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E.T.A. Hoffmann

Biografie

E.T.A. Hoffmann (* 24.01.1776 - † 25.06.1822)
deutsch Basiswissen Autoren eta Hoffmann
Anonym: E.T.A. Hoffmann Öl. Früher als Selbstporträt interpretiert (Alte Nationalgalerie, Berlin) (hier zum Nachweis)

Zeitliche Einordnung und typische Themen seiner Werke

  • E.T.A. Hoffmann lebte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und repräsentiert die Epoche der Romantik. Als romantisches Genie und Sinnbild seiner Epoche verkörpert er die Vielseitigkeit des literarischen Zeitalters. Seine Werke reflektieren die Merkmale der Romantik wie Individualität, Naturverbundenheit, Fantasie, die Betonung von Emotionen sowie das Interesse an mystischen, fantastischen und mittelalterlichen Themen. Hoffmann ragt jedoch durch seine eigene kreative Vielfalt und seinen individuellen Stil heraus. Abweichend von den Werken von Schlegel und Novalis, den Begründern der Romantik, hat er ihre Ideen durch eigene ergänzt. Hoffmann vereinte die verschiedenen Künste, indem er als Autor, Zeichner und Komponist tätig war. Durch die einzigartige Kombination dieser Künste trug er zur Entwicklung der romantischen Ästhetik bei und beeinflusste nachfolgende Generationen.
  • Typische Themen wie die Vermischung und Dualität von Alltag und Fantasie, das Übernatürliche, Unheimliche, der Konflikt zwischen Vernunft und irrationalen Elementen prägen Hoffmanns Werke. Die Einordnung des Autors in die Gesellschaft seiner Zeit zeigt sich durch seinen Beruf als Jurist, den er zu keiner Zeit vernachlässigte. Die Zweiteilung zwischen Alltag und Fantasie reflektiert sich in seinen Werken sowie in seinem persönlichen Leben. Der Einsatz von Alkohol zur Steigerung der Kreativität verleiht vielen seiner Werke einen „rauschhaften“ Charakter. Hoffmanns Kunstauffassung wird in Der goldne Topf aus seiner Sammlung Fantasiestücke verdeutlicht. Realitätsbezug und Fantasie schließen sich bei Hoffmann nicht aus.
  • Auch die gesellschaftliche Verunsicherung und Umbruchphase seiner Epoche schwingen in Hoffmanns Schriften mit. Die Romantik reagierte auf die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, darunter die Napoleonischen Kriege, die Restauration und die beginnende Industrialisierung. Seine Werke kritisieren oft die Gesellschaft, wie in Meister Floh, in dem er seine Erfahrungen mit der Immediatskommission verarbeitet oder in der Novelle Das Fräulein von Scuderi aus den Serapionsbrüdern, die sich mit ungerechter Justiz befasst. Hoffmanns Kritik an der Gesellschaft kann als Reaktion auf die Unsicherheiten und Entwicklungen seiner Zeit interpretiert werden.
  • Ebenfalls reflektiert Hoffmanns Schreiben die romantische Sehnsucht nach einer idealisierten Vergangenheit oder einer utopischen Zukunft. Der Weltschmerz, das Gefühl der Unzufriedenheit mit der Realität, findet sich in vielen seiner Werke.
  • Weitere charakteristische Merkmale seiner Literatur sind die Auseinandersetzung mit psychologischen Zuständen, die Darstellung von Figuren mit melancholischen, manischen und hysterischen Charakterzügen sowie Unwissenheit des Lesers über Wirklichkeit und Wahn. Die Nachtstücke und der Roman Die Elixiere des Teufels behandeln den Wahn, wobei die Unwissenheit der Leser*innen den Schauereffekt steigert. Hoffmann nutzt psychologisches Wissen, um dem Horror in seinen Geschichten eine psychologische Komponente zu verleihen und nicht nur als Werk des Bösen darzustellen.

