrialisierung und politische Restriktionen. Diese Veränderungen führten zu einer verstärkten Suche nach individueller Freiheit, Authentizität und einer Flucht vor den negativen Auswirkungen der Industrialisierung.
- Merkmale: Rückzug von der als bedrohlich wahrgenommenen äußeren Welt ins innere Gefühlsleben der Figuren; Betonung des Individuums; Naturverbundenheit; Kritik an Rationalität; emotionale Intensität; Vielfalt der Genres; Themen wie der Einzelne und seine Emotionen, Träume und das Unbewusste, das Fantastische, Natur, Heimat
- Autoren: Novalis, Hoffmann, Schlegel, Grimm, Eichendorff
Definition
- Die Epoche der Romantik dauerte von 1795 bis 1848 an. Sie wird zeitlich in drei Abschnitte unterteilt:
- Die Romantik wird von dem Wunsch nach einer heilen Gegenwelt zum Alltag geprägt; Ziel ist die Flucht in eine Fantasiewelt. Wichtige Themen sind Sehnsucht, Liebe, Individualität und Natur.
- Der Begriff „Romantik“ geht auf „in lingua romana“ zurück, was so viel heißt wie „in romanischer Sprache“ und bezeichnet damit Texte in Volkssprache. Im 18. Jahrhundert bedeutete „romantisch“ „im Roman vorkommend“, wandelte sich dann aber in einen Begriff, der übertriebene und schwärmerische Gefühle benennt.
Geschichtlicher Hintergrund
- Das ausgehende 18. Jahrhundert und beginnende 19. Jahrhundert wurde von verschiedenen historischen Einflüssen geprägt. Die Französische Revolution, das Ende des Absolutismus, die Karlsbader Beschlüsse und die Industrialisierung sorgten für große gesellschaftliche Umbrüche. Der Druck auf das Individuum nahm zu, die großen Firmen beuteten ihre Arbeiter aus und eine Massenarmut entstand.
- Außerdem wurde durch die Karlsbader Beschlüsse die öffentliche Meinungsfreiheit und die Pressefreiheit eingeschränkt und es kam durch die Industrialisierung zur Verstädterung und Landflucht, sodass den Menschen die Geborgenheit ihrer Heimat fehlte. Diese Unterdrückung und Ausbeutung des Proletariats führte dazu, dass die Menschen sich nach einer fantastischen Gegenwelt sehnten, in die sie flüchten konnten.
Zeitgeist
- Die Vertreter der Romantik lehnten die Wirklichkeit der Revolutionierung und Industrialisierung radikal ab. Sie kritisierten, dass die Gesellschaft geprägt war vom Nützlichkeitsdenken und vom Gewinnstreben. Die aufstrebenden Naturwissenschaften wurden verurteilt, da sie alles nur mit dem Verstand erklären und alles auf den Nutzen hin untersuchen. Der Alltag erschien den Romantikern von schlechten Lebensbedingungen und vom Berufsalltag bestimmt. Um davor zu flüchten, entwickelten sie eine mythische Gegenwelt, ganz nach dem Vorbild des Mittelalters, in dem die Menschen sich in die Religion flüchteten.
- Gleichzeitig waren sie sich dessen bewusst, dass sie ihre Sehnsüchte und Wünsche nicht erreichen können. Die Vertreter der Epoche trafen sich in abgeschlossenen Freundeskreisen und begeisterten sich für die Kunst des Volkes und für die Natur, fernab von den Problemen der Zeit.

- Die Romantiker schätzten die Natur und sahen in ihr oft eine Quelle der Inspiration. Die Betonung der individuellen Gefühle und Emotionen als Reaktion auf die Rationalität der Aufklärung stand im Mittelpunkt und die Natur wurde als Spiegelbild innerer Empfindungen betrachtet.
- Romantiker waren fasziniert von Mystik, Mythen und der Fantasie. Sie schufen oft Werke, die sich in fantastischen Werken abspielten oder Elemente des Übernatürlichen und Geheimnisvollen enthielten. Die Romantik drückte den Wunsch aus, das Unbekannte zu erforschen und das Mystische zu erleben.
- Die Epoche der Romantik betonte die Einzigartigkeit und Individualität jedes Menschen. Künstler und Denker strebten danach, ihre persönlichen Emotionen und Erfahrungen in ihren Werken auszudrücken. Der Fokus auf das Individuum stand im Kontrast zu den kollektiven Idealen der vorausgegangenen Epochen.
Literarische Merkmale
- Themen: Gefühle, Natur, Vergangenheit, Psyche, Sehnsucht, Entfremdung, Subjektivität, Träume, Ablehnung des Gegenwärtigen
- Literarische Gattungen: In der Romantik wurden verschiedene literarische Genres und Formen verwendet, darunter Romane, Gedichte, Volkslieder und Märchen. Es gibt eine Tendenz zur Verschmelzung der Gattungen Drama, Epik und Lyrik. Die Lyrik gilt als beliebteste Gattung der Romantik.
- Offene Formen: Die Gedichte und Literatur haben kein festes Schema.
- Romantische Ironie: Der Autor kann sein Werk bzw. die erzeugte Stimmung bewusst zerstören
- Progressive Universalpoesie: Der Künstler als freischaffendes Genie kann Wissenschaft, Kunst und Poesie miteinander verbinden.
- Romantiker legten großen Wert auf eine gefühlvolle und bildhafte Sprache. Die häufige Verwendung von Metaphern z. B. aus Märchen und dem Mittelalter, Symbolen und allegorischen Elementen zeichnet die romantische Sprache aus. Die Ich-Form in der Literatur wurde häufig verwendet, um einen direkten Einblick in die Gedanken und Gefühle des Autors zu gewähren.
- Mythische Worte und Wortfelder: Nebel, Nacht, Geist, Übernatürliches, Fabelwesen
- Motiv des Spiegels und des Unheimlichen, der Nacht, des Wanderers, des Reisens, der Weltflucht, der Hinwendung zur Natur und des Fernwehs
- Die blaue Blume gilt als wichtigstes Symbol dieser Epoche. Es handelt sich um eine Metapher, die Sehnsucht und das Streben nach Liebe repräsentiert und die Natur und den menschlichen Geist verbindet.
- Romantische Werke beinhalten oft Reisen und Entwicklungsprozesse von Helden, die sich auf eine Suche nach Identität, Wahrheit oder Liebe begaben. Die Heldenreisen spiegelten die Suche nach innerer Erfüllung wider.
- Schauplätze: Friedhöfe, Ruinen, Burgen, Wälder, Naturlandschaften
Wichtige Autoren und Werke
- E.T.A. Hoffmann (* 1776 - † 1822): Das Fräulein von Scuderi (1819), Der Sandmann (1816), Der goldene Topf (1814)
- Friedrich Hölderlin (* 1770 - † 1843): Hyperion (1797), Ode an Heidelberg (1801)
- Friedrich Schlegel (* 1772 - † 1829): Lucinde (1799)
- Heinrich Heine (* 1797 - † 1856): Romanzero (1851), Der Doktor Faust. Ein Tanzpoem (1851), Buch der Lieder (1827)
- Jakob und Wilhelm Grimm (* 1785 - † 1863), (* 1786- † 1859): Kinder und Hausmärchen (1812)
- Joseph von Eichendorff (* 1788 - † 1857): Aus dem Leben eines Taugenichts (1826)
- Novalis (* 1772 - † 1801): Hymnen an die Nacht (1800), Heinrich von Ofterdingen (1802)