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Inhaltsverzeichnis

Jahrhundertwende

Epochenmerkmale

Auf einen Blick
  • Zeit: 1890-1910
  • Geschichtlicher Hintergrund: Urbanisierung und Industrialisierung
  • Merkmale: Die Form ist teilweise wichtiger als der Inhalt und kann sich in viele verschiedene Formen auflösen. Symbolische Erhöhung und punktuelle Betrachtung von Lebensausschnitten; Verfremdung und bildhafter Sprache
  • Themen: Individualismus, Entfremdung und Nihilismus, Krise der Tradition und des Glaubens, soziale Umbrüche, Psychoanalyse und das Unbewusste

Definition

  • Um die Jahrhundertwende, also zwischen 1890 und 1910, herrscht literarisch ein enormer Stilpluralismus. Viele Strömungen und unterschiedliche Tendenzen laufen parallel. Die wichtigsten sind der Impressionismus, der Symbolismus, der Ästhetizismus und die Bezeichnung Wiener Moderne.
  • Wichtig ist, dass sich alle Tendenzen von der bloßen Realitätsdarstellung des Naturalismus abgrenzen und eher die Erfahrungen und Reize durch die Umgebung thematisieren.
  • Die Anonymität des Einzelnen in der Großstadt und die inneren Empfindungen sind wichtig. Die Kunst bildet eine Gegenwelt zur Realität und hat keine gesellschaftskritische Funktion.

Geschichtlicher Hintergrund

  • Die industrielle Revolution hatte bereits im 19. Jahrhundert begonnen, erreichte jedoch um die Jahrhundertwende ihren Höhepunkt. Dies führte zu tiefgreifenden Veränderungen in der Gesellschaft wie Urbanisierung, Industrialisierung und sozialen Umbrüchen.
  • Die Jahrhundertwende war auch eine Zeit großer politischer Umwälzungen, einschließlich des Niedergangs von Monarchien und des Aufstiegs neuer Ideologien wie Sozialismus, Kommunismus und Anarchismus. Es gab auch eine Zunahme nationalistischer Bewegungen und Spannungen, die später zum Ersten Weltkrieg führen würden.
  • Die Jahrhundertwende war eine Zeit bedeutender wissenschaftlicher Entdeckungen und technologischer Fortschritte, darunter die Entdeckung der Elektrizität, die Entwicklung von Automobilen und Flugzeugen sowie die Entdeckung der Radioaktivität durch Wissenschaftler wie Marie Curie.

Literarische Merkmale

  • Themen: Individualismus und Selbstreflexion, Nihilismus und Existenzialismus, soziale Umbrüche und Klassenkonflikte, Krise der Tradition und des Glaubens
  • Sprache und Stil: Die Sprache war oft lyrisch und bildhaft, mit einem starken Fokus auf der Schaffung atmosphärischer Stimmungen und der Darstellung innerer Zustände. Viele Schriftsteller der Jahrhundertwende nutzten symbolische und allegorische Elemente, um komplexe Themen und Emotionen auszudrücken. Einige Autoren brachen mit den traditionellen Erzählformen und experimentierten mit neuen Techniken wie Stream-of-Consciousness, Fragmentierung der Handlung und Collage-Techniken.
  • Literarische Gattungen: Der Roman war eine der wichtigsten literarischen Gattungen dieser Zeit und bot Raum für komplexe Charakterstudien und die Erforschung komplexer Themen. Im Drama manifestierte sich der Einfluss der Jahrhundertwende durch neue Formen des Dramas, die oft die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verwischten und das Innere der Charaktere erforschten.
  • Psychologische Entdeckungen: Die Arbeiten von Sigmund Freud und anderen Psychoanalytikern hatten einen großen Einfluss auf die Kultur und die Literatur dieser Zeit. Die Ideen der Psychoanalyse über das Unbewusste, die Träume und die menschliche Psyche fanden ihren Weg in die Literatur vieler Schriftsteller.
Deutsch Basiswissen Naturlyrik Jahrhundertwende
Henri-Julien-Félix Rousseau: Die Nacht (1886) (hier zum Nachweis)

Naturbegriff

Naturzerfall vs. kultivierte Natur

  • Die düsteren Aspekte in der Natur werden thematisiert.
  • Die Natur wird als fern und fremd wahrgenommen.
  • Natur symbolisiert Vergänglichkeit und Sterblichkeit
  • Natur ist facettenreich, unergründlich und magisch
  • Lösung ist die Zuflucht aus der Stadt in die kultivierte Natur; Gärten und Parks

Exemplarisches Gedicht der Naturlyrik

Morgenlicht (1901)
Stefan Zweig
1
Nun wollen wir dem Licht entgegen,
2
Das um die Purpurwipfel rollt.
3
Das Leuchten flammt auf allen Wegen
4
Und wächst und wird zum Morgengold.
5
Die glutumlohten Tannen singen
6
Und Jubel bricht aus jedem Klang,
7
Wie kampfbereites Fahnenschwingen
8
Braust durch den Wald der Höhensang.
9
Und lauter werden alle Weisen
10
Und jedes Wesen sucht sein Lied,
11
Die Schaffenskraft des Lichts zu preisen,
12
Das nun ins volle Leben glüht.

Das Gedicht fängt die lebendige Energie des Morgens ein, indem es das aufsteigende Licht beschreibt, das die Natur zum Leben erweckt. Es vermittelt ein Gefühl von Neuanfang, Aufbruch, Optimismus und Motivation, während die Natur in ihrer vollen Schönheit erstrahlt und jedes Lebewesen von diesem Licht inspiriert zu sein scheint.

Weitere wichtige Beispieltexte der Epoche:

  • Hugo von Hofmannsthal: Reitergeschichte (1899)
  • Rainer Maria Rilke:Der Panther (1902)
  • Rainer Maria Rilke: Das Karussell-Jardin du Luxembourg (1906)
  • Stefan George: Komm in den totgesagten Park und schau (1897)