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Inhaltsverzeichnis

Expressionismus

Epochenmerkmale

Auf einen Blick
  • Definition: Die Literaturepoche des Expressionismus erstreckte sich von 1906 bis 1925. Der Expressionismus entstand als Reaktion auf die komplexen gesellschaftlichen Veränderungen zu dieser Zeit und war geprägt von intensiven Emotionen, persönlichem Ausdruck und einer starken Ablehnung der bürgerlichen Gesellschaft.
  • Einordnung: nach der Moderne und vor der Neuen Sachlichkeit
  • Geschichtlicher Hintergrund: Beeinflussung durch den Ersten Weltkrieg, soziale Unruhen und politische Veränderungen, wirtschaftliche Instabilität, Herausforderungen der Industrialisierung und Klassenkonflikten, technologischen Fortschritt und Urbanisierung
  • Merkmale: Experimentelle Sprache, Individualismus, Gefühl und Intuition, Subjektivität, Zeitkritik; Themen wie Krieg, Aufbruch, Entfremdung und Krankheit
  • Autoren: Döblin, Kafka, Heym, Trakl, von Hoddis

Definition

  • Die Epoche des Expressionismus dauerte von 1905 bis 1925 an. Sie wird zeitlich in drei Abschnitte unterteilt:
  • \(\rightarrow\) 1910 - 1914 Frühexpressionismus
    \(\rightarrow\) 1914 - 1918 Kriegsexpressionismus
    \(\rightarrow\) 1918 - 1925 Spätexpressionismus
  • Der Begriff wird vom lateinischen Wort „expressio“ abgeleitet, das „Ausdruck“ heißt und somit für „Ausdruckskunst“ steht. Die Bezeichnung wurde 1911 erstmals von Schriftsteller Kurt Hiller von der Bildenden Kunst auf die Literatur und Dichtung übertragen.
  • Der Expressionismus wurde von der Verstädterung und Isolierung der Menschen sowie dem Ersten Weltkrieg beeinflusst. Von großer Bedeutung waren Themen wie Krieg, Verfall, Angst, Weltuntergang sowie Wahnsinn und Liebe. Ziel war es, mit der Literatur ausdrucksstark und unverblümt die Erlebnisse darzustellen und die Menschheit zu ändern.

Geschichtlicher Hintergrund

Deutsch Basiswissen Epochen Expressionismus Abbild Gemälde Der Schrei
Edvard Munch: Der Schrei (1893) (hier zum Nachweis)

Zeitgeist

  • Der Expressionismus stellt eine Gegenbewegung zum Naturalismus dar und beschäftigt sich mit dem Leid der Menschen. Der Krieg, die Industrialisierung und die Großstädte lösten ein Gefühl des Chaos und der Unordnung aus. Daraus entstand eine Vorliebe für das negative Extrem und Themen wie Tod und Untergang.
  • Die Expressionisten waren überzeugt davon, dass die Entwicklung der Menschheit amoralisch und chaotisch verläuft. Auch die Logik und Erklärbarkeit der Dinge lehnten die Expressionisten strikt ab; es ging ihnen um die Erfassung der Dinge. Mithilfe der Kunst wollten die Vertreter der Epoche die Menschen ändern.
  • Die genauen Ziele der Expressionisten können nicht genannt werden, vielmehr ging es ihnen darum, mit Begeisterung und Engagement dabei zu sein und Opfer zu bringen. Primär wollten die Vertreter, dass überhaupt etwas geschah und dass etwas getan wurde - auch wenn kein konkretes Ziel damit verfolgt wurde.
  • Indem in der Literatur überschwänglich die negativen Erlebnisse und Situationen geschildert wurden, wollten die Expressionisten die Wahrheit vermitteln. Beeinflusst wurden die Schriftsteller dabei auch vom Darwinismus, dem Kulturpessimismus Nietzsches und der Psychoanalyse von Freud.

Literarische Merkmale

  • Themen: Großstadt, Krieg, Psyche, Aufbruch, Verfall, Angst, Existenzialismus, Zeitkritik, Individuum, Entfremdung, Isolation, Tod, Zerstörung, Ich-Verlust, Erneuerung, Krankheit, Selbstmord und Liebe
  • Literarische Gattungen: Sonett, Stationendrama, Verkündigungsdrama, moderne Textformen
  • Individuelle Erfahrungen und subjektive Wahrnehmungen stehen im Fokus
  • Abkehr von traditionellen Themen und Formen
  • Sprache: experimenteller Umgang mit Sprache und Stil; Sprache extrem subjektiv und überhöht; intensive Ausdrucksweise; durch Ekstase und Pathos gekennzeichnet; viele Enjambements und Ellipsen; Ironie und Neologismen; viel Farbsymbolik; hoher Metapherngebrauch; Bruch mit sprachlichen Regeln; häufige Wortneuschöpfungen
  • Rhythmen bewusst als Ausdrucksmittel genutzt
  • Tempo: schnelle Sprache durch Bewegungsverben und Reihung von Substantiven
  • Grammatik: Normen werden oft gebrochen, konfuser Satzbau, neue Syntaxformen
  • Motive: Ablehnung der bürgerlichen Gesellschaft, Kritik an Ständegesellschaft, die Stadt, Wahnsinn, Weltende, das Hässliche und negative Empfindungen wie Ekel
  • Die sprachlichen und thematischen Merkmale verdeutlichen die künstlerische Rebellion des Expressionismus gegenüber den etablierten Normen und die Suche nach neuen Ausdrucksformen inmitten der gesellschaftlichen und politischen Umbrüche ihrer Zeit.

Wichtige Autoren und Werke

  • Alfred Döblin (* 1878 - † 1957): Die Ermordung einer Butterblume (1913)
  • Carl Einstein (* 1885 - † 1940): Bebuquin (1917)
  • Else Lasker-Schüler (* 1869 - † 1945): Die Wupper (1909)
  • Ernst Stadler (* 1883 - † 1914): Der Aufbruch (1914)
  • Franz Kafka (* 1883 - † 1924): Amerika (1927), Das Urteil (1913), Die Verwandlung (1915)
  • Frank Wedekind (* 1864 - † 1918): Die Büchse der Pandora (1902)
  • Georg Trakl (* 1887 - † 1914): Grodek (1914), Verfall (1913)
  • Georg Heym (* 1887 - † 1912): Der Dieb (1913)
  • Gottfried Benn (* 1886 - † 1956): Gehirne (1916)
  • Jakob von Hoddis (* 1887 - † 1942): Weltende (1911)
  • Kurt Pinthus (* 1886 - † 1975): Menschheitsdämmerung (1919)