Einführung
Der Begriff
Um dich mit dem Leitthema „Naturlyrik“ für dein Abitur vorzubereiten, ist als Erstes wichtig zu klären, was unter dem Begriff Naturlyrik zu verstehen ist.Natur | Lyrik |
---|---|
Natur ist offensichtlich der Gegenstand der Gedichte. Es geht um die Natur an sich und den Menschen in der Natur. | Lyrik ist die Gattung, die betrachtet wird. Hierbei ist das entscheidende Merkmal die Strukturierung in Versen |
Achtung: Naturkonstruktionen und Naturkonzepte sind in den Epochen unterschiedlich und zum Teil wird der Begriff Natur sogar bei unterschiedlichen Autoren verschieden interpretiert. Du musst dich also immer fragen, welcher Naturbegriff dem Gedicht zugrunde liegt. Handelt es sich eventuell nur um ein Gedicht aus der Natur? |
Achtung: In Bezug auf die Gattung stellt sich die Frage, ob eine thematische Unterteilung der Gattung in beispielsweise Naturlyrik oder Liebeslyrik überhaupt sinnvoll ist. Reicht nicht eine Unterteilung nach Formmerkmalen wie Sonett, Ode und Hymne aus? |
Begriffsentwicklung
Schauen wir uns mal an, wie sich der Begriff Naturlyrik auffächern lässt und inwieweit weitere Unterteilungen vorgenommen werden können. Natürlich ist das nur ein ganz grober Überblick, der aber eine Idee davon geben soll, dass es keine starre Begriffsdefinition gibt! Sowohl die Kultur, der aktuelle naturwissenschaftliche Forschungsstand als auch die Anforderungen an die Literatur prägen die Textproduktion.- Naturkundliches Lehrgedicht: Die Natur wird dargestellt und belehrend beschrieben.
Antike bis ins 18. Jhd.
- Allegorisches Naturgedicht: Naturphänomene dienen dazu, das Befinden des lyrischen Ich oder der gesellschaftlichen und religiösen Situation durch ein Zeichenrepertoire zu vermitteln.
Antike bis ins 18. Jhd.
- Emphatisches Naturgedicht: Das Symbolkonzept der Goethezeit prägt die emphatische Haltung gegenüber der Natur. Naturphänomene werden stimmungshaft und verdichtet dargestellt.
Hochphase um 1800
- Anti-Naturgedicht: Die Abgrenzung zur Natur und der Kontrast zwischen Natur und Kultur wird thematisiert. Die Autonomie der Kunst gegenüber der Natur ist wichtig.
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jhdts.
- Moderne Naturgedichte: Alle Traditionen kommen vor, werden aber verändert, umgewandelt und gezielt verfremdet. Beschleunigung, Stilpluralismus und Reizüberflutungen werden durch offenen Sprachgebrauch vermittelt.
Ab der Jahrhundertwende
Der Mensch in der Natur
Der Bezug zwischen dem Menschen und der Natur ist für die Arbeit mit Naturgedichten wichtig. Es gibt verschiedene Leitfragen, die diese Beziehung besser nachvollziehbar machen.- Natur und Gott: Natur als Werk Gottes und Ort seiner Allgegenwart
- Natur als Ursprung: All-Natur, Mutter Natur, Natur als Grund des Daseins.
- Natur als Lehre: Naturbeobachtung als Lernmaterial, Natur als Orientierungshilfe, Nachahmung der Natur
- Natur als Symbol: Symbole in der Natur und Gleichnisse für das menschliche Verhalten
- Natur als Mythos: Das Geheimnis der Natur, das Schaurige und Gruselige in der Natur
- Natur als Fluchtpunkt: Die Natur als Idylle und heile Welt neben der menschlichen Welt, Eskapismus, Medium der Inspiration
- Natur als bedrohter Lebensraum: Naturkatastrophen, Verstädterung und die Natur als zu gestaltender Raum
Motive in der Natur
- Neben der Beziehung zwischen Mensch und Natur gibt es in der inhaltlichen Aufarbeitung von Naturthemen in Gedichten immer wiederkehrende Motive. Diese werden meistens epochenübergreifend aufgegriffen und darum ist hier beispielsweise ein Gedichtvergleich eine häufige Aufgabe.
- Motive kehren zwar immer wieder, werden aber in unterschiedlichen Epochen unterschiedlich aufgearbeitet. Es ist immer der Naturbegriff zu der jeweiligen Zeit zu beachten.
- Es gibt einige typische Motive der Naturlyrik, die besonders wichtig sind und gerne das gemeinsame Element bilden, wenn du zwei Gedichte aus unterschiedlichen Epochen vergleichen sollst.