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Teil B: Mediation

Teil B: Mediation

Your American friend is active in the National Junior Firefighter Program and is interested in how other countries organize firefighting and what challenges they are facing.
Based on the article below, write him/her an email in which you present the situation of firefighting in Germany.

Text
Freiwillige Feuerwehr. Es brennt

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Sunny ist neun Jahre alt, ein zarter Junge mit Brille und klaren Berufsvorstellungen.
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Professor will er werden, Medikamente erfinden. Chemiker also? Er denkt nach, nickt dann
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mit dem Kopf. Ja, Experimente fände er toll. Auch deshalb ist er an diesem grauen,
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verregneten Samstag in das Feuerwehrhaus in Winnen im Westerwald gekommen. Dort
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treffen sich die jüngsten Brandexperten der Gegend, gut 20 Kinder im Alter von sechs bis zehn
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Jahren. Sie sind die Bambini-Gruppe. Die große Nachwuchshoffnung der Feuerwehr.
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Sunny kommt am Morgen des Sankt-Martins-Tages auf seine Kosten. Erst ein Vortrag
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über gefährliche Feuer und die Frage, warum man Kerzen nicht unter einer Gardine
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anzündet. Dann geht's ab nach draußen. Im Eisenkorb brennen Scheite. Nicole
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Müller-Nilges, hauptberuflich Erzieherin und ehrenamtliche Leiterin der Bambini, wirft allerlei
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Dinge in die Flammen: Watte, Papier, Alufolie. Die Kinder lernen, dass Vorsicht geboten ist,
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wenn man in der Wohnung mit einem Kuscheltier in der Nähe von Feuer hantiert. Und
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Sunny? Möchte trotzdem nicht so ganz gern Feuerwehrmann werden.
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Mehr als 200 Kinderfeuerwehren gibt es inzwischen in Rheinland-Pfalz. Ohne sie hätte die
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Freiwillige Feuerwehr keine Zukunft mehr. Zwar herrscht nicht überall Notstand, vielerorts
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aber schon. Von den Bambini findet vielleicht der eine oder die andere den Weg in die
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Jugendfeuerwehr, in Winnen und dem benachbarten Gemünden sind es in diesem Jahr vier.
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Sie lindern die Sorge, die Verantwortliche insbesondere in ländlichen und strukturschwachen
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Regionen der Republik quält: Immer weniger Leute engagieren sich in ihrer Freizeit
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bei der Feuerwehr. Frank Hachemer, Präsident des Feuerwehrbandes Rheinland-Pfalz
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sagt: "Um das System der Freiwilligen Feuerwehr beneidet uns die ganze Welt. Und wir
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sind drauf und dran, seinen Niedergang zu erleben."
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Etliche Menschen glauben noch immer, der Dienst läge in den Händen von Hauptamtlichen
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Falsch. Allein große und größere Städte in Deutschland leisten sich eine Berufsfeuerwehr
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, gut 100 gibt es in der Republik. Wer einen Unfall hat, Opfer von Überschwemmungen
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oder Feuer ist, erhält zumeist Hilfe von Freiwilligen. Etwa 24 000 solcher Wehren
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gibt es deutschlandweit. Noch, wohlgemerkt.
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Denn vielerorts finden sich keine Freiwilligen mehr. Dann müssen die Gemeinden Menschen
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für den Dienst einziehen. Eine Handvoll Orte, vor allem in Norddeutschland, haben
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Pflichtwehren. Keine ideale Lösung, sagen die, die etwas von der Sache verstehen. Die
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Freiwillige Feuerwehr in ländlichen Regionen spürt den gesellschaftlichen Wandel. Dort,
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wo die Wirtschaft nicht brummt und Jobs rar sind, ziehen junge Leute fort. Die, die bleiben,
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pendeln oft, der Arbeit wegen, haben Schichtdienst und in ihrer Freizeit keine Lust auf ein
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knochenhartes Ehrenamt. [...]
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Ohne intensive Nachwuchsarbeit, da sind sich Fachleute einig, wird die Freiwillige
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Feuerwehr einen Niedergang erleben und die Sicherheit leiden. Die Retter sollen schließlich
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möglichst schnell vor Ort sein. Auch in Bayern hat man das erkannt. Der demografische
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Wandel gehe an keiner Region vorbei, sagt Landesfeuerwehrpräsident Alfons Weinzierl.
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"Man muss Werbung machen, unaufhörlich Werbung - sonst funktioniert es nicht." Mit
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einer Plakataktion oder einem Tag der offenen Tür komme man nicht sehr weit. Noch seien
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die Freiwilligenzahlen im Freistaat relativ konstant. Aber in zehn Jahren wird es enger
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werden. Weinzierl prophezeit: "Oberbayern wird auch 2030 noch ganz gut dastehen,
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Oberfranken weniger."
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Also werben. Nicht nur um junge Männer, sondern auch um junge Frauen, Migranten und,
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das ist dem Rheinländer Hachemer wichtig, um Menschen mit Behinderungen. In Winnen
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sind unter den vier Ex-Bambini, die nun zur Jugendwehr wechseln, immerhin zwei
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Mädchen. Doch der Frauenanteil insgesamt ist gering. Die Freiwillige Feuerweh muss heute
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immer noch gegen ihren Ruf einer Männertruppe ankämpfen.
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Das gilt auch für Berlin. In der Hauptstadt hat man aber interessanterweise keine Nach-
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wuchsprobleme. Im Gegenteil. [...] Die Gründe, so sagen die Berliner, lägen auf der Hand.
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Berlin hat seit 40 Jahren eine Jugendfeuerwehr, gewinnt Einwohner hinzu, die Feuerwehr
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hat bundesweit einen guten Ruf und zieht deshalb auch Freiwillige aus allen Gruppen der
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Gesellschaft an, in den Randgebieten, aber auch im Zentrum. Die Jugendwehr im Wedding
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hat gut 60 Mitglieder, die Hälfte stammt aus Migranten-Familien.
(637 words)
Susanne Höll: "Es brennt", SZ.de vom 12.11.2017
Annotationen:
7 Sankt-Martins-Tag: Fest des heiligen Martin am 11. November, das mit Laternenumzügen gefeiert wird
53 Wedding: Stadtteil Berlins
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