Peter Stamm
Biografie
Peter Stamm (* 18.01.1963)- Peter Stamm wurde am 18. Januar 1963 in Scherzingen, im Kanton Thurgau in der Schweiz, geboren. Er wuchs in einer Familie mit drei Geschwistern auf; sein Vater war Buchhalter. Nach der Primar- und Sekundarschule absolvierte er mit 16 Jahren eine kaufmännische Lehre. Später erlangte er die Matura, das schweizerische Abitur und begann mit 19 Jahren sein Studium, das er jedoch nicht abschloss. Stamm studierte Anglistik, Psychologie, Psychopathologie und arbeitete nebenbei als Praktikant in psychiatrischen Kliniken.
- Nach dem Abbruch seines Studiums im Jahr 1990 begann er seine Karriere als freier Autor und Journalist. Er schrieb für das Satiremagazin Nebelspalter. Seine Reisen führten ihn in verschiedene Städte weltweit, darunter Paris, New York, London und Berlin.
- Die Eindrücke aus diesen Städten dienten ihm als Inspiration für seine Geschichten, auch wenn er aufgrund des städtischen Lärms und der Unruhe diese nicht direkt niederschreiben konnte. Er sammelte also seine Materialien und kehrte zum Schreiben in ruhigere Städte zurück. Heute lebt er mit seiner Familie in Winterthur in der Schweiz.
- Seine schriftstellerische Karriere begann mit der Veröffentlichung von Agnes, seinem ersten Roman. Ursprünglich als Novelle geplant, wurde das Werk erst einige Jahre später im Jahr 1998 veröffentlicht, nachdem er die Geschichte umgeschrieben hatte. Peter Stamm hat verschiedene Auszeichnungen erhalten, darunter den Rauriser Literaturpreis (1999) und den Rheingau Literaturpreis (2000). Bei größeren Auszeichnungen konnte Stamm bislang noch nicht punkten, was er selbst damit begründet, dass seine Bücher schwer vermittelbar seien.

Zeitliche Einordnung und typische Themen seiner Werke
- Stamms Geschichten konzentrieren sich auf gewöhnliche Menschen in alltäglichen Situationen. Charakteristisch ist ebenfalls die Darstellung von Liebesgeschichten und Beziehungen, oft mit ungewöhnlichen Wendungen. In seinem Debütroman Agnes steht ein Ich-Erzähler, ein Autor aus der Schweiz, der in Chicago lebt, im Mittelpunkt der Erzählung. Die Geschichte konzentriert sich auf den Alltag dieses Mannes und seiner Beziehung zu Agnes, einer Physikerin.
- Die Figuren seiner Werke fühlen sich in ihrem eigenen Leben häufig fremd, sind unzufrieden mit ihrem gegenwärtigen Zustand, haben Schwierigkeiten damit, ihre Gefühle auszudrücken und versuchen, ihren Platz in der Welt zu finden. Nicht selten erhalten die Charaktere auch autobiografische Bezüge.
- In vielen Werken dient die städtische Umgebung als Hintergrund für die Handlung und beeinflusst oft die Gefühlslage der Charaktere. Die Charaktere wohnen oft in großen einsamen Städten wie Paris, New York oder Chicago, haben gewöhnliche Berufe und sind auf der Suche nach etwas, scheinen aber nicht zu wissen, was genau sie suchen und sind deshalb ständig in Bewegung. Stamms Werke konstatieren häufig die Themen Identität, Selbstentfremdung, Isolation und Anonymität. In An einem Tag wie diesem sucht der Hauptcharakter nach einem tieferen Sinn und versucht die Leere in seinem Leben zu füllen, indem er seine erste Liebe wiederfindet.
- Viele seiner Geschichten enden ohne klare Auflösung, was den Leser*innen Raum für Kreativität gibt. Ein Happy End bleibt jedoch häufig aus. In Agnes bleibt das Schicksal von Agnes nach dem Lesen der Geschichte durch den Ich-Erzähler offen und ambivalent.
- Generell kann festgestellt werden, dass Peter Stamm als zeitgenössischer Schriftsteller seine Werke in den gesellschaftlichen und kulturellen Rahmen seiner Zeit einbettet. Sein Roman Agnes kann in die Kategorie des postmodernen Romans eingegliedert werden kann. Diese Art von Roman entstand in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und wird als Gegenbewegung zur Moderne angesehen. Anstatt den Sinn der Wirklichkeit zu suchen, wird dieser Faktor in der Postmoderne absichtlich vernachlässigt. Charakteristische Züge sind die Sinnlosigkeit und das Durcheinander. Die Figuren haben keine Möglichkeit zur Entwicklung, bleiben auf der Stelle stehen oder entwickeln sich sogar zurück. Das Leben kommt ihnen fremdgesteuert vor, sie sind nicht in der Lage, selbst Entscheidungen zu treffen.
Form und sprachlicher Stil
- Die literarischen Produktionen von Peter Stamm sind weit gefächert. Er schreibt Hörspiele, Drehbücher, Satiren, journalistische Texte, Prosa, Romane und Erzählungen.
- Stamm zeichnet sich durch eine klaren und schlichten Sprachstil aus, die von kurzen Sätzen ohne viele Konjunktionen geprägt ist. Er vermeidet übermäßige Ausschmückungen, was zur nüchternen Atmosphäre der Geschichten beiträgt. In seinen Werken strebt er danach, dass die Leser*innen nicht bewusst auf die Sprache achten, sondern sich in einem Zustand des Tagträumens befinden. Sein Ziel ist erreicht, wenn sie das Buch wie in einem Tagtraum erleben, ohne sich dessen bewusst zu sein.
- In Agnes zeigt sich Stamms Einsatz von Intertextualität, indem er zahlreiche Referenzen zu literarischen und nicht-literarischen Texten einfließen lässt. Diese Anspielungen eröffnen neue Interpretationsmöglichkeiten und sind mit den Leitmotiven des Romans verknüpft.
- Stamm bedient sich auch stilistischer Mittel wie Metaphern, Vergleichen und verschiedenen Tempora. Die Handlungsorte in Stamms Werken, oft große Städte, dienen metaphorisch der Darstellung von Einsamkeit.
- Außerdem nutzt der Autor oft die personale Erzählform mit einem Ich-Erzähler. In seinen Werken stehen die Gedanken und inneren Monologe der Charaktere im Vordergrund. Somit schafft Stamm trotz der Einfachheit seiner Sprache eine psychologische Tiefe seiner Figuren.
Ausgewählte Werke
- Romane
- Erzählungen und Kurzgeschichten