Form und Sprache

  • Hoffmann wählte die Form der Novelle oder Erzählung, um sein Talent für das Ungewöhnliche, Witzige und Unheimliche zu präsentieren, wodurch er die Grenzen zwischen Einbildung und Wirklichkeit vermischte. Er strebte danach, sein Publikum zu unterhalten, und Novellen ermöglichten eine einfache Veröffentlichung und guten Verkauf für schaurige oder groteske Geschichten.
  • Der Autor legte großen Wert darauf, die Leser*innen in seine literarische Welt einzuführen und ihm das Erleben der Geschichte zu ermöglichen. Die Erzählperspektive, häufig durch einen Herausgeber eingeführt, der die Authentizität der Geschichte betont, sollte den Leser*innen das Gefühl geben, dass der präsentierte Text wahr sei. Die direkte Ansprache des Herausgebers an die Leser*innen nutzte Hoffmann, um die Distanz zwischen Leser*innen und Werk zu verringern.
  • Hoffmanns genereller Stil ist typisch für die Romantik, eine Epoche, die das Gefühl als wichtigstes Element betrachtet. In seinen Werken verwendete er eine reiche und bildhafte Sprache, die darauf abzielte, seine Leser*innen intensiv in die Handlung und Gefühlswelt der Charaktere einzubeziehen. Diese Detailfülle trug zu einer lebendigen Vorstellungskraft bei. Hoffmann strebte danach, starke Bilder und Synästhesien zu schaffen, um die Gefühle der Figuren in seinen Werken darzustellen. Häufig integrierte er fantastische und märchenhafte Elemente, die den Leser*innen eine Welt jenseits der Realität eröffnen.
  • Ein weiterer Anspruch Hoffmanns ergab sich aus dem serapiontisches Prinzip, einer ästhetischen Leitlinie, die er mit anderen Künstlern der Serapionsbrüder entwickelte. Dieses Prinzip forderte, dass der Künstler seine innere Welt durch die Literatur nach außen tragen sollte, indem er Eindrücke aus der äußeren Welt durch die Fantasie verarbeitet und in einem neuen Kontext präsentiert.
  • Die Darstellung des Wahnsinns erfolgte durch subtile Mittel wie die Unklarheit zwischen Wahn und Wirklichkeit sowie explizite Methoden, bei denen die Sprache selbst den erlebten Wahnsinn widerspiegelt. Hoffmann verwendete auch Leitmotive, wie Augen in Der Sandmann oder das Motiv des Glanzes in Das Fräulein von Scuderi, um starke Bilder zu schaffen, das Verständnis der jeweiligen Werke zu erleichtern und die Fantasie der Leser*innen anzuregen.
  • E.T.A. Hoffmann war auch für seinen Humor bekannt, insbesondere für das Groteske und für die Ironie. Seine satirischen Elemente, wie die Kritik am Spießbürgertum in Der Sandmann, verleihen seinen schaurigen Werken eine zusätzliche Dimension. Insgesamt strebte Hoffmann danach, seine Leser*innen nicht nur zum Lesen, sondern auch zum Erleben seiner Geschichten zu bewegen.
  • Insgesamt war Hoffmanns sprachlicher Stil darauf ausgerichtet, die Leser*innen in eine fantastische, emotionale Welt zu entführen und dabei die Grenzen zwischen Realität und Einbildung zu verwischen.

Ausgewählte Werke

  • Sammlungen

  • \(\rightarrow\) Fantasiestücke in Collots Manier, Sammlung von Erzählungen und Kunstmärchen, darunter Der Goldne Topf (1814/1815)
    \(\rightarrow\) Nachtstücke, Sammlung von Schauergeschichten, darunter Der Sandmann (1816/1817)
    \(\rightarrow\) Die Serapionsbrüder, Sammlung von diversen Essays, Erzählungen und Novellen, darunter Das Fräulein von Scuderi (1819/1821)
  • Romane

  • \(\rightarrow\) Ritter Gluck (1809)
    \(\rightarrow\) Die Elixiere des Teufels (1815/1816)
    \(\rightarrow\) Lebens-Ansichten des Katers Murr (1819 und 1821)
  • Kunstmärchen

  • \(\rightarrow\) Klein Zaches, genannt Zinnober (1819)
    \(\rightarrow\) Meister Floh (1908)